Wer im Ruhestand von seinem Depot leben möchte, steht vor einer komplexen Aufgabe. Während es in der Ansparphase primär um den Vermögensaufbau geht, rückt in der Entnahmephase die Kapitaleffizienz in den Fokus. Das Ziel: Erspartes Kapital so effektiv wie möglich in den gewünschten Lebensstandard umzuwandeln.
Level: Für alle
Lesedauer: 4 Minuten
Für eine optimale Kapitaleffizienz müssen wir ein Gleichgewicht zwischen zwei zentralen Risiken finden:
Das Pleiterisiko: Die Gefahr, das Vermögen frühzeitig aufzuzehren und den Lebensabend ohne finanzielle Reserven zu verbringen.
Das Risiko einer zu geringen Entnahme: Eine zu vorsichtige Entnahmerate führt zu einem unfreiwilligen Konsumverzicht. Man beraubt sich damit der Früchte seiner jahrelangen Sparanstrengungen und muss seinen Lebensstandard unnötig stark einschränken.
Um eine nachhaltige Entnahmestrategie zu entwickeln, müssen vor allem drei Risikofaktoren beachtet werden, die die vorzeitige Pleite verursachen können:
1. Das Langlebigkeitsrisiko
Was eigentlich ein Grund zur Freude ist, stellt die Finanzplanung vor eine Herausforderung. Niemand weiß exakt, wie alt er wird. Das Langlebigkeitsrisiko beschreibt die Gefahr, dass die eigene Lebensspanne die kalkulierte Reichweite des Kapitals übersteigt. Eine Strategie, die auf eine Lebenserwartung von 85 Jahren ausgelegt ist, scheitert, wenn man 95 Jahre alt wird.
2. Das Sequence-of-Returns-Risk (Renditereihenfolgerisiko)
Dieses Risiko beschreibt den Markteinbruch zu Beginn der Entsparphase. Erleidet das Depot direkt zu Beginn des Ruhestands herbe Verluste, während gleichzeitig Anteile für den Lebensunterhalt verkauft werden müssen, kann dies dazu führen, dass sich das Depot selbst in späteren Boom-Phasen nicht mehr erholt.
3. Unvorhersehbarer Kapitalbedarf
Selbst der beste Entnahmeplan stößt an seine Grenzen, sobald die Realität von der Prognose abweicht. Da niemand seine künftigen Lebenshaltungskosten über Jahrzehnte hinweg exakt voraussehen kann, besteht das Risiko, dass die tatsächlichen Ausgaben deutlich über dem ursprünglich veranschlagten Budget liegen. Gründe für eine deutliche Abweichung sind z.B.:
Inflationsschocks: Wenn die Lebenshaltungskosten schneller steigen, als die Entnahmen angepasst werden können.
Pflege- und Gesundheitskosten: Ein hohes finanzielles Risiko, das oft erst spät im Lebenszyklus auftritt und die monatlichen Kosten schlagartig vervielfachen kann.
Die Kehrseite: Das Risiko der übermäßigen Vorsicht
Dem Pleiterisiko steht das oft unterschätzte Risiko einer zu defensiven Entnahme gegenüber. Wer aus Angst vor Börsenturbulenzen oder Langlebigkeit eine zu niedrige Entnahmerate wählt, tut dies gegebenenfalls auf Kosten des gewünschten Lebensstandards.
Dies führt dazu, dass man in den aktiven frühen Jahren des Ruhestands auf Reisen oder Hobbys verzichtet, nur um im hohen Alter auf einem Berg von Kapital zu sitzen, den man physisch oder mental gar nicht mehr verwerten kann. Kapitaleffizienz bedeutet daher auch, den Mut zu haben, das Vermögen planvoll zu verzehren.
Fazit: Die Wahl der richtigen Entnahmestrategie
Die größte Herausforderung im Ruhestand besteht also darin, die Balance zwischen Sicherheit und Lebensqualität zu halten. Eine Lösung für dieses Spannungsfeld liegt dabei auch in der Wahl der passenden Entnahmestrategie.
Anstatt starr jedes Jahr den exakt gleichen Betrag zu entnehmen, bieten dynamische Ansätze mehr Flexibilität. Dabei wird die Entnahmerate beispielsweise regelmäßig an die aktuelle Marktentwicklung angepasst. So lässt sich das Pleiterisiko effektiv minimieren, ohne dass auf zu viel Lebensqualität verzichtet werden muss.
Eine detaillierte Übersicht und den Vergleich der besten Entnahmestrategien findest du in unserem Artikel zum Thema.