Die Liquidität von ETFs

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Wird ein ETF besonders rege gehandelt, spricht man von hoher Liquidität. Je mehr ein ETF umgesetzt wird, desto geringer fallen die Handelskosten aus. Lernen Sie, wovon die ETF-Liquidität abhängt und wie Sie sie einschätzen können.

Die Liquidität von ETFs Je häufiger Sie ETFs handeln, desto wichtiger sind niedrige Spannen zwischen An- und Verkaufspreis (engl.: „Spreads”). Wenn Sie beim Handel Abschläge machen, leidet die Wertentwicklung Ihres Portfolios. Um herauszufinden, ob sich bestimmte Strategien für den Handel überhaupt lohnen, sollten Sie die ETF-Liquidität rechtzeitig abschätzen.

Genauso sind Sie betroffen, wenn Sie einmal große Summen Geld anlegen möchten. Denn Sie werden die ETFs nicht genau zum fairen Kurs an der Börse kaufen können.

Bei ETFs auf die beliebtesten Indizes fiele dieser Verlust mit weniger als einem Zehntel Prozent der Ordersumme vergleichsweise gering aus. In Nischenmärkten mit weniger Handelsaktivität kann die Situation jedoch anders aussehen und Sie bis zu 1 Prozent oder mehr kosten.

Beruhigend aber: Keiner der Marktteilnehmer wird bei einer elektronischen Börse wie Xetra bevorzugt. Die Geld-Brief-Spanne fällt bei großen Orders sogar größer aus als bei kleinen. Das elektronische Orderbuch behandelt alle gleich und wickelt die Orders nach einem strengen Regelwerk ab. Es sind die Umstände, die entscheidend sind.
 

Market Maker liefern ETF-Liquidität

ETFs bilden Märkte über einen Index genau ab. Daher richtet sich die Liquidität des jeweiligen ETF vor allem nach dem abgedeckten Markt. In sehr liquiden Märkten wie bei europäischen oder US-amerikanischen Standard-ETFs beträgt die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis häufig weniger als 0,005 Prozent. Das überträgt sich auch auf den ETF.

Im Börsenhandel spielen die Market Maker die Übersetzer für die ETF-Liquidität: Sie stellen Angebote ins Orderbuch und sind daher bei fast jedem Geschäft die Gegenpartei. Je einfacher die Market Maker die Werte aus dem Index handeln können, desto günstiger die Geld-Brief-Spanne. Wenn nun mehrere Market Maker in einem ETF-Orderbuch Angebotspreise einstellen, konkurrieren sie miteinander. Je mehr Market Maker im Orderbuch bei einem ETF tätig sind, desto niedriger die Geld-Brief-Spanne des ETF.
 
Wie funktioniert der ETF-Handel?

Wie funktioniert der ETF-Handel?

Erfahren Sie in diesem Artikel, wie ein ETF-Kurs zustande kommt, was es mit dem Spread auf sich hat und was der außerbörsliche Handel ist.
Mehr über ETF-Handel
Bei exotischen und schwer abzubildenden Märkten finden sich nur wenige interessierte Market Maker. Die produktive Konkurrenz bleibt dann aus, und die Geld-Brief-Spanne des ETF weitet sich deutlich.

Wichtig zu wissen: Manche Fondsplattformen bieten den Kauf von ETFs zum Nettoinventarwert (Fachbegriff: „NAV”) an. Um die Geld-Brief-Spanne kommen Sie jedoch auch beim NAV-Handel nicht herum. Oftmals werden als Kompensation sogenannte „Additional Tradings Costs” (ATC) erhoben, die ähnlich hoch wie die Geld-Brief-Spannen ausfallen.

Auch die Handelszeit ist entscheidend: Nur wenn der abgebildete Markt geöffnet ist, können die Market Maker dessen Kurse dafür nutzen, ihr Angebot zu kalkulieren. Sind die Märkte geschlossen, steigt das Risiko von Schwankungen bis zum nächsten Handelstag, was die Market Maker über deutlich größere Geld-Brief-Spannen an die Anlegenden weitergeben.
 
Unser Tipp: ETFs, die asiatische Börsen abbilden, kaufen Sie an europäischen Börsen am besten früh morgens, ETFs aus den USA oder Lateinamerika am späten Nachmittag. Mehr zum Börsenhandel und den Handelszeiten von ETFs erfahren Sie in unserem Artikel Wie funktioniert der ETF-Handel?.

ETF-Liquidität ist messbar

Wie liquide ein ETF ist, können Sie an der aktuellen Geld-Brief-Spanne ablesen. Die Spanne schwankt natürlich je nach Marktsituation. Eine Hilfestellung bietet das Liquiditätsmaß XLM (engl.: „Xetra Liquidity Measure”). Die Deutsche Börse errechnet dieses für jeden auf Xetra gelisteten ETF monatlich. Parallel zum fortlaufenden Handel simuliert das elektronische Handelssystem in jedem ETF-Orderbuch eine An- und eine Verkaufsorder in Höhe von 100.000 Euro. Die Geld-Brief-Spanne für jede simulierte Order wird gemessen, gespeichert und einmal im Monat statistisch ausgewertet.

Die Deutsche Börse nutzt das XLM-Maß außerdem, um die Tätigkeit der Market Maker zu überwachen. Market Maker, die vertraglich an die Emittenten und die Börse gebunden sind, erhalten bei einem guten XLM Vergünstigungen bei den Handelskosten. Damit haben sie einen Anreiz, möglichst oft und gut im Orderbuch präsent zu sein – zu Ihrem Vorteil.
 

Aktien-ETFs mit der höchsten Liquidität auf Xetra

Aktien-ETFs mit der höchsten Liquidität XLM
iShares Core DAX UCITS ETF (DE) EUR (Acc) 3,12
Xtrackers DAX UCITS ETF 1C 3,14
iShares Core S&P 500 UCITS ETF USD (Dist) 3,24
iShares Core S&P 500 UCITS ETF USD (Acc) 3,28
iShares NASDAQ 100 UCITS ETF USD (Acc) 3,37
iShares Core EURO STOXX 50 UCITS ETF (DE) 3,44
 

Anleihen-ETFs mit der höchsten Liquidität auf Xetra

Anleihen-ETFs mit der höchsten Liquidität XLM
iShares EUR Govt Bond 1-3yr UCITS ETF EUR (Dist) 2,30
iShares EUR Govt Bond 3-7yr UCITS ETF EUR (Acc) 2,68
iShares USD Treasury Bond 1-3yr UCITS ETF USD (Dist) 2,86
Xtrackers II Eurozone Government Bond 1-3 UCITS ETF 1C 3,16
iShares eb.rexx Government Germany 1.5-2.5yr UCITS ETF (DE) EUR (Dist) 3,22
iShares Core EUR Govt Bond UCITS ETF EUR (Dist) 3,30
  

ETFs mit der geringsten Liquidität auf Xetra

ETFs mit der geringsten Liquidität XLM
Invesco MSCI China All Shares Stock Connect UCITS ETF - Acc 234,09
Market Access Stoxx China A Minimum Variance Index UCITS ETF 230,49
HANetf The Medical Cannabis and Wellness UCITS ETF - Acc 181,39
UBS ETF (LU) J.P. Morgan USD EM Diversified Bond 1-5 UCITS ETF (hedged to EUR) A-dis 173,24
UBS ETF (IE) MSCI Japan Climate Paris Aligned UCITS ETF (JPY) A-acc 170,72
Invesco FTSE RAFI Emerging Markets UCITS ETF Dist 164,60
Quellen: Deutsche Börse, monatliche ETF-/ETP-Statistik 04/2021, justETF Research; Stand: 31.05.2021

Der Tabelle können Sie entnehmen, dass die ETFs mit der höchsten Liquidität fast immer die großen, bekannten Indizes abbilden, die nach Marktkapitalisierung gewichtet werden. Die liquidesten ETFs haben sogar geringere Geld-Brief-Spannen als die liquidesten DAX-Aktien.

Wenn Sie beispielsweise mit einem Core Satellite-Portfolio arbeiten, sollten Sie vor allem Nischenmärkte beobachten: Zwar gibt es bei Xetra Vorgaben für maximale Spannen zwischen An- und Verkaufspreis der ETFs, diese Vorgaben beinhalten aber keine Garantien für jede einzelne Order. Außerdem wird das XLM-Maß für die Vergangenheit berechnet.

Bei Orders über die Börse Stuttgart gibt es Garantien für die Geld-Brief-Spanne. Allerdings sind diese Garantien vor allem bei größeren Orders und bei den Märkten mit hoher Liquidität wirksam. Bei Nischenprodukten garantiert Xetra hingegen nur eine wenig attraktive Maximal-Spanne von 2,5 Prozent. Zudem hat die Börse Stuttgart die Garantien in den kritischen Marktphasen vom März 2020 ausgesetzt.

Wichtig deshalb: Achten Sie bei Nischenprodukten bei jeder Order zusätzlich auf die Geld-Brief-Spanne in der Ordermaske Ihres Online Brokers. Schätzen Sie mit den Zahlen aus den oben aufgeführten Tabellen ab, ob die Spanne für Sie in einem vertretbaren Rahmen liegt.
 

Über Regionalbörsen und deren Handelsplattformen ordern

ETFs werden in Deutschland auch über einige der sechs Regionalbörsen wie etwa die Börsen Stuttgart, München, Frankfurt, Berlin oder Hamburg/Hannover gehandelt. Dort sind Makler für die Preisstellung der ETFs zuständig und koppeln ihre Quotierungen meist an das Orderbuch von Xetra. Weil die Market Maker und deren Wettbewerb untereinander hier fehlen, können die Geld-Brief-Spannen beim Handel von ETFs an diesen Handelsplätzen prinzipbedingt nicht besser sein als auf Xetra. Das gilt ganz besonders in Marktphasen mit starken Schwankungen und großer Unsicherheit. 
 
Ein anderer Weg, ETFs zu handeln, sind die Plattformen der Regionalbörsen wie gettex, Tradegate, Quotrix oder LS Exchange. An diesen Plattformen läuft der Handel ähnlich vollelektronisch ab wie auf Xetra. Hier sind ebenfalls Market Maker mit von der Partie, allerdings deutlich weniger als auf Xetra und bei vielen Werten nur ein Handelshaus.

Wichtig deshalb: Achten Sie bei Nischenprodukten bei jeder Order zusätzlich auf die Geld-Brief-Spanne in der Ordermaske Ihres Online Brokers, insbesondere bei Orders, die nicht auf Xetra ausgeführt werden sollen. Schätzen Sie mit den Zahlen aus den oben aufgeführten Tabellen ab, ob die Spanne für Sie in einem vertretbaren Rahmen liegt. Mehr Informationen zu den ETF-Handelsplätzen erfahren Sie im Artikel Handelsplätze im Vergleich – wo Sie ETFs handeln sollten.
 
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ETFs kaufen: Fallstricke beim ETF-Handel vermeiden
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Kann ich meinen ETF jederzeit verkaufen?

Niemand möchte in turbulenten Märkten auf einer Verkaufsorder sitzen bleiben. Was passiert also, wenn kein Market Maker mehr ETFs quotieren möchte?

Hier gibt es weitgehende Entwarnung: Solange der vom ETF abgebildete Markt liquide bleibt, wird auch der ETF gehandelt. Im Krisenfall vergrößert sich der Spread, weil die Risiken der Market Maker durch die höhere Volatilität ansteigen. In der Corona-Pandemie war das sehr deutlich zu spüren: So handelten MSCI World-ETFs im März 2020 zum Beispiel bei einem XLM zwischen 16 und 135 statt der üblichen 5 bis 19 Basispunkte. Bei anderen ETFs wurde im Vergleich zum wenig volatilen Januar der 10- bis 50-fache Wert gemessen. Dennoch hätten Sie ETFs verkaufen und einen Abnehmer finden können.
 

Die Liquidität von Nischen-ETFs kontrollieren

Gängige ETFs weisen eine hohe Liquidität auf und haben daher nur geringe Geld-Brief-Spannen. Auch in turbulenten Zeiten können Sie solche ETFs stets handeln, wenn auch zu etwas höheren Kosten.

ETFs, die weniger gängige Märkte und Strategien abbilden, müssen Sie mehr Beachtung schenken. Dazu gehören vor allem Schwellenländer-ETFs, Smart Beta-Strategien, Branchen-ETFs, Megatrend-ETFsRohstoff-ETFs und hochverzinste Anleihen. Die ETF-Liquidität können Sie beispielsweise über das XLM-Maß der Deutschen Börse einschätzen. Eine weitere Kontrollmöglichkeit bietet Ihnen die Ordermaske Ihres Online Brokers.
 
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