Währungsrisiko von ETFs richtig erfassen – Strategien für Schweizer Anleger

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ETFs auf ausländische Titel sind immer einem Währungsrisiko ausgesetzt. Wir zeigen Ihnen, was Sie als Anleger beim Währungsrisiko von ETFs beachten sollten und wie Sie gegensteuern können.

Währungsrisiko von ETFs richtig erfassen – Strategien für Schweizer Anleger Mit ETFs können Sie einfach in die ganze Welt investieren. Durch Investitionen im Ausland können Sie die Rendite Ihres Portfolios verbessern, während die Schwankungsanfälligkeit Ihres Portfolios durch die Diversifikation sinkt. Allerdings entsteht durch das Investment im Ausland auch immer ein Währungsrisiko. Dabei macht es keinen Unterschied, ob Sie ETFs oder direkte Geldanlagen nutzen. Die schönste Wertsteigerung oder Dividendenstrategie nützen wenig, wenn ein ungünstiger Wechselkurs die Rendite wieder zunichte macht oder sogar ins Negative zieht. Es gibt durchaus Versicherungen gegen Wechselkursschwankungen, sogenannte währungsgesicherte ETFs. Aber zuerst sollten Sie abschätzen, wie viel der eigenen Geldanlage tatsächlich von der Entwicklung von Fremdwährungen abhängt.

 

ETF-Währungen: Wie werden sie gehandhabt?

Ein Währungsrisiko besteht dann, wenn die Währung des Landes, in dem Sie Ihr Geld anlegen, im Vergleich zu Ihrer heimischen Währung fällt oder steigt.

Bei ETFs sollten Sie vier verschiedene Definitionen von Währungen beachten. Das kann manchmal zu Verwirrungen führen. Denn ETFs sind Handelsinstrument, Fonds und Index in einem.

 

1.  Fondswährung

Das ETF-Fondsvermögen wird in der Fondswährung verwaltet und abgerechnet. Auch alle offiziellen Berichte sowie die Ausschüttungen erfolgen in der Fondswährung. Ihre Bank rechnet sie für Sie in diejenige Währung um, in der Ihr Depot geführt wird. Die Fondswährung orientiert sich bei ETFs in der Regel an der Währung, die für den zugrundeliegenden Index verwendet wird. Die Indexwährung ist wiederum meist identisch mit der Währung, in der die meisten im Index enthaltenen Wertpapiere gehandelt werden.
 
Unser Tipp: Bei justETF wird die Fondswährung auf jedem ETF-Profil angezeigt.
 

2.  Handelswährung

Die Handelswährung bestimmt, in welcher Währung der ETF an einer bestimmten Börse gehandelt wird. Der Handel in Schweizer Franken ist bei ETFs eher die Ausnahme. An der Börse in Zürich werden ETFs in vielen Währungen gehandelt, wie an der Börse in London auch. Auf Xetra, in Mailand oder an der Börse in Paris dominiert dagegen der ETF-Handel in Euro. Für Sie als Anleger bietet der Handel in anderen Währungen jedoch weder Vor- noch Nachteile, da sich jede Transaktion schließlich sofort in jede andere Währung umrechnen lässt. Beim Handel an ausländischen Börsen entstehen zudem zusätzliche Kosten für Handel und Abwicklung. Die Handelswährung spielt vor allem für die beteiligten, professionellen Marktteilnehmer eine große Rolle.
 
Unser Tipp: Bei justETF können Sie auf jedem ETF-Profil auf dem Reiter „Börse” einsehen, wo der ETF in welcher Währung gehandelt wird.
 

3.  Währung der abgebildeten Titel

Die Werte, die im Index vertreten sind, bestimmen das Währungsrisiko des ETF. Daher ist es wichtig zu wissen, aus welchen Währungen sich der Index zusammensetzt. Enthält Ihr Investment viele Fremdwährungen, dann hängt die Performance Ihres Investments besonders stark von der Entwicklung der Wechselkurse ab. Bei Aktien wird die Währung üblicherweise mit der Heimatwährung des Unternehmens gleichgesetzt – obwohl viele Unternehmen international sind und entsprechenden Währungsrisiken unterliegen. Die Unternehmen mindern ihre Währungsrisiken mit gezielten Strategien zur Währungsabsicherung aber häufig selbst, da Wechselkursschwankungen für ein Unternehmen ebenso unerwünscht sind wie für Investoren.
 
Unser Tipp: Die Verteilung auf einzelne Länder wird von den Emittenten meist in den Factsheets angegeben. Sie finden den Link zum Factsheet bei justETF für gewöhnlich auf dem ETF-Profil. So lässt sich grob das Währungsexposure abschätzen.
 

4.  Währungssicherung (Hedge) bei ETFs

Einige ETFs werden mit der beschriebenen Absicherung von Währungsrisiken angeboten, die auch als „Währungs-Hedge” bezeichnet wird. Diese Absicherung erfolgt gegen ausländische Währungen und ist für Sie geeignet, wenn die Absicherung gegenüber Ihrer Heimatwährung erfolgt. Währungsgesicherte ETFs erkennen Sie meist an dem Zusatz „Hedge” im Namen. Sie können in der justETF Suche aber auch gezielt danach filtern, zum Beispiel nach in Schweizer Franken (CHF) abgesicherten ETFs.
 
Unser Tipp: Ist die Fondswährung eines MSCI World-ETF in Schweizer Franken, so bedeutet das lediglich, dass innerhalb des Fonds bereits alles auf Franken umgerechnet wird. Es erfolgt aber nicht automatisch eine Währungsabsicherung!
 

Warum schwanken Währungen und Wechselkurse überhaupt?

Wechselkurse verbinden die Geldsysteme nationaler Ökonomien miteinander. Güter und Kapitalmärkte sind international stark verflochten. Der Wechselkurs hängt dabei von vielen Faktoren ab, die nicht nur mit dem Kapitalmarkt zu tun haben. Wechselkurse werden zum Beispiel von der Güternachfrage bewegt und führen durch ihre Anpassung zu einem Ausgleich von Angebot und Nachfrage.

Ob eine Nation viel exportiert oder importiert, spielt ebenfalls eine große Rolle. Länder, die weniger aus dem Ausland kaufen, dafür viel mehr exportieren, werden durch einen Anstieg der Wechselkurse langfristig gebremst.

Nicht ganz unschuldig sind auch die Akteure an den Kapitalmärkten selbst. Zinsen in unterschiedlichen Märkten haben hier ihren Anteil. Großinvestoren suchen nach Renditen und legen Geld besser verzinst im Ausland an. Der Wechselkurs sorgt schließlich für einen Ausgleich und stoppt die Attraktivität dieser Anlage.

Außerdem beeinflussen die Zentralbanken den Wert einer Währung mit einer expansiven Geldpolitik. Diese Politik war aus den Rettungsversuchen nach der Finanzkrise 2008/2009 entstanden und hält in Europa bis heute an. Durch die Vermehrung des Geldes fällt der Wert der Währung im Vergleich zu anderen Währungen.

In Zeiten von Globalisierung und Welthandel sind solche Schwankungen jedoch zunehmend unerwünscht. Meistens dominiert die stärkere Volkswirtschaft nämlich die kleineren, abhängigen Ökonomien. Kleinere Länder können sich zusammenschließen, um stärker gegen die großen Wirtschaftsmächte zu werden, wie zum Beispiel beim Euro.

Andere Länder versuchen wiederum, den Wechselkurs durch politische Zielsetzungen konstant zu halten. China verfügt beispielsweise über ein politisch gesteuertes Wechselkurssystem.

Eine andere Strategie für kleinere Ökonomien ist die Anpassung an die Leitwährung. Viele Schwellenländer begeben beispielsweise Anleihen in US-Dollar. Im Fall von Argentinien hat das allerdings zu weitreichenden Folgen und beinahe einer Staatspleite geführt.

Die Lage ist so komplex, dass selbst Ökonomen keine langfristig aussagekräftigen Prognosen getroffen haben. Kurzfristig haben Banken Modelle entwickelt, die eine begrenzte Absicherung zulassen. Für Investoren ist es auf jeden Fall schwierig oder unmöglich, Wechselkursschwankungen rechtzeitig einzuschätzen oder sogar erfolgreich darauf zu wetten.

 

Wechselkurse sind für ETF-Anleger Chance und Risiko zugleich

Wechselkurse sind für ETF-Anleger Chance und Risiko zugleich
Quelle: justETF Research

Angenommen, Sie besitzen US-Aktien und der Wert des US-Dollars schwächelt gegenüber dem Schweizer Franken. Dann verlieren Ihre US-Aktien – in Schweizer Franken gerechnet – an Wert. Und das, selbst wenn sich die Börsenkurse Ihrer Investments in US-Dollar erfreulich entwickeln. Im Gegenzug besteht natürlich eine Chance auf eine Wertsteigerung, wenn der US-Dollar wieder stärker wird.

Gut illustrieren lässt sich das anhand des MSCI World-Index, der die Aktienmärkte von 23 Industrieländern abdeckt. Dabei bildet der Index die Weltwirtschaft entsprechend ihrer Börsenwerte ab, also nach Marktkapitalisierung. Der größte Kapitalmarkt der Welt, die USA, geben dabei den Ton an: Über 60 Prozent des Kapitals in einem MSCI World-ETF stecken automatisch in Unternehmen, deren Aktien in US-Dollar gehandelt werden. Nur etwas mehr als ein Zehntel des MSCI World werden an Börsen der Eurozone eingekauft und nur 3 Prozent in der Schweiz. Das ETF-Währungskursrisiko für Investoren aus der Schweiz beträgt also 97 Prozent, wobei der größte Posten aus der Weltwährung US-Dollar besteht.

 

Währungsrisiko eines MSCI World-ETF

Währungsrisiko eines MSCI World-ETF
Quelle: iShares, iShares Core MSCI World UCITS ETF (1.639 Titel); Stand: 14.03.2019
 

Wie wichtig sind Währungen für die Rendite Ihres ETFs?

Der Einfluss der Wechselkursentwicklung auf Ihr ETF-Investment ist bei allen Anlagen gegeben, die Sie außerhalb der eigenen Währung tätigen.

Schwankungen des Wechselkurses können sogar die gesamte Anlagestrategie in Frage stellen: Ein Investment in chinesische Staatsanleihen mag durch den Zins von bis zu vier Prozent bei sehr guter Bonität attraktiv erscheinen, bot für europäische Investoren in der Vergangenheit angesichts der Wechselkursentwicklung aber wenig Renditen. Wenn das Währungsrisiko größer erscheint als die Renditechance, sollten Sie Ihre Geldanlage ins Ausland hinterfragen. Dies gilt beispielsweise für Schwellenländer-Anleihen in lokalen Währungen.

Entscheidend kann auch der Zeitraum sein, in dem Sie in ETFs investieren. Kurz- bis mittelfristig können ungünstige Wechselkurse Ihrem Portfolio durchaus schaden. Langfristig dagegen könnte die Situation entspannter sein: Volkswirte sind zunehmend davon überzeugt, dass sich die Wechselkurse und die Entwicklung der Kapitalmärkte der Länder langfristig annähern. Investieren Sie also über lange Frist in Aktienmärkte von großen ausländischen Volkswirtschaften, preist sich der Wechselkurs ein. Eine besondere Absicherung des Währungsrisikos für langfristige Anlagen sehen Experten daher als unnötig an.

 

Währungsrisiko von ETFs: Wie Sie sich vor Währungsschwankungen schützen können

Als ETF-Anleger haben Sie eine breite Auswahl an Möglichkeiten, um sich gegen Währungskursschwankungen zu schützen:
 
  • Vermeiden: Investieren Sie nur im eigenen Währungsraum. Das bedeutet für Anleger in Schweizer Franken: nur Investments in Aktien und Anleihen aus der Schweiz. Das widerspricht jedoch grob dem Grundsatz der Diversifikation.
  • Diversifizieren: Die Aufteilung Ihres Vermögens auf verschiedene Vermögenswerte und Märkte senkt Ihr Investmentrisiko erheblich. Das gilt genauso für Fremdwährungen: Schwankungen können sich gegenseitig ausgleichen und stabilisieren das Portfolio.
  • Langfristig investieren: Langfristig können sich Aktienmarktrenditen und Währungsschwankungen angleichen. Sie sollten also dort investieren, wo ein langfristiges ökonomisches Wachstum zu erwarten ist.
  • Absicherung durch Derivate-Strategien (Fachbegriff: „Währungs-Hedging”): Etliche ETFs nutzen heute günstige, automatisierte Derivate-Strategien, um den Wert des Index-Portfolios gegen Währungsschwankungen abzusichern. Mit einem Teil des ETF-Vermögens werden Währungsderivate erworben und zum Schutz gegen eine Bewegung des Wechselkurses eingesetzt. Wie bei jeder Versicherung gibt es das nicht umsonst. Mehr darüber erfahren Sie in unserem Artikel zu währungsgesicherten ETFs.