Anleihen-ETFs oder Tagesgeld im ETF-Portfolio?

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ETF-Portfolios unempfindlicher gegen Marktschwankungen machen – das geht mit Anleihen-ETFs oder sogar Tagesgeld. Was aber ist sinnvoller? Das kommt auf Ihre Anlageziele an. Auch die Situation am Kapitalmarkt spielt eine Rolle. Wir haben die Optionen für Sie verglichen.

Anleihen-ETFs oder Tagesgeld im ETF-Portfolio? Sie scheuen Risiko oder können Ihr Geld nicht auf lange Frist, also über mehrere Finanzmarkt-Zyklen, anlegen? In beiden Fällen lohnt es sich, die Anlagestrategie Buy and Hold um eine Sicherungskomponente zu ergänzen. So sichern Sie Ihr ETF-Portfolio gegen Einbrüche des Aktienmarkts robust ab. Diese Sicherungskomponente besteht meist aus ETFs, die Staatsanleihen hoher Bonität halten. Wenn Sie sich dabei auf die Heimatwährung beschränken, entfällt auch das Währungsrisiko. Bei der Auswahl zu Sicherungszwecken steht also nicht die Rendite der Anleihen im Vordergrund, sondern die Sicherheit durch sinnvolle Vermögensverteilung, auch Diversifikation genannt. Anleihen aus Schwellenländern oder hochverzinsliche Unternehmensanleihen eignen sich daher nicht. 

Eine Alternative: Tagesgeld. Beim Tagesgeld erhalten Sie einen variablen Zins, der sich am Leitsatz der Europäischen Zentralbank orientiert, und können täglich über das Geld verfügen. Die vielen Sonderaktionen der Online-Banken und die dadurch geringen Kosten machen Tagesgeld attraktiver als das klassische Sparbuch bei der Bank. 

 

Anleihen-ETFs als risikoarmer Baustein im ETF-Portfolio

Anleihen-ETFs sind als Sicherungskomponente in ETF-Portfolios beliebt. Je länger die Laufzeit, desto besser gleichen Anleihen-ETFs die Schwankungen der risikoreichen Aktien-ETF-Positionen aus. Sie profitieren von diesem Vorteil, wenn Sie Ihr Portfolio für eine lange Laufzeit anlegen und zum Beispiel als Altersvorsorge verwenden möchten. Im Rahmen einer solchen Diversifikation können Sie auch Unternehmensanleihen hoher Bonität beimischen.
 
Unser Tipp: Achten Sie darauf, den Einfluss von Fremdwährungen zu begrenzen. Für Investoren der Euro-Zone sind Anleihen in Euro erste Wahl!
Falls Sie Ihr Vermögen für eine weniger lange Frist anlegen, sind die Wertschwankungen von lang laufenden Anleihen zu viel für Sie. Hier lohnt sich der Einsatz von ETFs, die in Staatsanleihen mit kurzer Restlaufzeit investieren. Der Grund: Anleihenpreise schwanken vor allem durch die Erwartungen der Kapitalmarkt-Akteure an künftige Zinsentwicklungen. Den zugrunde liegenden Mechanismus nennen Fachleute das Zinsänderungsrisiko. Wird in Zukunft ein höherer Zins erwartet, sinkt die Nachfrage nach niedriger verzinsten Anleihen. Der Kurs des Anleihen-Portfolios in Ihrem ETF verliert dadurch an Wert. Je kürzer nun die Restlaufzeit der Anleihen im ETF, desto geringer der Einfluss der Zinserwartungen – die Schwankungen sinken. Kursschwankungen oder Volatilität werden als Risiko betrachtet, sehr gut zu sehen in folgender Gegenüberstellung:

 

Drei Anleihen-ETFs auf Euro-Staatsanleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten

Drei Anleihen-ETFs auf Euro-Staatsanleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten
Quelle: justETF Research, Stand: 07.01.2019

Wenig erfreulich fällt auch der Blick auf die Wertentwicklung der vergangenen drei Jahre aus. Die expansive Zentralbank-Politik der Europäischen Zentralbank hat zu einem Zinstief geführt, das auch Anleihen-ETFs nicht unbeschadet lässt: Die Wertentwicklung des Anleihen-Portfolios mit sehr kurzen Restlaufzeiten war negativ. Das zeigt auch die tatsächliche, effektive Verzinsung der vom ETF gehaltenen Anleihen, die von manchen ETF-Anbietern angegeben wird. 

 

Renditen und Risiko von Anleihen-ETFs und Tagesgeld

Art Europäische Unternehmensanl.* Europäische Staatsanleihen* Europäische Staatsanleihen* Deutsche Staatsanleihen* Tagesgeld
Restlaufzeit der Anleihen im ETF alle Laufzeiten alle Laufzeiten kurzlaufend kurzlaufend  
Effektiver Zins in % 1,33% 0,86% 0,07% -0,63% 0,01 bis 1,00%
TER in % 0,20% 0,20% 0,20% 0,16% 0,00%
Volatilität 3 Jahre in % 1,98% 3,29% 0,96% 0,49% 0,00%
*Quelle: ISIN (Bsp.) IE00B3F81R35 IE00B4WXJJ64 IE00B14X4Q57 DE0006289473  
Quelle: justETF Research; Stand: 09.01.2019
 
Unser Tipp: Die effektive, aktuelle Verzinsung der Anleihen im ETF wird von einigen Anbietern im Factsheet ausgewiesen. Sie gibt einen Anhaltspunkt für die Verzinsung der Anlage, ist aber nicht gleichzusetzen mit der tatsächlichen Wertentwicklung des ETF.
Da die Europäische Zentralbank die Leitzinsen schon seit Langem sehr niedrig hält, ist ein Szenario der Zinssteigerung denkbar. Die Folge: ein weiterer Wertverfall des Anleihen-ETF. Der Vorteil bei kurzen Laufzeiten: Sie profitieren auch wieder schneller von steigenden Zinsen. Außerdem fällt für jeden ETF eine Verwaltungsgebühr an. Die Gebühren sind zwar niedrig und liegen im Bereich von 0,1 bis 0,2 Prozent. Am Ende tragen die Kosten aber zur Wertentwicklung bei. Hinzurechnen müssen Sie auch die Kosten für Erwerb und Verkauf. Gängige Anleihen-ETFs sind extrem liquide, aber der Online Broker möchte schließlich auch entlohnt werden und so zahlen Sie ebenfalls Ordergebühren. 

Diese Punkte werfen die berechtigte Frage auf: Bietet Tagesgeld eine Alternative zu ETFs aus Kurzläufern?

 

Tagesgeld bei Banken

Tagesgeld ist nicht nur ideal, um Gelder kurzfristig zu „parken“. Sie können es auch als Sicherungskomponente für ein ETF-Portfolio einsetzen. Statt das Geld in Anleihen-ETFs mit kurzer Restlaufzeit zu investieren, wird das Geld bei dieser Variante bei einer Bank auf dem Konto angelegt. 

Bei justETF können Sie diese Strategie ebenso hinterlegen wie einen ETF, wobei erwirtschaftete Zinsen nicht einbezogen werden können. Der Vorteil: Eine Gesamtsicht auf das Portfolio inklusive Cash führt zu einer ganz anderen Risikobeurteilung, weil die Schwankung des Gesamt-Portfolios erheblich abnimmt. Daher bietet sich eine Kombination mit unseren neuen Aktien-ETF-Portfolios an. Tagesgeld können Sie in unserem ETF Strategie Planer genauso einsetzen, um ein ETF-Portfolio zu erstellen.

Tagesgeldzinsen können sich allerdings jederzeit ändern. Aktionsangebote bieten meist nur für eine bestimmte Zeit Zinssicherheit. Es empfiehlt sich also, die Angebote für Tagesgeld regelmäßig zu vergleichen und gegebenenfalls sogar die Bankverbindung zu wechseln. Das ist gar nicht schwer, denn Sie können bei den Banken täglich über Ihr Geld verfügen. 

Bitte beachten Sie: Genauso wie Erträge aus ETFs müssen Zinserträge versteuert werden. Denken Sie also daran, der Bank für die Zinsen auf das Tagesgeld einen Freistellungsauftrag zu geben. Hier erfahren Sie mehr zum Thema Sparerpauschbetrag.
 
Tagesgeld-Angebote im Vergleich

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Höhere Tagesgeld-Zinsen im europäischen Ausland

Genau wie bei Anleihen kann es sich mit Blick auf die Rendite lohnen, im europäischen Ausland nach Angeboten zu suchen. Dort können Banken manchmal bessere Zinsen bieten als heimische Institute. Doch wie können Sie dort einfach investieren? Lösungen bieten Zinsportale wie Zinspilot oder Weltsparen. Sie müssen nur ein Konto eröffnen und können Ihr Geld bei verschiedenen Banken in ganz Europa zu bestmöglichen Zinsen investieren. 

Aber ist das wirklich sicher? EU-weit gilt für Privatanleger eine gesetzlich verankerte Einlagensicherung bis 100.000 Euro. Solange Sie unter diesem Betrag bleiben und Ihr Konto bei einer Bank aus dem EU-Raum führen, ist Ihr Geld geschützt. Wenn Sie ganz sicher gehen wollen, legen Sie das Geld bei einer Bank mit Sitz in Deutschland an. Wenn Sie diese Restriktionen beachten, ist Ihr Geld ähnlich sicher aufgehoben wie in einem ETF.

Gut zu wissen: Sie haben als Privatanleger gegenüber Großanlegern einen wichtigen Vorteil. Denn für institutionelle Anleger wie Pensionskassen, Versicherungsunternehmen oder Banken gibt es diesen Einlagenschutz nicht. Diese Anleger müssen Anleihen und Anleihen-ETFs als risikofreie Anlage einsetzen und haben große Nachteile, was die Verzinsung anbelangt. Auch nur für diese Anlegergruppe gibt es sogenannte Geldmarkt-ETFs. Diese ETFs investieren in sehr kurz laufende, fest verzinsliche Wertpapiere. Beim aktuellen Zins ist die Wertentwicklung ähnlich unbefriedigend wie bei den ETFs aus Kurzläufern. Diese ETFs sind für Privatanleger daher keine gute Option.

 

Anleihen-ETFs und Tagesgeld im Vergleich

Vergleich Anleihen-ETF (kurzlaufend) Tagesgeld
Zins/Wertentwicklung abhängig von Marktsituation, seit 3 Jahren negativ variabler Zins, orientiert sich an EZB-Leitzinssatz
Wertentwicklung bei Zinserhöhung negativ positiv
Zins/Wertgarantie keine keine
Kosten 0,1% bis 0,2% pro Jahr in effektiven Zins eingerechnet
Transaktionskosten Online Broker, An-/Verkaufs-Spread keine
Verfügbarkeit jederzeit während der Börsenhandelszeiten täglich
Währung Euro Euro
Anlagevehikel Publikumsfonds (ETF) Bank-Konto
Sicherheit insolvenzsicher durch Sondervermögen  bis 100.000 EUR pro Person mit
EU-Einlagensicherung
Nutzbar mit justETF-Portfolio ja ja
Geeignet für alle Anleger Privatanleger
Quelle: justETF Research, Stand: Januar 2019