Eine Einführung in Staatsanleihen-ETFs

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Was sind Staatsanleihen und warum gehören sie in jedes Portfolio?

Eine Einführung in Staatsanleihen-ETFs Staatsanleihen sind Schuldverschreibungen, die von den Regierungen souveräner Staaten, wie zum Beispiel Deutschland, den USA, Japan oder Indien, emittiert werden. Dort wo es eine Regierung gibt, gibt es auch Staatsanleihen. Warum? Weil Regierungen es lieben Geld auszugeben. Vor allem Geld, das sie nicht haben. Hier ein neues Kraftwerk oder dort ein Sozialprogramm und so weiter.

Tatsächlich können sich Regierungen enorm beliebt machen, indem sie die schönen Dinge im Leben auf Pump kaufen und die Sorgen darüber anderen Leuten in 20 oder 50 Jahren überlassen, wenn das Darlehen schließlich fällig wird.

Diese Darlehen werden häufig in Form von von Staatsanleihen vergeben. Sie versprechen ein jährliches Zinseinkommen (Kupon der Anleihe) und am Ende der Laufzeit den geliehenen Betrag (Nominalwert der Anleihe) zurückzuzahlen.

Und das ist für Regierungen und Investoren auch sehr sinnvoll. In Zeiten einer Rezession sinkt sowohl die Nachfrage durch Privatpersonen und Unternehmen, als auch das Einkommen des Staates durch Steuern. Aber die Regierung kann das Loch stopfen und die Bevölkerung in Arbeit halten, indem sie viele Anleihen ausgibt, und mit dem geliehenen Geld sowohl die Infrastruktur renoviert, als auch das Gesundheitssystem weiterhin am Laufen hält.

Anleger leihen stabilen Regierungen, wie zum Beispiel der deutschen Bundesregierung, gerne Geld, da sie darauf vertrauen, dass solche Länder noch viele Jahre stabil und zahlungsfähig bleiben und damit eine zuverlässige Einkommensquelle für die Zukunft darstellen.

Diese Beziehung hat einen riesigen globalen Anleihenmarkt entstehen lassen. Sogar noch weitaus größer als den für Aktien. Staatsanleihen stellen hierbei den größten, wichtigsten und liquidesten Teil dieses globalen Anleihenmarktes dar.

Es ist vermutlich keine Überraschung, dass die globale Supermacht und größte Schuldnernation, die USA, der größte Emittent von Staatsanleihen ist. Die wirtschaftliche Stärke und die Stabilität der Vereinigten Staaten sorgen dafür, dass ihre Anleihen als eine der sichersten Anlagen überhaupt betrachtet werden. Aber natürlich kann keine Geldanlage jemals völlig risikofrei sein.

Japan ist der zweitgrößte Emittent von Staatsanleihen. Ein Beleg für ihre ökonomische Stärke, alternde Bevölkerung und 25 Jahre andauernden Probleme mit niedrigem Wachstum. Darauf folgt nach China eine Gruppe europäischer Nationen: Das Vereinigte Königreich, Italien, Frankreich und Deutschland. Diese waren gezwungen ihr Schuldenlevel massiv anzuheben, um das Wachstum nach der großen Rezession beizubehalten.

 

Was sind die Vorteile von Staatsanleihen?

Investoren schätzen gerade hoch bewertete Staatsanleihen, da sie die bestmögliche Ergänzung zu den unter Umständen sehr volatilen Aktienmärkten darstellen.

Rückflüsse aus Staatsanleihen neigen dazu stabiler zu sein als Aktien und entwickeln sich während einer Rezession sogar besser.

Diese Stabilität reduziert, vor allem in Krisenzeiten die Verluste im Portfolio und verhindert, dass Anleger in Panik verfallen, wenn die Aktienmärkte absacken.

Diversifikation über Anlageklassen funktioniert erst, wenn auch ein Staatsanleihen-Anteil im Portfolio gehalten wird. Anleihen können als verlässliche Quelle von Zahlungsmitteln vorgehalten werden, wenn Rechnungen bezahlt werden müssen und die Aktien gerade im Keller sind. Außerdem können sie dafür benutzt werden mehr Aktien zu kaufen, wenn die Preise günstig sind.

Der Grund warum hochwertige Staatsanleihen in turbulenten Zeiten Stabilität im Portfolio bieten ist, dass sie von starken Nationen ausgegeben wurden. Die Vereinigten Staaten oder die Bundesrepublik Deutschland sind nie die Rückzahlung ihrer Darlehen schuldig geblieben. Während Unternehmen pleitegehen können, wird eine Industrienation, die beide Weltkriege, galoppierende Inflation und große Depressionen überstanden hat, als relativ sicher betrachtet. Investoren glauben, dass solche Nationen ihre Finanzen auch in Zukunft mit Umsicht handhaben werden, und verlassen sich deswegen auf diese sicheren Häfen, für den Fall, dass die Weltwirtschaft in eine Schieflage gerät.

In absehbarer Zukunft werden Industrienationen auch weiterhin eine verlässliche Einkommensquelle für Investoren darstellen, und wenn die Zinsen fallen, ist es sogar möglich Kapitalgewinne zu erzielen, da dann die Preise für Anleihen steigen.
 
Die Vorteile von qualitativ hochwertigen Staatsanleihen-ETFs im Portfolio:
  • Geringeres Risiko durch Diversifikation
  • Stabilität während Rezessionen
  • Anleihewert steigt, wenn die Zinsen fallen, die Inflation sinkt, und/oder der Euro gegenüber der Anleihenwährung abwertet
 

Was sind die Risiken von Staatsanleihen?

In der aktuellen Niedrigzinsphase wird erwartet, dass die Zinsen irgendwann wieder steigen, und damit die Anleihenpreise fallen. Fallende Anleihenpreise verursachen Kapitalverluste, auch wenn diese für Anleihen-ETFs nur temporär sind. Das erklärt sich dadurch, dass Anleihen-ETFs automatisch neue Anleihen mit höheren Zinsen kaufen, die dann irgendwann den Verlust wiedergutmachen, indem sie mehr Einkommen in billigere Anleihen reinvestieren.

Aber denken Sie daran, dass es nicht sicher ist, ob die Leitzinsen wieder steigen, nur weil diese ein historisches Tief erreicht haben. Der japanische Leitzins hat sich über ein Vierteljahrhundert nicht erholt. Wenn Sie jedoch an eine Erholung glauben, dann können Sie Ihr Risiko steigender Zinsen minimieren, indem Sie in Staatsanleihen-ETFs mit kurzer Laufzeit investieren.
 

Kurzlaufender und langlaufender deutscher Staatsanleihen ETF im Vergleich

Kurzlaufender und langlaufender deutscher Staatsanleihen ETF im Vergleich Quelle: justETF.com; 11.06.2003 - 28.06.2017

Ein Anstieg der Zinsen würde zumindest das Problem der derzeit niedrigen Kuponzahlungen von Staatsanleihen lösen. Anleihen zahlen höhere Rendite, wenn Zinsen steigen und das würde dafür sorgen, dass Anleihen wieder attraktiveren Einkommensquelle werden.

Das Inflationsrisiko ist ein weiteres Problem, das den Staatsanleihen anhaftet. Das ist das Risiko, dass die Rückflüsse aus der Anleihe mit der Inflation nicht Schritt halten können. Anleihen mit niedrigen Kuponzahlungen sind durch unerwartet starke Veränderungen der Inflation verwundbar. Davor kann sich der Anleger schützen, indem er sein Risiko in folgende Anleihen diversifiziert:
 
  • Inflationsgeschützte Anleihen, die speziell entwickelt wurden, um den Anleger vor dem Inflationsrisiko zu schützen.
  • Rohstoffe, die sich in Zeiten hoher Inflation gut entwickeln
  • Kurzlaufende Anleihen-ETFs, die Anleihen mit niedrigen Kupons schnell in Anleihen mit höheren Kuponzahlungen austauscht, wenn die Zinsen steigen.
  • Aktien und Immobilien, da deren Wertentwicklung historisch gesehen immer stärker als die Inflation war.

Das Kreditrisiko ist eine weitere Falle für den unachtsamen Anleger. Es kann vorkommen, dass Regierungen in Zahlungsverzug kommen und nicht mehr in der Lage sind ihren Zahlungsverpflichtungen wie versprochen nachzukommen.

Dieses Risiko lässt sich minimieren, indem man in Anleihen höchster Qualität investiert. Achten sie auf dem Factsheet ihres Anleihen-ETFs auf ein durchschnittliches Rating von AA- oder höher.

Zuletzt sollte man noch über das Währungsrisiko nachdenken. Staatsanleihen sollen den defensiven, schwankungsarmen Teil des Portfolios stellen. Aus diesem Grund sollte man berücksichtigen, dass Staatsanleihen in Fremdwährung aufgrund von Wechselkursschwankungen zu unerwünschter Volatilität führen.

Dieser Effekt kann in beide Richtungen gehen. Wenn der Euro um 5 Prozent gegenüber dem Dollar abwertet, dann steigt der Wert des US-Staatsanleihen ETF um 5 Prozent, ganz unabhängig von der Entwicklung der zugrundeliegenden Wertpapiere. Gleichzeitig wirkt sich ein stärkerer Euro negativ auf Staatsanleihen aus Übersee aus.
 

Kurzlaufender deutscher und US-Staatsanleihen ETF im Vergleich

Kurzlaufender deutscher und US-Staatsanleihen ETF im Vergleich Quelle: justETF.com; 02.06.2006 - 28.06.2017

Währungsrisiken fügen internationalen Aktien-Portfolios eine zusätzliche Dimension der Diversifikation hinzu. Im risikoarmen Teil des Portfolios sollte das jedoch vermieden werden. Dieses kann dadurch gelöst werden, dass für diesen Anteil nur Staatsanleihen in Euro (Heimatwährung), oder währungsgesicherte Anleihen-ETFs gewählt werden.
 
Risiken von Staatsanleihen-ETFs:
  • Steigende Zinsen
  • Höhere Inflation
  • Zahlungsunfähigkeit, oder schlechter werdendes Kreditrating des Schuldners
  • Aufwertende Heimatwährung (Euro) bzw. abwertende Anleihewährung
 

Staatsanleihen und Diversifikation

Mithilfe von Staatsanleihen kann die Diversifikation des Portfolios und die Rendite erhöht werden, indem Staatsanleihen unterschiedlichen Währungen und über verschiedene Laufzeiten gewählt werden. Anleihen aus Schwellenländern sind hierbei besonders nützlich, da diese auf die Landeswährung, oder auch auf den US-Dollar lauten können.

Und wie ist das mit der Reduzierung des Währungsrisikos vereinbar? Sie können Ihre Strategie so anpassen, indem Sie Staatsanleihen, die dem Währungsrisiko oder auch einem höheren Kreditausfallrisiko ausgesetzt sind, dem Wachstums / Aktienanteil Ihres Portfolios zuordnen und den defensiven Teil Ihres Portfolios mit anderen, schwankungsarmen Anleihen aufbauen. Denn, die Aufgabe der offensiven Staatsanleihen ist es, die Einkommensquellen Ihres Portfolios zu diversifizieren und nicht Ihr Portfolio vor Volatilität zu schützen.

Obwohl Sie einzelne Anleihen auch über Ihren Online Broker kaufen können, ist das sehr zeitaufwändig und kostenintensiv, da sich der Anleihemarkt hauptsächlich an Großinvestoren richtet, die Anleihen in sehr großen Volumen erwerben.

Für Sie als Privatanleger, ist es günstiger und wesentlich einfacher in Staatsanleihen über ETFs zu investieren.
 

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