Geldmarkt ETFs – Ein zinsfreies Risiko?

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Geld parken ist heute ungemein schwieriger als noch vor ein paar Jahren. Die EZB verfolgt aktuell eine Null-Zins-Politik. Entwickelt sich der risikofreie Zins zu einem zinsfreien Risiko? Statt Zinsen zu verdienen, gilt es heute Risiken zu managen.

Geldmarkt ETFs – Ein zinsfreies Risiko? ETFs bieten einen einfachen Zugang zum Geldmarkt. So kommt die synthetische Nachbildung des EONIA-Zinssatzes als Referenzindex für Euro-Geldmarktzinsen oder die Annäherung durch Staatsanleihen mit Laufzeiten unter einem Jahr in Frage. Solche Produkte erlauben an der Zinsentwicklung zu partizipieren. Doch aktuell gibt es hier keinen Grund zur Freude.

 

Negative Rendite in Aussicht

Vor 5 Jahren lag der EONIA-Zinssatz bei rund 4 Prozent. Dies machte bei einem Investment von EUR 10.000 einen Ertrag von EUR 400 vor Steuern. Heute gibt es gerade mal EUR 9,50 pro Jahr!

Seit Anfang Juli diesen Jahres ist der Leitzins der Europäischen Zentralbank auf dem historischen Tiefstand von 0,75 Prozent. Der Einlagensatz ist bei 0 Prozent p.a. und droht sogar darunter zu sinken. Für den Geldmarktzins EONIA, der sich am Einlagensatz orientiert, bedeutet dies nichts Gutes. Aktuell liegt dieser bei gerade noch 0,095 Prozent p.a. (Stand: 14.09.2012) mit trübem Ausblick.

Eines ist sicher. Egal ob Banken oder Staaten. Keine dieser Parteien hat derzeit ein hohes Interesse daran die Zinsen zu erhöhen. Den Banken spült es attraktive Gewinne in die Kassen und der Staat entschuldet sich schleichend über Inflation.

 

EONIA-ETFs

Euro Geldmarkt-ETFs mit synthetischer Replikation orientieren sich am EONIA Zinssatz. Bei Kostenquoten (TER) von 0,10 bis 0,15 Prozent pro Jahr ergibt sich hieraus für Anleger eine Null-Rendite, sollten die Zinsen nicht wieder steigen. Rechnet man die durchschnittlichen Transaktionsgebühren für Ankauf und Verkauf über die Börse dazu, so wird die Rendite bereits negativ. Auch bei der steuerlichen Betrachtung kann es im Nachhinein zu bösen Überraschungen kommen. Dies tritt dann ein, wenn die zu versteuernden Erträge höher als die tatsächlichen Erträge im Fonds ausfallen. So warnt ein ETF-Anbieter mit einem großen Hinweistext vor seinen Geldmarktfonds.
 
"Die aktuell im Fonds-Portfolio befindlichen übertragbaren Wertpapiere bestehen i.d.R. aus Anleihen verschiedener Emittenten und Laufzeiten. Die Zusammenstellung des Anleiheportfolios wird nicht hinsichtlich bestimmter Ertragsarten, wie z.B. der anfallenden ordentlichen Erträge verwaltet oder optimiert.

Folglich kann ein gewisses Zinsumfeld zur Folge haben, dass die Verzinsung des zusammengestellten Anleiheportfolios über der EONIA Verzinsung liegt und gleichzeitig zu einem steuerrechtlich relevanten Ertrag führt, welcher unter Umständen steuerliche Nachteile zur Folge hat."
Quelle: Auszug aus dem Hinweis-Text zum EONIA-ETF eines ETF-Anbieters

 

Kurzlaufende Staatsanleihen ETFs

Nicht besser sieht es für die physisch replizierenden Konkurrenzprodukte von ishares und ETFlab aus. Diese investieren in kurzlaufende deutsche Staatsanleihen mit Laufzeiten von 1 Monat bis 12 Monaten. Deren effektive Rendite bewegt sich derzeit ebenfalls um die Null-Prozent Linie. Seit Jahresanfang ist sie sogar negativ.

Wer heute Geldmarkt-ETFs in seinem Depot hält, wird damit auf absehbare Zeit kein Geld verdienen und droht nominal Geld zu verlieren. Damit rückt der Fokus auf die Risiken.
 

Entwicklung von EONIA und kurzlaufenden Staatsanleihen ETFs seit Jahresbeginn 2012

Euro Geldmarkt ETFs im Vergleich seit Jahresbeginn 2012
Alle Euro Geldmarkt ETFs vergleichen

Quelle: justETF; Zeitraum: 01.01.2012 - 13.09.2012
 

Dünne Luft für Euro-Geldmarkt-ETFs

Auf diesem niedrigen Zinsniveau bieten sich so gut wie keine Möglichkeiten die Attraktivität für Investoren zu erhöhen. Selbst eine Senkung der Verwaltungskosten kann auf diesem niedrigen Niveau kaum Verbesserung erwirken.

Es ist davon auszugehen, dass bei gleichbleibendem Zinsniveau kleinere Fonds aus Rentabilitätsgründen geschlossen werden.

Neben dem Risiko der Fondsschließung, stellt sich die Frage der Bonität.

 

Was sind die Alternativen, um Geld zu parken?

Wer deutsche Staatsbonität sucht, der wird bei der staatlichen Finanzagentur fündig. Laut aktuellen Zeitungsberichten, allerdings nur noch bis Ende 2012. Dann stellt der Bund sein Angebot ein. Die Tagesanleihe bietet derzeit ebenfalls 0 Prozent. So bleibt nur in kurzlaufende Bundesanleihen über die Börse zu investieren. Die Rendite verbessert das aber nicht.

Deutlich attraktiver sind da die Tagesgeld und Festgeldangebote von Banken. Mit diesen wird man auch nicht reich, aber gut 1 Prozent pro Jahr kann man erzielen – bei zeitlich begrenzten Werbeangeboten auch mehr als 2 Prozent. Den Schutz des Geldes garantiert der Einlagensicherungsfonds. Jedoch empfiehlt sich auch hier das Risiko zu minimieren, in dem man bei Summen größer EUR 100.000 über Banken hinweg streut.

Wer Geld parkt, sollte darauf achten, liquide zu bleiben. Denn die wirklichen Investment-Chancen findet man in absehbarer Zeit nur im Bereich von „schwankungsintensiven“ Anlagen. So sollte die Wahl auf ein gut diversifiziertes Weltportfolio fallen.