Eine Einführung in Staatsanleihen-ETFs

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Was sind Staatsanleihen und warum gehören sie in jedes Portfolio?

Eine Einführung in Staatsanleihen-ETFs
 
Was dich in diesem Artikel erwartet
 

Das Wichtigste zusammengefasst

Staatsanleihen sind Schuldverschreibungen, die von Staaten – wie zum Beispiel Deutschland, den USA, Japan oder Indien – emittiert werden. Dort, wo es eine Regierung gibt, gibt es auch Staatsanleihen. Warum? Weil Regierungen Schulden aufnehmen, um öffentlichen Ausgaben zu decken.
 
Diese Darlehen werden häufig in Form von Staatsanleihen vergeben: Sie versprechen ein jährliches Zinseinkommen (= Kupon der Anleihe) und am Ende der Laufzeit den geliehenen Betrag (= Nominalwert der Anleihe) zurückzuzahlen.
 
Und das ist für Regierungen und Investoren auch sehr sinnvoll. In Zeiten einer Rezession sinkt sowohl die Nachfrage durch Privatpersonen und Unternehmen als auch das Einkommen des Staats durch Steuern. Aber die Regierung kann das Loch stopfen und die Bevölkerung in Arbeit halten, indem sie viele Anleihen ausgibt, und mit dem geliehenen Geld sowohl die Infrastruktur renoviert, als auch das Gesundheitssystem weiterhin am Laufen hält.
 
Anlegerinnen und Anleger leihen stabilen Regierungen, wie zum Beispiel der deutschen Bundesregierung, gerne Geld, da sie darauf vertrauen, dass solche Länder noch viele Jahre stabil und zahlungsfähig bleiben und damit eine zuverlässige Einkommensquelle für die Zukunft darstellen.
 
Diese Beziehung hat einen riesigen globalen Anleihenmarkt entstehen lassen. Sogar noch weitaus größer als den für Aktien. Staatsanleihen stellen den größten, wichtigsten und liquidesten Teil dieses globalen Anleihenmarktes dar.
 
Es ist vermutlich keine Überraschung, dass die Supermacht und größte Schuldnernation, die USA, der größte Emittent von Staatsanleihen ist. Die wirtschaftliche Stärke und die Stabilität der Vereinigten Staaten sorgen dafür, dass ihre Anleihen als eine der sichersten Anlagen überhaupt betrachtet werden. Aber natürlich kann keine Geldanlage jemals völlig risikofrei sein.
 
Japan ist der zweitgrößte Emittent von Staatsanleihen – ein Beleg für die ökonomische Stärke, alternde Bevölkerung und andauernden Probleme mit niedrigem Wachstum. Darauf folgt nach China eine Gruppe europäischer Nationen: das Vereinigte Königreich, Italien, Frankreich und Deutschland.
 
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Was sind die Vorteile von Staatsanleihen?

Im Überblick
  • Geringeres Risiko durch Diversifikation
  • Stabilität während Rezessionen
  • Anleihewert steigt, wenn die Zinsen fallen, die Inflation sinkt, und/oder der Euro gegenüber der Anleihenwährung abwertet
Investoren schätzen gerade hoch bewertete Staatsanleihen, da sie die bestmögliche Ergänzung zu den unter Umständen sehr volatilen Aktienmärkten darstellen. Rückflüsse, also Zinserträge, aus Staatsanleihen neigen dazu, stabiler zu sein als Aktien und entwickeln sich während einer Rezession sogar besser. In Zeiten gleich bleibender Zinsen gilt: Diese Stabilität reduziert vor allem in Krisenzeiten die Verluste im Portfolio und verhindert, dass Anlegerinnen und Anleger in Panik verfallen, wenn die Aktienmärkte absacken.
 
Diversifikation über Anlageklassen funktioniert erst, wenn auch ein Staatsanleihen-Anteil im Portfolio gehalten wird. Anleihen können als verlässliche Quelle von Zahlungsmitteln vorgehalten werden, wenn Rechnungen bezahlt werden müssen und die Aktien gerade im Keller sind. Außerdem können sie dafür benutzt werden mehr Aktien zu kaufen, wenn die Preise günstig sind.
 
Der Grund, warum hochwertige Staatsanleihen in turbulenten Zeiten Stabilität im Portfolio bieten, ist, dass sie von starken Nationen ausgegeben wurden. Die Vereinigten Staaten oder die Bundesrepublik Deutschland sind nie die Rückzahlung ihrer Darlehen schuldig geblieben. Während Unternehmen pleitegehen können, wird eine Industrienation, die beide Weltkriege, eine galoppierende Inflation und große Depressionen überstanden hat, als relativ sicher betrachtet.
 
Deshalb glauben Anlegerinnen und Anleger, dass solche Nationen ihre Finanzen auch in Zukunft mit Umsicht handhaben werden, und verlassen sich deswegen auf diese sicheren Häfen, für den Fall, dass die Weltwirtschaft in eine Schieflage gerät.
 
In absehbarer Zukunft werden Industrienationen auch weiterhin eine verlässliche Einkommensquelle für Investoren darstellen, und wenn die Zinsen wieder fallen sollten, ist es sogar möglich, Kapitalgewinne zu erzielen, da dann die Preise für Anleihen steigen.
 
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Was sind die Risiken von Staatsanleihen?

Im Überblick
  • Steigende Zinsen
  • Höhere Inflation
  • Zahlungsunfähigkeit oder schlechter werdendes Kreditrating des Schuldners
  • Aufwertende Heimatwährung (Euro) bzw. abwertende Anleihewährung
Es ist 2022 geschehen: Als die Zinsen wieder stiegen, fielen die Anleihenpreise. Fallende Anleihenpreise verursachten Kapitalverluste, auch wenn diese für Anleihen-ETFs prinzipiell nur temporär sind. Das erklärt sich dadurch, dass Anleihen-ETFs automatisch neue Anleihen mit höheren Zinsen kaufen, die dann irgendwann den Verlust wiedergutmachen, indem sie mehr Einkommen in billigere Anleihen reinvestieren. Wir erklären dieses Phänomen in dem Artikel "Steigende Renditen bei Anleihen-ETFs: Erst der Schmerz, dann der Gewinn".
 
Das Risiko steigender Zinsen lässt sich minimieren, indem du in Staatsanleihen-ETFs mit kurzer Laufzeit investierst.
 

Kurzlaufender und langlaufender deutscher Staatsanleihen-ETF im Vergleich

Kurzlaufender und langlaufender deutscher Staatsanleihen ETF im Vergleich
  Langlaufender deutscher Staatsanleihen-ETF
  Kurzlaufender deutscher Staatsanleihen-ETF
Quelle: justETF Research; 05.01.2010 - 29.12.2022
 
Ein Anstieg der Zinsen hat zumindest das Problem der niedrigen Kuponzahlungen von Staatsanleihen gelöst. Anleihen zahlen höhere Rendite, wenn Zinsen steigen und das hat dafür gesorgt, dass Anleihen wieder eine attraktivere Einkommensquelle werden.
 
Das Inflationsrisiko ist ein weiteres Problem, das den Staatsanleihen anhaftet. Das ist das Risiko, dass die Rückflüsse aus einer Anleihe mit der Inflation nicht Schritt halten können. Anleihen mit niedrigen Kuponzahlungen sind durch unerwartet starke Veränderungen der Inflation verwundbar – so wie es aktuell passiert. Davor kannst du dich schützen, indem du dein Risiko über folgende Anleihen streust:
  • Inflationsgeschützte Anleihen, die speziell entwickelt wurden, um Anlegerinnen und Anleger vor dem Inflationsrisiko zu schützen
  • Rohstoffe, die sich in Zeiten hoher Inflation gut entwickeln
  • Kurzlaufende Anleihen-ETFs, die Anleihen mit niedrigen Kupons schnell in Anleihen mit höheren Kuponzahlungen austauscht, wenn die Zinsen weiter steigen
  • Aktien und Immobilien, da deren Wertentwicklung historisch gesehen immer stärker als die Inflation war
Das Kreditrisiko ist eine weitere Falle für den unachtsamen Anleger. Es kann vorkommen, dass Regierungen in Zahlungsverzug kommen und nicht mehr in der Lage sind ihren Zahlungsverpflichtungen wie versprochen nachzukommen.
 
Dieses Risiko lässt sich minimieren, indem du in Anleihen höchster Qualität investierst. Unser Tipp: Achte auf dem Factsheet deines Anleihen-ETF auf ein durchschnittliches Rating von AA- oder höher.
 
Zuletzt solltest du auch noch über das Währungsrisiko nachdenken. Staatsanleihen sollen den defensiven, schwankungsarmen Teil des Portfolios stellen. Aus diesem Grund solltest du berücksichtigen, dass Staatsanleihen in Fremdwährung aufgrund von Wechselkursschwankungen zu unerwünschter Volatilität führen.
 
Dieser Effekt kann in beide Richtungen gehen: Wenn der Euro um fünf Prozent gegenüber dem Dollar abwertet, dann steigt der Wert des US-Staatsanleihen-ETF um fünf Prozent, ganz unabhängig von der Entwicklung der zugrundeliegenden Wertpapiere. Gleichzeitig wirkt sich ein stärkerer Euro negativ auf Staatsanleihen aus Übersee aus.
 
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Kurzlaufender deutscher und US-Staatsanleihen ETF im Vergleich

Kurzlaufender deutscher und US-Staatsanleihen ETF im Vergleich
  Kurzlaufender deutscher Staatsanleihen-ETF
  Kurzlaufender US-Staatsanleihen-ETF
Quelle: justETF Research; 05.01.2010 - 29.12.2022
 
Währungsrisiken fügen internationalen Aktien-Portfolios eine zusätzliche Dimension der Diversifikation hinzu. Im risikoarmen Teil des Portfolios solltest du das jedoch vermeiden. Du kannst das lösen, indem du für diesen Anteil nur Staatsanleihen in Euro (Heimatwährung) oder währungsgesicherte Anleihen-ETFs wählst.
 

Staatsanleihen und Diversifikation

Du kannst die Diversifikation des Portfolios und die Rendite erhöhen, indem du Staatsanleihen unterschiedlicher Währungen und über verschiedene Laufzeiten wählst.  Anleihen aus Schwellenländern sind hierbei besonders nützlich, da diese auf die Landeswährung oder auch auf den US-Dollar lauten können.
 
Aber wie ist das mit der Reduzierung des Währungsrisikos vereinbar? Du kannst deine Strategie so anpassen, indem du Staatsanleihen, die dem Währungsrisiko oder auch einem höheren Kreditausfallrisiko ausgesetzt sind, dem Wachstums- / Aktienanteil deines Portfolios zuordnest und den defensiven Teil deines Portfolios mit anderen, schwankungsarmen Anleihen aufbaust. Denn die Aufgabe der offensiven Staatsanleihen ist es, die Einkommensquellen deines Portfolios zu diversifizieren und nicht dein Portfolio vor Volatilität zu schützen.
 
Obwohl du einzelne Anleihen auch über die meisten Online Broker kaufen kannst, ist das sehr zeitaufwändig und kostenintensiv, da sich der Anleihemarkt hauptsächlich an Großinvestoren richtet, die Anleihen in sehr großen Volumen erwerben. Für dich als Anlegerin oder Anleger ist es günstiger und wesentlich einfacher, in Staatsanleihen über ETFs zu investieren.
 
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