Jahresrückblick 2015: ETFs sind noch besser geworden

justETF.com

Wie in den Vorjahren liefen die Geschäfte der ETF-Anbieter auch 2015 sehr gut. Weltweit haben die Emittenten der transparenten und kostengünstigen Finanzprodukte bis Ende November Nettomittelzuflüsse von 319,3 Milliarden US-Dollar verbucht. Infolgedessen sind nun global erstmals mehr als drei Billionen US-Dollar in ETFs investiert. Das starke Wachstum der ETF-Branche ist Grund genug, im Rahmen eines Jahresrückblicks Entwicklungen aufzugreifen, die für deutsche Privatanleger relevant sind.

Jahresrückblick 2015: ETFs sind noch besser geworden Das Jahr 2015 stand im Zeichen von Smart Beta-ETFs. Einige Anbieter haben in diesem Bereich ihr Angebot verstärkt ausgebaut. Bei Smart Beta-ETFs erfolgt die Gewichtung und Titelauswahl nicht wie üblich nach der Marktkapitalisierung, sondern nach bestimmten Faktoren wie zum Beispiel Value, Unternehmensqualität, Volatilität, Momentum der Aktie oder Unternehmensgröße. Neuemissionen gab es auch in den Segmenten Nachhaltigkeits-ETFs und währungsgesicherte ETFs. Außerdem kamen neue Themen-ETFs auf den Markt.

 

Ausländische ETF-Anbieter wollen Marktanteile in Deutschland erobern

Von der in Deutschland boomenden Nachfrage nach ETFs wollen auch ausländische ETF-Anbieter profitieren. Deshalb lancierte WisdomTree im Februar 2015 hierzulande sechs Smart Beta-ETFs, mit denen Anleger Dividendenstrategien umsetzen können. Inzwischen sind 13 Smart Beta-Produkte von WisdomTree in Deutschland handelbar. Des Weiteren wagten Van Eck unter der Marke „Market Vectors“ mit drei Produkten und ZyFin, ein indischer Anbieter, den Sprung auf den deutschen Markt. Weitere Anbieter aus den USA und Asien stehen in den Startlöchern.
 
 

Anleger investierten 2015 vor allem in ETFs auf Leitindizes

Die höchsten Nettomittelzuflüsse verbuchten 2015 abermals ETFs, denen Leitindizes zugrunde liegen. Auf dem ersten Platz der entsprechenden Ranking-Liste befindet sich ein iShares-ETF auf den S&P 500. Den zweiten Platz belegt ein iShares-ETF auf den Euro Stoxx 50. Danach folgen Produkte auf den MSCI World, den Stoxx Europe 600 und den DAX.

 

Anteil physisch replizierender ETFs wird weiter steigen

Der Anteil physisch replizierender ETFs ist 2015 bei den in Deutschland zugelassenen Indexfonds gestiegen. Diese Entwicklung wird sich künftig fortsetzen: Lyxor hat jüngst ebenfalls angekündigt, ETFs auf wichtige europäische, amerikanische und globale Indizes auf die physische Replikationsmethode umzustellen. ComStage verzichtet zwar auf eine Änderung der Replikationsmethode bei synthetisch replizierenden ETFs, aber hat bereits im November physisch replizierende Indexfonds als Alternativen auf den Markt gebracht. Und Source hat eine Erweiterung des Angebots an physisch replizierenden Produkten angekündigt.
 
 

Mehr steuereinfache Produkte dank Anpassung der Ausschüttungspolitik

Bei der Auswahl von ETFs rückte die steuerliche Behandlung in den Fokus. Vermehrt hörte man unter Privatanlegern den Ruf nach „steuereinfachen“ Produkten, da ihnen einige ETFs zusätzlichen Aufwand bei der Steuererklärung bescheren. Dazu zählen unter anderem ausländische ausschüttende ETFs, die einen Teil der Ausschüttung thesaurieren. Vor diesem Hintergrund ist es erfreulich, dass 2015 die Deutsche AWM und iShares die Ausschüttungspolitik vieler ETFs so geändert haben, dass es nicht mehr zu Teil-Thesaurierungen kommt. Weitere Anbieter wollen eine solche Umstellung im kommenden Jahr durchführen.

 

ETFs sind ein günstiger Ersatz für Futures auf Indizes

2015 hat die Nutzung von ETFs als Ersatz für Futures (Terminkontrakte) auf Indizes zugenommen. Diese Entwicklung dürfte sich im nächsten Jahr fortsetzen. Hierfür spricht vor allem die Tatsache, dass es bei ETFs keine Laufzeitbegrenzung gibt wie es bei den Futures der Fall ist. Deshalb können ETF-Anleger einfach investiert bleiben. Futures-Investoren müssen hingegen vor dem Laufzeitende in einen später fällig werdenden Terminkontrakt umschichten, wofür Kosten anfallen. Erfreulicherweise führt der erwähnte Trend bei den ETFs zu einer Verbesserung der Handelsliquidität und zu einer Verkleinerung der Spreads (Spannen zwischen Geld- und Briefkursen).
 
 

Preisstellung in Stressphasen schwierig

ETFs glänzen mit geringen Gebühren: Beispielsweise betragen die jährlichen Gesamtkostenquoten mancher ETFs auf Leitindizes wie den DAX oder den S&P 500 weniger als 0,10 Prozent. Zudem überzeugen ETFs im Vergleich mit aktiv gemanagten Fonds mit einer höheren Transparenz. Dennoch geraten die kostengünstigen Finanzprodukte gelegentlich in die Kritik. Zuletzt war dies am Montag, dem 24. August 2015, der Fall. An diesem Tag rutschten die Kurse vieler US-Aktien-ETFs unter den Wert der jeweiligen Indizes. Zurückzuführen ist dies darauf, dass kurz nach dem Handelsstart an der New Yorker Börse aufgrund eines massiven Verkaufsdrucks vorübergehend nur etwa die Hälfte der im S&P 500 gelisteten Aktien gehandelt werden konnte, wodurch die Kurse zahlreicher US-Aktien-ETFs aufgrund der Unsicherheit mit großem Sicherheitspuffer gestellt wurden. So etwas passiert extrem selten, weswegen Sie sich darüber als Langfristanleger nicht den Kopf zerbrechen sollten. Wichtig ist lediglich, dass Sie auf Stopp-Loss-Orders verzichten. Denn diese Orders werden nicht zum jeweiligen Stopp-Kurs, sondern unlimitiert ausgeführt, nachdem der Kurs eines ETFs die von Ihnen festgelegte Stopp-Marke erreicht hat. Deshalb könnten während eines Flash-Crashs Ihre ETF-Anteile zu deutlich unter den von Ihnen festgelegten Stopp-Marken liegenden Kursen verkauft werden, was sehr ärgerlich wäre. Dies umgehen Sie mit Limit-Orders.
 
 

Anzahl sparplanfähiger ETFs ist gestiegen

Für Anleger, die ein Vermögen aufbauen wollen, sind ETF-Sparpläne ideal. Daher ist es positiv zu werten, dass 2015 die Anzahl sparplanfähiger ETF deutlich gestiegen ist. Die meisten davon werden von Direktbanken angeboten. Fondsdepotbanken sowie etablierte Banken wie die Commerzbank und die Targobank bieten immerhin einige sparplanfähige ETFs an. Einen Sparplan können Sie mit wenigen Klicks abschließen. Die Mindest-Sparrate beträgt bei den meisten Anbietern nur 25 Euro pro Monat und kann jederzeit geändert werden. Außerdem können Sie den Sparplan stoppen, wenn Sie knapp bei Kasse sind. Und dank des Sparer-Pauschbetrags können Sie pro Jahr Ausschüttungen und Gewinnmitnahmen in Höhe von 801 Euro steuerfrei vereinnahmen. Bei Interesse sollten Sie definitiv unseren ETF-Sparplan-Vergleich anschauen. Interessant ist übrigens, dass zurzeit jeder dritte Euro, der bei Direktbanken im Rahmen von Sparplänen investiert wird, in ETFs fließt.

 

Qualität der ETFs hat sich 2015 verbessert

Viele ETF-Anbieter haben 2014 die Gebühren ihrer Produkte gesenkt, um dadurch Marktanteile zu gewinnen. In diesem Jahr lag der strategische Fokus einiger Emittenten hingegen auf der Optimierung der von ihnen emittierten Produkte – zum Beispiel durch die Änderung der Replikationsmethode und die Änderung der Ausschüttungspolitik. Dies ist erfreulich, denn Anleger wünschen sich nicht nur günstige, sondern auch qualitativ hochwertige ETFs. Interessant ist darüber hinaus der Ausbau des Angebots im Bereich der Smart-Beta-ETFs, die eine gute Alternative zu aktiv gemanagten Strategie-Fonds sind. Für das Jahr 2016 ist ein weiterhin dynamisches Wachstum der ETF-Branche zu erwarten. Dazu wird auch vermehrt der Retailbereich beitragen. Denn künftig dürften immer mehr Banken ihren Kunden ETFs anbieten werden – sei es in Form von Sparplänen oder in Form individueller Vermögensverwaltungslösungen.