Die MSCI-Index-Klassifikationen und wie sie die Welt einteilen

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Viele ETFs bilden MSCI-Indizes nach. Wer aber ist MSCI und wie beeinflusst seine Weltsicht Ihr Portfolio?

Die MSCI-Index-Klassifikationen und wie sie die Welt einteilen MSCI ist einer der weltweit führenden unabhängigen Indexanbieter. Die Mehrheit der zugänglichen ETFs bildet einen MSCI-Index oder einen der Konkurrenten FTSE, STOXX oder S&P nach.

Wenn Sie in einen ETF investieren, sollten Sie den nachgebildeten Index verstehen. Schließlich ist dessen Entwicklung für die Performance Ihres Investments ausschlaggebend. Was viele nicht wissen: Jeder Indexanbieter unterteilt die globalen Märkte auf unterschiedliche Weise. Wie also funktionieren MSCI-Indizes?
 

Die Funktionsweise der MSCI-Indizes

MSCI betrachtet die Weltmärkte wie eine Matroschka. So passen die einzelnen Indizes wie eine Steckpuppe zusammen. „Ausgangspuppe” ist der MSCI ACWI (All-Country World-Index), der den Großteil der globalen Märkte umfasst. Innerhalb dieses Index befinden sich verschiedene Sub-Indizes, die die Welt in kleine Stücke teilen.

Wenn Sie also einen ETF auf den MSCI ACWI kaufen, verfügen Sie auf einen Schlag über ein breit gestreutes Aktien-Portfolio. Sie können aber auch die kleineren Unter-Indizes als Basis verwenden und Ihre „eigene Sicht” auf die Welt mit den entsprechenden ETFs abbilden.

Insgesamt deckt der MSCI ACWI 85 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung ab. Der Index bildet rund 3.000 große und mittelständische Unternehmen in 23 Industriestaaten und 27 Schwellenländern nach. Allerdings beträgt der Anteil der Schwellenländer im MSCI ACWI lediglich rund 13 Prozent, obwohl diese Länder rund 40 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (kurz BIP) ausmachen.
 

Die Aufteilung der globalen Regionen und Länder in den MSCI-Indizes

Die Aufteilung der globalen Regionen und Länder in den MSCI-Indizes
  Industrieländer      Schwellenländer      Frontier Markets   
Quelle: MSCI; Stand: 31.03.2021

Viele Anlegende nutzen jedoch das BIP als Maßstab für die wirtschaftliche Bedeutung globaler Märkte. Deshalb bevorzugen Sie es vielleicht, ein Portfolio aus einigen Regionen- oder Länder-Indizes von MSCI selbst zusammenzustellen.

Der MSCI World-Index deckt Aktien aus Industrieländern ab. Schwellenländer werden bei diesem Index außen vor gelassen. Zu den Industrieländern zählen die Staaten und Regionen USA, Kanada, Westeuropa (inkl. Großbritannien, aber ohne Griechenland), Australien, Neuseeland, Japan, Hongkong, Singapur und Israel.
 

Gewichtung nach Marktkapitalisierung

Die bekanntesten MSCI-Indizes basieren auf dem „Free-Float-adjustierten” Marktwert der Aktien. Was bedeutet das? „Free Float” (deutsch: Streubesitz) bezieht sich auf die Menge an Aktien, die tatsächlich über die Börse verfügbar ist. Das heißt, dass Wertpapiere, die vom Unternehmensmanagement, von Geldgebern oder Regierungsstellen gehalten werden, nicht berücksichtigt werden.

Ein solcher „Market-Cap-Index” gewichtet die einzelnen Unternehmen nach ihrem Marktwert multipliziert mit der Zahl der sich im Streubesitz befindlichen Aktien. Ist also ein Unternehmen gemäß seines Marktwerts zehn Prozent des Gesamtindex wert, dann umfasst es zehn Prozent des Index. Verdoppelt sich der Unternehmenswert, so macht es 20 Prozent des Index aus – vorausgesetzt alle anderen Aktien im Index haben sich nicht verändert. Einige Indizes begrenzen das maximale Gewicht, das einzelne Unternehmen am Index ausmachen dürfen, um eine übermäßige Konzentration zu vermeiden.
 

Die USA machen den Großteil in den MSCI Welt-Indizes aus

Wie hoch diese Konzentration auf Länder-Ebene sein kann, können Sie an der Gewichtung der USA in den Welt-Indizes erkennen. Das Land ist mit über 55 Prozent im MSCI ACWI und mit über 65 Prozent im MSCI World-Index vertreten. Aufgrund dieser Dominanz wollen viele Anlegende ihr Portfolio mit regionalen oder länderspezifischen ETFs „verfeinern”.

Einer der wichtigsten regionalen Indizes für die Diversifikation in Schwellenländer ist der MSCI Emerging Markets. Dieser enthält viele asiatische Staaten wie China, Südkorea, Indien und Taiwan. Märkte aus Südamerika wie beispielsweise Brasilien, aus Osteuropa wie Russland oder aus dem Mittleren Osten (z. B. Saudi-Arabien) sind ebenso Bestandteil.
 

Industrie- und Schwellenländer nach MSCI-Klassifikation

Industrie- und Schwellenländer nach MSCI-Klassifikation
Quelle: MSCI; Stand: 31.03.2021
 

Klassifizierung beachten

Aber Achtung: Es kann Unterschiede zwischen den verschiedenen Indexanbietern hinsichtlich der Klassifizierung einzelner Länder geben. So ist beispielsweise Südkorea mit gut 13 Prozent eines der am stärksten gewichteten Länder im MSCI Emerging Markets. Der Indexanbieter FTSE hingegen ordnet es den Industrieländern zu. Ähnlich verhält es sich mit Polen, das von MSCI als Schwellen-, von FTSE hingegen als Industrieland eingestuft wird.
 
Ebenso kann es vorkommen, dass einzelne Länder auf- oder abgestuft werden. So wurde zum Beispiel Kuwait im Dezember 2020 von MSCI von einem sogenannten „Frontier Market” (Entwicklungsland) zu einem Schwellenland angehoben.

Die Frontier Markets bilden die unterste Kategorie der regionalen MSCI-Index-Klassen. MSCI zählt 38 Länder zu den Frontier Markets. 26 davon sind im MSCI Frontier Markets-Index vertreten, wie zum Beispiel Serbien, Nigeria, Vietnam oder Bahrain.
 

Frontier Markets nach MSCI-Klassifikation

Frontier Markets nach MSCI-Klassifikation
Quelle: MSCI; Stand: 31.03.2021 
 

Der MSCI World nach Marktkapitalisierung unterteilt

Die oben erwähnten Standard-Indizes decken in ihren Märkten große und mittelständische Unternehmen ab.

Große Unternehmen („Large Caps”) machen im MSCI-Universum 65 bis 75 Prozent der gesamten Kapitalisierung eines jeden Marktes aus. Mittelständische Unternehmen („Mid Caps”) bilden die nächste Stufe. Große und mittelständische Unternehmen umfassen bei MSCI-Indizes zusammen 80 bis 90 Prozent eines Marktes.

Wenn Sie sich darüber hinaus für die 10 bis 20 Prozent Kleinunternehmen („Small Caps”) interessieren, werden Sie bei den MSCI Investable Market-Indizes (IMI) fündig. Diese enthalten zusätzlich zu den großen und mittleren auch die kleineren Unternehmen. Die IMI-Indizes bieten Ihnen damit eine Marktabdeckung von etwa 99 Prozent.
 

Die MSCI-Index-Welt nach Marktkapitalisierung

Die MSCI-Index-Welt nach Marktkapitalisierung
Quelle: MSCI; Stand: 31.03.2021

Ein gutes Beispiel für einen Investable Market-Index ist der MSCI ACWI IMI. Der Index bildet fast 9.000 Aktien aus 50 Ländern ab und ist einer der am meisten diversifizierten Indizes, in den Sie per ETF investieren können.
 

Exkurs: ETFs bilden sehr große Indizes meist über Sampling nach

Bei einem solch großen Index wie dem MSCI ACWI IMI mit fast 9.000 Aktien ist eine direkte Nachbildung, bei welcher der ETF exakt die gleichen Aktien mit der identischen Gewichtung wie der abgebildete Index hält, sehr aufwändig und teuer. Aus diesem Grund greifen die Anbieter in diesen Fällen meist auf die Replikationsmethode des Samplings zurück. Hier wird nur eine Auswahl der wichtigsten und liquidesten Titel gekauft, die hauptverantwortlich für die Indexentwicklung sind.

Mit ETFs auf MSCI-Indizes können Sie aber auch in einzelne Länder investieren. Das bietet sich an, wenn Sie ein bestimmtes Land in Ihrem Portfolio stärker gewichten wollen. Beispielsweise liegt der Anteil Chinas am MSCI ACWI-Index lediglich bei rund 5 Prozent. Um den Anteil Chinas an Ihrem Portfolio zu erhöhen, könnten Sie einen ETF auf den MSCI China hinzukaufen.

Wie auch immer Sie sich entscheiden, Ihr Portfolio zu diversifizieren: Schauen Sie sich die Factsheets für den Index und den ETF genau an. Nur so verstehen Sie, in was Sie investieren.

ETFs auf MSCI-Indizes finden Sie über den entsprechenden Filter in der ETF Suche. Anschließend können Sie die Auswahl über verschiedene Filterkriterien weiter eingrenzen. Alternativ können Sie auch in der Index-Auswahlliste direkt den gewünschten Index ansteuern.

Außerdem stehen Ihnen Anlageleitfäden für die beliebtesten MSCI-Indizes zur Verfügung:
 
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