Daten, Marktszenarien und praktische Strategien, um Kapital für den Ruhestand aufzubauen.
Level: Für alle
Lesedauer: 8 Minuten
Mit 50 Jahren denken viele, der Zug in Sachen Vermögensaufbau sei bereits abgefahren. Schließlich braucht der Zinseszinseffekt Zeit – und die Spanne bis zur Rente erscheint oft zu kurz, um noch nennenswertes Vermögen aufzubauen. So entsteht schnell der Eindruck, dass sich das Investieren in dieser Lebensphase kaum noch lohnt.
Doch stimmt das wirklich? Wir haben das anhand konkreter Zahlen überprüft: Dafür haben wir die fiktive Geldanlage einer 50-jährigen Person durch alle verfügbaren 15-jährigen Marktzyklen von 1972 bis heute geschickt. Das Ergebnis sind 474 historische Szenarien. Doch bevor wir zu den Ergebnissen kommen, müssen wir über die 15 Jahre sprechen, die auf den ersten Blick so kurz wirken.
Warum der Anlagehorizont mit 50 doppelt so lang ist, wie es scheint
Wer heute 50 Jahre alt ist und plant, mit etwa 65 in Rente zu gehen, sieht instinktiv nur noch 15 Jahre vor sich. Das wirkt nach wenig Zeit – vor allem im Vergleich zu den 40 Anlagejahren eines 25-Jährigen.
Die beiden Hälften des Anlagehorizonts: Ansparen und Entnehmen
Quelle: justETF Research.
Der entscheidende Denkfehler ist allerdings, dass du am Tag des Renteneintritts in der Regel nicht dein gesamtes Portfolio verkaufst. Du beginnst lediglich damit, das Kapital zu entnehmen, das du zum Leben brauchst. Der verbleibende Rest deines Portfolios arbeitet jedoch noch weitere 20, 25 oder sogar 30 Jahre für dich weiter. Der tatsächliche Anlagehorizont ist für die meisten Menschen also deutlich länger, als es zunächst den Anschein hat.
In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf die erste Hälfte – also darauf, was du bis zur Rente noch aufbauen kannst. Über die zweite Hälfte (die Entnahmephase im Ruhestand) sprechen wir am Ende.
Wie viel du mit 300 € im Monat aufbauen kannst, wenn du mit 50 startest
Nehmen wir als Beispiel eine 50-jährige Person, die bereits ein Startkapital von 20.000 € mitbringt und monatlich 300 € investiert. Um die Inflation auszugleichen, wird die Sparrate jährlich um 2 % erhöht. Dadurch steigt die Einzahlung in den letzten Jahren vor der Rente auf knapp 400 € pro Monat an. Insgesamt fließen über die 15 Jahre somit 82.000 € aus eigener Tasche in das Portfolio.
Die automatische Erhöhung der Sparrate (Dynamik) ist eine praktische Funktion, die viele Online-Broker für ETF-Sparpläne anbieten – einmal eingerichtet, läuft sie ganz von allein. In unserem Broker-Vergleich findest du heraus, welche Anbieter dies unterstützen.Die weiteren Annahmen im Überblick:
Datenbasis: Renditen eines weltweiten Aktienindex (All Country World Index) und von Eurozonen-Staatsanleihen (iBoxx € Eurozone Sovereign) von Januar 1972 bis Juni 2026 (in Euro). Dieser Zeitraum umfasst massive Krisen wie die beiden Ölkrisen, die hohe Inflation der 70er und 80er Jahre, den Crash von 1987, die Dotcom-Blase sowie die Krisenjahre 2008 und 2022.
Kosten: Neben einer jährlichen Gesamtkostenquote (TER) von 0,20 % sind zusätzlich 0,20 % pro Jahr für Transaktionsgebühren und Handelsnebenkosten eingerechnet. Steuerliche Aspekte wie die Abgeltungssteuer bleiben aus Einfachheitsgründen außen vor.
Szenarien: Anstatt uns nur einen einzigen Zeitraum herauszupicken – der zufällig besonders gut oder schlecht gelaufen ist –, haben wir unseren Sparplan in jedem einzelnen Monat starten lassen. Daraus ergeben sich 474 aufeinanderfolgende 15-Jahres-Zeiträume. Als Richtwert nutzen wir den Median, der die Ergebnisse genau in eine bessere und eine schlechtere Hälfte teilt.
Das Portfolio: Zu Beginn besteht das Portfolio zu 85 % aus Aktien. Um etwas entspannter in den Ruhestand zu gehen, fließen die monatlichen Einzahlungen ab dem 60. Lebensjahr dann komplett in den sicheren Anleihen-Teil. Es wird während der gesamten Ansparphase nie verkauft; das Gleichgewicht (Rebalancing) wird ausschließlich durch die monatlichen Einzahlungen aufrechterhalten. Der Vorteil: Es fällt über die gesamten 15 Jahre hinweg keine Kapitalertragsteuer auf Kursgewinne an.
Portfoliowert im Alter von 50 bis 65 Jahren (474 Szenarien, 1972–2026)
Quelle: justETF Reseach, 20.08.2026. Weltweiter Aktienindex und Staatsanleihen der Eurozone, nominale Gesamtrenditen in EUR (01.1972–06.2026), abzüglich 0,20 % TER und 0,20 % Gebühren.
Der Medianwert der 474 Szenarien liegt bei 176.000 € – das ist mehr als das Doppelte der eingezahlten 82.000 €!
Im schlechtesten Zehntel der Szenarien belief sich das Portfolio immerhin noch auf 118.000 €, im besten Zehntel überstieg es sogar die Marke von 307.000 €. Wer das absolut beste Szenario (Start im September 1974) erwischte, landete bei 460.000 €.
In Rendite ausgedrückt entspricht das etwa 8 % pro Jahr. Selbst im absolut schlechtesten der 474 betrachteten 15-Jahres-Zeiträume lag die Rendite immer noch bei 1,9 % pro Jahr. Das ist zwar nicht viel, aber immer noch eine positive Rendite.
Wichtig: Hierbei handelt es sich um Bruttobeträge vor Steuern. Würdest du am letzten Tag der 15 Jahre alles auf einen Schlag verkaufen, blieben nach Abzug von ca. 17.000 € Steuern rund 158.600 € netto übrig. Entnimmst du das Geld im Ruhestand jedoch schrittweise, werden auch die Steuern nur Stück für Stück fällig, während der Rest deines Kapitals weiter für dich arbeitet und Rendite erwirtschaftet.
In 474 Szenarien lag das Endkapital nie unter den Einzahlungen
Kapital mit 65 Jahren: Eingezahltes Kapital, Worst-Case, Median, Best-Case
Quelle: justETF Reseach, 20.08.2026. 474 Zeiträume von jeweils 15 Jahren zwischen 1972 und 2026, Nominalwerte in EUR.
Die wohl beruhigendste Erkenntnis: Es gab historisch kein einziges 15-Jahres-Szenario, bei dem der Portfoliowert am Ende unter das eingezahlte Kapital fiel. Das gilt sogar für den schlimmsten denkbaren Fall: Wer im März 1994 startete, nahm nacheinander die Dotcom-Blase und die Finanzkrise von 2008 voll mit und ging trotzdem mit 98.000 € (bei 82.000 € Einzahlung) aus der Ansparphase heraus.
Dabei verliefen diese 15 Jahre keineswegs reibungslos. In 93 % aller betrachteten Fälle musste das Portfolio zwischenzeitlich einen Drawdown (Kursrückgang) von mindestens 20 % von seinem Höchststand verkraften. Schwankungen und starke Einbrüche gehören an der Börse also fest dazu.
Zudem darf die Inflation nicht ignoriert werden: 176.000 € in 15 Jahren haben nicht mehr dieselbe Kaufkraft wie 176.000 € heute. Geht man von einer durchschnittlichen jährlichen Inflationsrate von 3 % aus, entspricht die Kaufkraft deines Endkapitals heute in etwa dem Gegenwert von 113.000 €.
Wie viel in Aktien anlegen – und was es kostet, vorsichtig zu sein
Ein Portfolio, das zu 85 % aus Aktien besteht, mag für einen 50-Jährigen zunächst sehr aggressiv klingen. Aus unserer Sicht hängt die ideale Asset Allocation jedoch weniger vom Alter ab, sondern vielmehr davon, wie viel von diesem Kapital in den ersten Jahren des Ruhestands wirklich benötigt wird. Denn dieser Teil sollte natürlich nicht in Anlagen stecken, die kurzfristig 40 % an Wert verlieren können.
Deshalb haben wir unsere 474 Szenarien mit zwei weiteren Portfolio-Aufteilungen erneut durchgerechnet:
Das 80/20-Portfolio: Durchgehend 80 % in Aktien und 20 % in Anleihen über die gesamten 15 Jahre.
Das 60/40-Portfolio (die vorsichtige Variante): Durchgehend 60 % Aktien und 40 % Anleihen.
Das dynamische Portfolio (unser Basis-Szenario): Start mit 85 % Aktien; ab dem 60. Lebensjahr fließen die Einzahlungen komplett in Anleihen.
Die drei Strategien im direkten Vergleich
Quelle: justETF Research, 20.08.2026. 474 Zeiträume von jeweils 15 Jahren zwischen 1972 und 2026, Nominalwerte in EUR nach Kosten.
Der Renditeunterschied zwischen den beiden neuen Strategien beträgt im Schnitt weniger als einen Prozentpunkt pro Jahr. Die entscheidende Kennzahl für deine Nerven ist jedoch der maximale Wertverlust (Maximum Drawdown). Wenn es an den Märkten kracht, verliert das defensivere 60/40-Portfolio im schlechtesten Fall 22 %. Beim 80/20-Portfolio geht es hingegen um bis zu 31 % nach unten.
Eine defensivere Anlage (60/40) „kostet“ dich im Median über 15 Jahre hinweg rund 18.000 € an potenzieller Rendite. Im absoluten Worst-Case-Szenario verbessert sie dein Endergebnis jedoch um fast 10.000 €. Das klingt nach einem fairen Deal, denn psychologisch ist es ein großer Unterschied, ob das eigene Vermögen zwischenzeitlich um ein Fünftel oder um fast ein Drittel schrumpft. Keine der Allokationen ist per se falsch. Wer sich für das defensivere Portfolio entscheidet, „kauft“ sich damit Seelenfrieden – und zu wissen, wie viel dieser Komfort kostet, hilft bei der bewussten Entscheidung.
Eine wichtige Anmerkung noch zu unserem ersten (dynamischen) Portfolio: Obwohl ab dem 60. Lebensjahr alle Einzahlungen in Anleihen flossen, war man mit 65 Jahren keineswegs konservativ aufgestellt. Das Portfolio bestand am Ende immer noch zu 75 % aus Aktien! Der Grund: Zu diesem Zeitpunkt ist das angesparte Kapital bereits so groß, dass die vergleichsweise kleinen monatlichen Sparraten kaum noch ins Gewicht fallen. Um die Gewichtung in dieser Phase wirklich signifikant in Richtung Anleihen zu verschieben, müsstest du tatsächlich Aktienanteile verkaufen, womit wiederum Steuern fällig würden.
Tipp von justETF: Bei einem globalen Welt-ETF, ergänzt um Sektor-ETFs und Anleihen, ist die genaue Gewichtung deines Portfolios nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich. Mit dem Portfolio-Tool von justETF hast du die volle Kontrolle: Du siehst sofort, wie hoch dein aktueller Aktien- und Anleihenanteil ist und ob du von deiner geplanten Asset Allocation abgewichen bist.
Warum fünf Jahre abzuwarten schwerer wiegt als die Portfolio-Aufteilung
Behalten wir die Ausgangslage bei: 20.000 € Startkapital, 300 € monatliche Sparrate (mit 2 % Dynamik) und Renteneintritt mit 65. Wir ändern nur eine einzige Variable: den Startzeitpunkt.
Fünf Jahre Wartezeit kosten dich – je nach gewählter Portfolio-Strategie – zwischen 63.000 € und 72.000 €. Das Verhältnis ist bei allen drei untersuchten Portfolios nahezu identisch. Wer fünf Jahre zögert, zahlt zwar nur 28 % weniger Kapital ein, hat am Ende aber rund 40 % weniger auf dem Konto. Diese riesige Lücke entsteht hauptsächlich durch den entgangenen Zinseszinseffekt auf die Erträge, die in diesen fünf Jahren gar nicht erst erwirtschaftet werden konnten.
Mediankapital im Alter von 65 Jahren in Abhängigkeit vom Einstiegsalter
Quelle: justETF Research, 20.08.2026. 474 Zeiträume von jeweils 15 Jahren zwischen 1972 und 2026, Nominalwerte in EUR.
Wann du mit dem Investieren beginnst, hat einen weitaus größeren Einfluss auf dein Endergebnis als die feine Justierung deiner Portfolio-Aufteilung. Leider ist der Startzeitpunkt oft genau die Variable, über die wir am längsten nachdenken und zögern.
Wie viel lässt sich ansparen, ausgehend von deiner aktuellen Situation?
In der folgenden Tabelle haben wir die beiden Faktoren gegenübergestellt, die wir als Anleger komplett selbst kontrollieren können: unser bereits angespartes Kapital und unsere monatliche Sparrate. Alles andere entscheiden die Märkte.
Mediankapital im Alter von 65 Jahren nach Startkapital und monatlicher Einzahlung
200 € / Monat
300 € / Monat
500 € / Monat
800 € / Monat
0 €
75.000 €
112.000 €
187.000 €
299.000 €
20.000 €
139.000 €
176.000 €
250.000 €
363.000 €
50.000 €
240.000 €
275.000 €
347.000 €
459.000 €
100.000 €
408.000 €
443.000 €
516.000 €
621.000 €
Quelle: justETF Research, 20.08.2026. Medianwert im Alter von 65 Jahren bei 474 betrachteten 15-Jahres-Zeiträumen. Portfolio-Start mit 85 % Aktien, ab dem 60. Lebensjahr fließen Sparraten in Anleihen. Einzahlungen steigen jährlich um 2 %. Unser Basis-Szenario ist hervorgehoben.
Unser Basis-Szenario (hervorgehoben) führt zu 176.000 €. Erhöhst du die Sparrate auf 500 € (statt 300 €), wächst dein Endkapital bereits auf 250.000 €. Startest du mit 50.000 € (statt 20.000 €), erreichst du 275.000 €. Kombinierst du beides, kommst du auf fast 350.000 €. Die Werte reichen von 75.000 € (für diejenigen, die bei Null anfangen und 200 € monatlich sparen) bis hin zu über 600.000 € (für diejenigen, die mit 100.000 € starten und 800 € einzahlen).
Um nun also die Eingangsfrage dieses Artikels zu beantworten: Nein, mit 50 ist es nicht zu spät. Die wichtigen Hebel des Vermögensaufbaus funktionieren noch immer tadellos. Und dabei haben wir noch immer viel in der eigenen Hand:
Wie viel wir bereits angespart haben.
Wie viel wir monatlich investieren können.
Wie viele Jahre wir warten, bevor wir anfangen.
Keiner dieser drei Hebel hängt von den Märkten ab. In ETFs zu investieren, ist für die meisten Anleger die sinnvollste Lösung, denn ETFs sind transparent, leicht verständlich, breit gestreut und kostengünstig. Welcher ETF und welche Anlageaufteilung am besten zu dir passen, hängt jedoch maßgeblich von deinem Anlagehorizont und deiner Risikotoleranz ab – eine pauschale „One-Size-Fits-All“-Lösung gibt es hier nicht. Die Finanzplanung wird nicht ohne Grund als „persönlich“ bezeichnet.
Die zweite Halbzeit beginnt am Tag des Renteneintritts
Das Kapital aufzubauen, ist nur der erste Teil der Arbeit. Der andere Teil beginnt mit dem Eintritt in den Ruhestand. Ab jetzt fließt kein frisches Geld mehr ins Portfolio, sondern es wird Kapital entnommen. Hier stellen sich plötzlich ganz andere Fragen: Wie viel kann ich jeden Monat entnehmen, ohne dass mir das Geld ausgeht? Wie verwalte ich ein Portfolio, aus dem ich Geld entnehme, anstatt einzuzahlen? Und was passiert, wenn die Börsenkurse ausgerechnet in den ersten Jahren der Entnahmephase einbrechen (Stichwort: Renditereihenfolgerisiko)?
Diese Fragen betreffen jeden, der ein Portfolio besitzt – nicht nur 50-Jährige. Wir haben alles Wichtige zum Thema Altersvorsorge zusammengefasst. In unserem Altersvorsorge-Hub erfährst du alles Wichtige über die Entnahmestrategien, die Risiken und vieles mehr.
Fazit: Mit 50 ist es längst nicht zu spät
Unsere Analyse von 474 historischen Marktzyklen liefert ein klares Bild: Wer mit 50 Jahren 20.000 € Startkapital mitbringt und monatlich 300 € investiert, landet mit 65 im Median bei stolzen 176.000 € (gegenüber 82.000 € eingezahltem Kapital). Das Beruhigendste daran: In absolut keinem der 474 Szenarien lag der finale Portfoliowert unter der Summe der Einzahlungen – nicht einmal beim Start im Krisenjahr 1994.
Die exakte Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen hat auf die langfristige Rendite weniger Einfluss (oft unter einem Prozentpunkt pro Jahr), schont bei defensiver Ausrichtung aber die Nerven. Ein Aufschub des Investmentstarts um fünf Jahre schmälert das Ergebnis hingegen dramatisch – nämlich um rund 40 %.
Mit 50 Jahren ist der Anlagehorizont deutlich länger, als es den Anschein hat. Und das Wichtigste: Die drei Faktoren, die wirklich zählen – dein Startkapital, deine monatliche Sparrate und dein Startzeitpunkt – liegen zu 100 % in deiner eigenen Hand.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Thema „Investieren mit 50“
Ist es mit 50 Jahren zu spät, um mit dem Investieren anzufangen?
Nein, und zwar aus zwei Gründen: Erstens endet dein Anlagehorizont nicht automatisch am Tag der Rente. Das Kapital, das du nicht sofort abhebst, bleibt investiert und arbeitet noch 20 bis 30 Jahre für dich weiter. Zweitens zeigt unsere Analyse von 474 historischen 15-Jahres-Zyklen (1972 bis 2026), dass ein Startkapital von 20.000 € in Kombination mit 300 € monatlicher Sparrate ausreicht, um bis zum 65. Lebensjahr im Median ein Endvermögen von 176.000 € aufzubauen – und das bei lediglich 82.000 € reinen Einzahlungen.
Wie viel soll in Aktien und wie viel in Anleihen fließen?
Das wichtigste Kriterium hierfür ist die Frage, wie viel deines Kapitals du in den ersten Jahren deines Ruhestands tatsächlich zum Leben benötigst. Dieser Anteil darf keinen starken Marktschwankungen ausgesetzt sein. In unserer Analyse führte ein 80/20-Portfolio (80 % Aktien) zu einem Endkapital von 178.000 € im Median, brachte aber auch maximale zwischenzeitliche Verluste von 31 % mit sich. Ein defensiveres 60/40-Portfolio brachte 160.000 € bei einem geringeren Maximalverlust von 22 %. Die Wahl fällt also zwischen einer erwarteten Mehrrendite von rund 18.000 € oder deutlich ruhigeren Nächten.
Wie viel Rendite kostet es, wenn ich mit dem Start noch ein paar Jahre warte?
Bei identischem Startkapital und gleicher monatlicher Einzahlung zahlt jemand, der erst mit 55 (statt mit 50) Jahren anfängt, über die kürzere Restlaufzeit 28 % weniger Kapital ein – verliert am Ende aber rund 40 % des potenziellen Endkapitals. Je nach Portfolio-Strategie entspricht das einer Renditelücke von 63.000 € bis 72.000 €. Dieser Unterschied resultiert in erster Linie aus den Zinseszinsen, die durch das Warten schlichtweg nicht erwirtschaftet werden konnten.
Lohnt sich ein ETF-Sparplan bei „nur“ 15 Jahren Laufzeit überhaupt noch?
Absolut. Wer monatlich einen Teil seines Gehalts beiseitelegt, für den ist ein ETF-Sparplan auch über 15 Jahre hinweg eine hervorragende Lösung. Er verteilt die Käufe systematisch und nimmt die psychologische Hürde, ständig auf den vermeintlich „perfekten“ Einstiegszeitpunkt warten zu wollen. Wer hingegen über eine größere Summe auf einen Schlag verfügt (Einmalanlage), ist historisch betrachtet meist besser damit beraten, diese komplett zu investieren. In der Praxis lassen sich beide Ansätze ideal kombinieren: Das bestehende Kapital als Einmalanlage investieren und künftige Einzahlungen bequem über einen monatlichen Sparplan steuern.
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