Was ist Portfolio-Rebalancing?

Portfolio-Rebalancing (deutsch: „Ausbalancieren des Portfolios”) ist eine Taktik, die von vielen Fachleuten empfohlen wird und eng mit dem Buy and Hold-Ansatz verbunden ist.

Der Grundgedanke einer Buy-and-Hold-Strategie ist es, häufige Umschichtungen zu vermeiden. Stattdessen wird eine strategische Asset Allocation festgelegt und über Jahre hinweg verfolgt. Damit steht diese Anlagestrategie in starkem Kontrast zum sogenannten „Stock-Picking” oder Markt-Timing.
 
 
Doch die gleiche Strategie über Jahre im Portfolio beizubehalten, ist auch eine Herausforderung. Denn selbst ohne aktives Eingreifen ins Depot kommt es durch Wertschwankungen der einzelnen Positionen zu Veränderungen der Anlagestruktur. Das bedeutet, dass die Portfolioaufteilung im Zeitverlauf stark von der ursprünglich festgelegten Anlagestruktur, der strategischen Asset Allocation, abweichen kann. Dann ist es Zeit für ein Portfolio-Rebalancing. Hierbei werden die Positionen, die stark an Wert gewonnen haben, anteilig verkauft und Positionen, die an Wert verloren haben, zugekauft. So werden die ursprüngliche Verteilung des Portfolios und damit auch das gewünschte Risiko-Rendite-Profil wiederhergestellt.

 

Veränderung der Portfoliostruktur am Beispiel eines 50:50 Aktien-Renten-Portfolios

Veränderung der Portfoliostruktur am Beispiel eines 50:50 Aktien-Renten-Portfolios
  Aktien      Anleihen   
Quelle: justETF Research

Zur Verdeutlichung haben wir ein einfaches Beispiel-Portfolio mit einer strategischen Anlagestruktur von 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Anleihen erstellt. Im Beispiel-Portfolio hat der Aktienanteil seit Portfolioauflage um 52 Prozent an Wert gewonnen. Der Rentenanteil ist im Vergleich nur um 9 Prozent gewachsen. Dies hat dazu geführt, dass sich die Aktien-Renten-Verteilung von 50:50 auf 58:42 verschoben hat. Wie auch der Chartverlauf zeigt, weist der Aktienanteil eine deutlich höhere Kursschwankung (sog. „Volatilität”) als der Rentenanteil auf. Somit bedeutet ein höherer Aktienanteil auch ein höheres Risiko im Portfolio.

Mit einem Portfolio-Rebalancing wird die 50:50-Verteilung von Aktien und Anleihen im Portfolio wiederhergestellt. Im Falle unseres Beispiel-Portfolios bedeutet das, dass 66 Stücke des Aktien-ETF verkauft und 74 Stücke des Anleihen-ETF nachgekauft werden müssten.

 

Portfolio-Rebalancing am Beispiel eines 50:50 Aktien-Renten-Portfolios mit justETF

Portfolio-Rebalancing am Beispiel eines 50:50 Aktien-Renten-Portfolios mit justETF
Quelle: justETF Research

  

Warum macht Rebalancing Sinn?

Es gibt drei gute Gründe warum Ihnen Portfolio-Rebalancing langfristig einen Mehrwert bietet:

Risikokontrolle
Die Börse ist ein Auf und Ab. Es kommt immer wieder zu Übertreibungen an den Märkten. Somit gibt es Phasen, in denen sich der Anteil risikoreicher Anlagen deutlich erhöht und das Gesamtportfolio nicht mehr Ihrer Risikobereitschaft entspricht. Bei unserem obigen Beispiel-Portfolio war die Aktien-Renten-Verteilung Anfang 2020 bereits deutlich in Richtung der Aktien gekippt. Der Kurseinbruch bei Aktien zu Beginn der Corona-Krise im März 2020 hätte sich deshalb viel stärker auf das Portfolio ausgewirkt als bei der ursprünglich festgelegten 50:50-Verteilung. Mit einem Portfolio-Rebalancing steuern Sie Ihr Risikoniveau auf einfache Weise – kostengünstig und zeitsparend.

Antizyklisches Handeln
Ein Portfolio-Rebalancing liefert tendenziell antizyklische Handelssignale. Das bedeutet, dass Anteile an risikoreicheren Positionen (z. B. Aktien) in Hochphasen tendenziell abgebaut und in Tiefphasen wieder aufgebaut werden. Das verbessert langfristig die Renditechancen. Auch hier hilft zur Verdeutlichung der Blick auf unser Beispiel-Portfolio: Die Verluste bei der Aktienkomponente im März 2020 wären durch ein vorheriges Rebalancing (z. B. im Januar 2020 im Zuge eines routinemäßigen, jährlichen Rebalancings) stark vermindert worden.

Anlagedisziplin
Portfolio-Anpassungen auf Basis einer Rebalancing-Strategie, wie beispielsweise anhand von Anlagegrenzen, eliminieren den Bedarf für Markt-Timing. Damit ist es ein idealer Ansatz, den psychologischen Fallstricken der Geldanlage entgegenzuwirken.

 

Was kostet Rebalancing?

Portfolio-Rebalancing ist nicht kostenfrei. Grundsätzlich fallen beim Handeln Transaktionsgebühren und möglicherweise Steuern auf Veräußerungsgewinne beim Verkauf von Positionen an. Diese Kosten sollten Sie bei einem Rebalancing immer in Betracht ziehen. Kosten und Nutzen eines Rebalancings müssen im Verhältnis bleiben. Bei zu hohen Kosten sollten Sie auf ein Portfolio-Rebalancing einzelner Positionen oder sogar gänzlich verzichten.

 

Cash-Flow-Rebalancing durch Einzahlung

Neben einem klassischen Portfolio-Rebalancing, bei dem einzelne Positionen verkauft und andere gekauft werden, können Sie auch ein Cash-Flow-Rebalancing durchführen. Dabei stellen Sie die strategische Anlagestruktur des Portfolios mit einer Einzahlung wieder her. Dies hat den Vorteil, dass nur Käufe getätigt werden. Steuerpflichtige Veräußerungsgewinne fallen damit nicht an.

 

Klassisches Portfolio-Rebalancing vs. Cash-Flow-Rebalancing durch Einzahlung

Klassisches Portfolio-Rebalancing vs. Cash-Flow-Rebalancing durch Einzahlung
  Verkauf      Kauf      Einzahlung   
Quelle: justETF Research
 

Weiterführende Links

Mean Reversion – das Phänomen: alles über ETF-Rebalancing
Risikotyp
Buy and Hold Anlagestrategie
Was ist ein Index
 
justETF Newsletter: Die besten Tipps & Tricks zu ETFs
 
Jetzt kostenlos anmelden