Was Sie über Branchen-ETFs und deren Klassifizierung wissen sollten

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Wie bei jedem ETF ist es gerade bei Branchen-ETFs wichtig, den zugrundeliegenden Index zu verstehen, um genau zu wissen, in was Sie eigentlich investieren.

Was Sie über Branchen-ETFs und deren Klassifizierung wissen sollten Branchen-ETFs stellen eine interessante Möglichkeit dar, das eigene Portfolio spezifischer auf aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen auszurichten. Neben dem eher traditionellen Ansatz, das Depot geografisch auszurichten, versuchen einige Anlegende durch die Über- und Untergewichtung einzelner Branchen vom Konjunkturzyklus zu profitieren.
 
Wenn Sie einen solchen Ansatz verfolgen wollen, sollten Sie selbstverständlich wissen, in was Sie investieren. Bei ETFs bedeutet das immer, genau zu verstehen, wie der zugrundeliegende Index funktioniert: Wie werden die enthaltenen Aktien ausgewählt, einer bestimmten Branche zugeordnet und anschließend im Index gewichtet?
 

Wie werden Unternehmen in Branchen-ETFs eingeteilt?

Es gibt zwei Klassifikationsschemata für Branchen, die Sie kennen sollten. Diese heißen „Global Industry Classification Standard” (kurz GICS) und „Industry Classification Benchmark” (kurz ICB). Die Branchen-Indizes der wichtigsten Anbieter nutzen einen dieser beiden Standards als Grundlage:
  •  „Global Industry Classification Standard“ (GICS): Dieses Klassifikationsschema unterteilt die Wirtschaft beziehungsweise alle betrachteten Unternehmen in 11 Sektoren, 24 Industriegruppen, 69 Industrien und 158 Teilindustrien.
  • „Industry Classification Benchmark“ (ICB): Dieses Klassifikationsschema unterteilt die Wirtschaft beziehungsweise alle betrachteten Unternehmen in 11 Industrien, 20 Supersektoren, 45 Sektoren und 173 Teilsektoren.

GICS- vs. ICB-Klassifizierung im Vergleich

GICS- vs. ICB-Klassifizierung im Vergleich
Quellen: MSCI, FTSE Russell; Stand: 10/2021
 
Die Indexanbieter STOXX Limited und FTSE Russell verwenden das ICB-System als Grundlage für ihre Branchen-Indizes, während die Indizes von MSCI und S&P auf GICS basieren.
 

So funktionieren die Branchen-Klassifikationsschemata

Beide Ansätze folgen der gleichen Logik. Die Hierarchie basiert auf breiten Branchengruppierungen, die dann immer weiter bis hin zu kleinen Nischenbereichen unterteilt werden.
 
Beispielsweise werden Unternehmen (also Aktien), die den Großteil ihrer Einnahmen aus der Herstellung von Motorrädern erwirtschaften, vom GICS-Schema ...
  • in die Teilindustrie „Motorrad-Hersteller” einsortiert,
  • welche zur Industrie „Automobile” gehört,
  • welche wiederum Teil der Industriegruppe „Automobile & Zubehör” ist,
  • welche zum Sektor „Nicht-Basiskonsumgüter” zählt.
Obwohl das ICB-System ähnlich wie GICS aufgebaut ist, ist bereits die Bezeichnung der Hierarchie-Ebenen und auch die einiger übergeordneter Kategorien unterschiedlich. Die Einordnung der Sektoren und Nischen ist ebenfalls teilweise anders. Das stiftet so manche Verwirrung bei Anlegenden.
 
Ein Beispiel dafür ist die Bezeichnung des Top-Levels bei GICS als „Sektor“. Unter ICB ist das die Bezeichnung der dritten Stufe. Betrachten Sie diese Bezeichnungen nur als Etiketten. Die „Industrie“-Ebene unter ICB ist funktionell gleich mit der „Sektor“-Ebene bei GICS.
 
Auch die Wörter „Sektor“ oder „Branche“ können Sie universell betrachten. In aller Regel werden diese Begriffe verwendet, um auf alle Arten der verschiedenen Unternehmensgruppen zu verweisen und nicht explizit auf eine besondere Bedeutung in Bezug auf die GICS- oder ICB-Klassifizierung.
 
Wie investiere ich in eine bestimmte Branche?

Wie investiere ich in eine bestimmte Branche?

In unseren Anlageleitfäden finden Sie Informationen zum jeweiligen Sektor sowie Vergleiche und Ranglisten der verfügbaren weltweit investierenden ETFs.
Zu den Sektor-Anlageleitfäden

Unterschiede zwischen GICS und ICB

Oberflächlich betrachtet, erscheinen die beiden Klassifikationsschemata ziemlich ähnlich. Es gibt jedoch einige Unterschiede, wenn Sie sich die Eingruppierung bestimmter Branchen genauer ansehen.
 
Zum Beispiel sind im ICB-System Fluggesellschaften unter „Reise und Freizeit” im Verbraucherservice-Sektor eingruppiert. Im Gegensatz dazu sind Fluggesellschaften im GICS-System unter „Transportwesen” im Industriesektor einsortiert.
 
Keine der beiden Kategorisierungen ist grundsätzlich besser oder richtiger als die andere. Für Sie ist es wichtig zu wissen, dass es durchaus Unterschiede zwischen beiden Systemen gibt, auch wenn wir hier nicht alle im Detail darstellen können.
 
Vielmehr möchten wir hervorheben, warum sich vor dem Kauf eines Branchen-ETF ein Blick auf die Funktionsweise des Index und des zugrundeliegenden Klassifikationsschemas lohnt, damit Sie am Ende auch wirklich in die Branche investieren, in die Sie investieren wollen.
 

Wie finde ich den richtigen Branchen-ETF?

In der Praxis ist es zwar wichtig, die tiefere Branchenzuordnung zu kennen, jedoch können Sie über ETFs in der Regel nur in die höheren Ebenen der GICS- und ICB-Klassifizierung investieren.
 
Eine Übersicht über die Bandbreite der verfügbaren Branchen-ETFs finden Sie in unserer ETF-Themenliste. In unseren Sektor-Anlageleitfäden erhalten Sie Informationen zu den verschiedenen Sektoren nach GICS und einen Überblick über alle weltweiten ETFs, mit denen Sie in die entsprechenden Sektoren investieren können.
 
Weitere Informationen zur Auswahl und Verwendung von Branchen-ETFs erhalten Sie in unserem Artikel Branchen-ETFs: Wie Sie einfach in verschiedene Sektoren investieren.
 
justETF Tipp: Wenn Sie in einen speziellen Teilbereich einer Branche, wie zum Beispiel in Cyber Security, Elektromobilität oder Künstliche Intelligenz, investieren wollen, stellen Themen-ETFs eine gute Alternative zu herkömmlichen, breit gestreuten Branchen-ETFs dar. Einen Überblick über die mittels ETFs investierbaren Investmentthemen erhalten Sie durch unsere Anlageleitfäden
 
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