ETFs auf Unternehmensanleihen – eine Einführung

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Wir enthüllen die Geheimnisse von ETFs auf Unternehmensanleihen: Was sie attraktiv macht und worauf du achten solltest.

ETFs auf Unternehmensanleihen – eine Einführung
 
Was dich in diesem Artikel erwartet
Unternehmensanleihen sind Schuldverschreibungen von Firmen, die Geld für Investitionen einsammeln wollen. Manager mögen Unternehmensanleihen. Der Grund: Unternehmensanleihen bieten ihnen die größten wirtschaftlichen Spielräume. Der letzte Ausweg für Unternehmen sind Bankkredite: Hohe Zinsen und der Fakt, dass sie schuldrechtlich Vorrang gegenüber anderen Gläubigern haben, machen sie nicht gerade attraktiv. Genauso können Neuemissionen von Aktien den Zorn der bestehenden Anteilseigner heraufbeschwören, die natürlich wenig Interesse daran haben, dass der Wert ihrer Beteiligung schrumpft.
 
Unternehmensanleihen und Staatsanleihen haben viel gemeinsam: Du leihst dem so genannten Emittenten, also Herausgeber der Anleihe, Geld. Der wiederum verspricht, dieses Geld an einem festgelegten Datum in der Zukunft, nämlich bei Fälligkeit der Anleihe, zurück zu zahlen.
 
Bis dahin erhältst du einen regelmäßigen, fixen Zins, den sogenannten Kupon. Du kannst die Anleihe auch jederzeit an der Börse handeln. Mit einem Unternehmensanleihen-ETF gelingt das einfach und kostengünstig.
 
Aber es gibt auch Unterschiede zu Staatsanleihen mit Vor- und Nachteilen, die du im Hinterkopf haben solltest.
 
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Was spricht für Unternehmensanleihen?

Ganz klar: Unternehmensanleihen-ETFs versprechen eine höhere Rendite als ihre Brüder Staatsanleihen. Wie aber nicht anders zu erwarten, ist dieses Extra nicht kostenlos. Der höhere Zins zeigt, dass Unternehmensanleihen mit höheren Risiken als Staatsanleihen verbunden sind.
 
Unternehmen sind für gewöhnlich weniger stabil als Staaten. Die deutsche Regierung wird höchstwahrscheinlich auch in Zukunft in der Lage sein, genug Steuern einzutreiben, um damit die Zinsen für die Staatsanleihen zu zahlen. Bei Unternehmen sieht das schon anders aus: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Firma auch in einigen Jahrzehnten noch fähig sein wird, genug Gewinne zu erzielen um ihre Schulden zu begleichen, ist schwer vorhersehbar.
 
Dennoch sind Unternehmensanleihen weniger riskant als Aktien. Der einfache Grund: Aktien rangieren in der „Hackordnung” der Kapitalstruktur eines Unternehmens ganz unten.
 
Inhaber von Anleihen erhalten Zinsen, bevor Aktienanleger ihre Dividenden bekommen. Das gleiche gilt bei einer Unternehmenspleite. Anleihen-Inhaber sind hier besser gestellt als Aktionäre.
 
Dieser Umstand macht Unternehmensanleihen überaus attraktiv. Unternehmensanleihen sind dann eine gute Wahl, wenn du als Anlegerin oder Anleger dein Portfolio aufgrund eines kurzen Anlagehorizonts nicht aufteilen willst, dir aber eine höhere Rendite als auf Staatsanleihen erhoffst.
 
Unternehmensanleihen weisen außerdem eine geringere Volatilität, also Schwankungsintensität, als Aktien auf. Sowohl im Vergleich zu Aktien als auch zu Staatsanleihen bieten Unternehmensanleihen historisch betrachtet zudem eine zusätzliche Diversifikation.
 
Natürlich lassen sich vergangene Daten zur Wertentwicklung nicht eins zu eins auf die Zukunft projizieren. Die weitere Entwicklung hängt sehr stark davon ab, wie sich die Risiken für Unternehmensanleihen zukünftig gestalten.
 
 

Das Kreditrisiko 

Unternehmensanleihen sind sehr viel anfälliger für Kreditrisiken als Staatsanleihen – daher auch ihre höheren Zinsen.
 
Das Kreditrisiko beschreibt die Möglichkeit, dass der Emittent einer Anleihe die fälligen Zinszahlungen oder gar die Tilgung nicht mehr leisten kann. Im schlimmsten Fall bricht er die getroffene Vereinbarung absichtlich.
 
Du kannst die Kreditwürdigkeit eines Investments in der Regel an der Bonitätseinstufung erkennen. Diese sollte auf der Internetseite des ETF-Anbieters bzw. im Factsheet des jeweiligen Unternehmensanleihen-ETF aufgeführt sein.
 
Unternehmensanleihen sind oft in zwei Klassen unterteilt: „Investment Grade” und „High Yield/Junk”.
  • Unternehmensanleihen mit Investment Grade werden mit einem Rating von mindestens BBB- angegeben.
  • Ratings, die darunter liegen, kriegen den Stempel „Junk” (Müll).
  • Sehr sichere Unternehmensanleihen erhalten normalerweise ein Rating von AA. Nur wenige bekommen die beste Bewertung AAA.
Die am besten bewerteten Unternehmensanleihen haben sehr niedrige Ausfallraten. Ihr Kennzeichen: ein verhältnismäßig niedriger Ertrag, der vor allem vom Zinsniveau und der Inflation gespeist wird.
 
Im unteren Bereich der Rating-Skala findest du schlechter bewertete Unternehmensanleihen. Ihr Versprechen: Hier gibt es höhere Renditen zu holen. Die Kredit- und Ausfallrisiken sind dafür aber ebenfalls höher und steigen zudem umso stärker an, je tiefer das Unternehmen in eine Krise rutscht.
 
Der Kurs einer Aktie sinkt aus dem gleichen Grund, aus dem sich auch die Rendite schlecht bewerteter Anleihen („Junk”) reduziert: wenn schwache Unternehmen angesichts sinkender Profite und Cashflows in Zahlungsschwierigkeiten geraten.
 
Egal für welche Seite der Rating-Skala du dich entscheidest, vergiss nicht: Auch wenn Unternehmensanleihen gut bewertet sind, sind sie weder ein „sicherer Hafen” noch erreichen sie den gleichen Sicherheitsstatus wie Staatsanleihen.
 
Schließlich kann die Bonitätsbewertung eines Unternehmens rasch nach unten korrigiert werden, zum Beispiel wenn sich das Geschäftsklima ändert oder spezielle Ereignisse, wie Übernahmen, Naturkatastrophen oder rechtliche und regulatorische Einschränkungen eine Neubewertung des Unternehmens dringend notwendig erscheinen lassen. Meist ziehen Herabstufungen des Ratings auch Preisstürze nach sich.
 
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Das Zinsänderungsrisiko 

Steigende Zinssätze zwingen ältere Unternehmensanleihen zu Preiskorrekturen. Dieses Risiko heißt im Fachjargon Zinsänderungsrisiko. Solche Korrekturen von Angebot und Nachfrage ermöglichen es, Anleihen mit niedrigen Kupons in Konkurrenz zu neuen, höher verzinsten Anleihen zu stellen.
 
Die gute Nachricht: Unternehmensanleihen-ETFs können solche Verluste kurzfristig kompensieren, indem sie die älteren Anleihen zugunsten der neuen Anleihen mit höherem Ertrag abstoßen.
 
Das Zinsänderungsrisiko steigt im Falle langfristiger ETFs mit niedriger Rendite und sinkt bei kurzfristigen ETFs mit hoher Rendite.
 
Wie bei jeder anderen Vermögensklasse wird die Inflation auch den Ertrag deiner Unternehmensanleihen verringern. Doch ein höherer Kupon bietet einen stärkeren Puffer.
 
 

Weitere Risiken 

  • Manche Unternehmensanleihen befähigen ihre Emittenten dazu, die Schuld noch vor Fälligkeit zu tilgen. Diese "Call"-Option tritt üblicherweise in Kraft, wenn die Anleihe durch einen fallenden Zinssatz ein besseres Rating erhält – eine Einbahnstraße: Sie ermöglicht es den Unternehmen, sich bei niedrigen Zinssätzen zu refinanzieren und gleichzeitig die Erträge der Anleihen-Halter zu begrenzen. Für die Halter sind solche Unternehmensanleihen daher mit dem sogenannten Call Risk verbunden. Dieses Risiko ist ein zusätzlicher Grund für den erhöhten Zinssatz schlechter bewerteter Anleihen.
  • Das Liquiditätsrisiko: „Junk-Bonds” sind weniger liquide, da beide Seiten – Nachfrage wie Angebot – eher schwach ausgeprägt sind. In Krisenzeiten geht die Nachfrage teilweise zurück, da potenzielle Käufer steigende Ausfallraten befürchten. Verkäufer sind dann gezwungen, drastische Preisabschläge einzuräumen
  • Das Währungsrisiko betrifft nur international gehandelte Unternehmensanleihen in Fremdwährung. Stellen Sie sich vor, der Euro wird im Vergleich zum US-Dollar fünf Prozent teurer: Der Ertrag Ihres US-amerikanischen Unternehmensanleihen-ETFs sinkt sofort um diese fünf Prozent. Andersherum führt eine Schwächung des Euros um fünf Prozent gleichwohl zu einer Ertragssteigerung des ETFs in gleicher Höhe
Da Währungen auf lange Sicht stets tendenziell gegeneinander schwanken, kann das Währungsrisiko eine gute Diversifikationsquelle darstellen. Dann solltest du jedoch deine Anleihen-Quote im Portfolio nicht dem risikoarmen Anteil zuordnen.
 
 

Die Vorteile 

Genau wie bei Aktien empfehlen wir dir auch bei Unternehmensanleihen, die Risiken über Industriezweige, geografische Räume und Bonitätsklassen zu diversifizieren.
 
Das ist im Normalfall eine anspruchsvolle Aufgabe. Immerhin stehst du als Anlegerin oder Anleger einem weitgehend außerbörslichen Anleihenmarkt gegenüber, der vor allem dafür konstruiert ist, den Handel zwischen professionellen Investoren großer Finanzinstitute zu ermöglichen. Für kleine und unerfahrene Investoren sind die Preise wenig transparent und die Gebühren hoch.
 
Genau dieses Problem lösen Unternehmensanleihen-ETFs: Sie bieten eine große Vielfalt zu geringen Kosten und können beliebig auf den Wertpapiermärkten gehandelt werden.
 
Du kannst sogar weltweit investieren, so wie du es von Aktien gewohnt bist. Dabei solltest du allerdings beachten, dass ein international ausgerichteter Unternehmensanleihen-ETF zu mehr als 50 Prozent auf dem US-Markt engagiert sein wird.
 

Ausstehende Schuldverschreibungen Q3 2019 in Mrd. USD

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Quelle: Bank of International Settlements
 
Wenn du dieses Übergewicht ausgleichen möchtest, solltest du zusätzlich nach ETFs Ausschau halten, die sich den Anleihen japanischer, britischer, europäischer, asiatischer Unternehmen und denjenigen aus Schwellenländern widmen.
 
Des Weiteren kannst du über die gesamte Bonitätsklassen-Landschaft hinweg investieren, inklusive eines abenteuerlichen Schwenks in Richtung „Junk-Bond-ETFs”. Du scheust das Risiko? Dann kommen für dich hoch bewertete Anleihen ETFs mit einem Investment Grade-Rating in Frage.
 
Du kannst auch ETFs auswählen, die die Anleihen von Finanzinstituten aussparen, falls du Banken in deinem Portfolio keinen prominenten Platz einräumen willst.
 
Ein weiterer, sehr wichtiger Vorteil von Unternehmensanleihen-ETFs: Der ETF ersetzt auslaufende Anleihen mit geringer Restlaufzeit automatisch durch neue. Ein Anleihen-ETF übernimmt also das komplette Management des Anleihen-Portfolios für dich.
 
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