Short ETFs: Depotabsicherung?

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In schwierigen Börsenzeiten wird immer schnell der Ruf nach Depotabsicherung laut und damit auch nach Absicherungsinstrumenten. Steuerlich bevorteilte Altbestände möchte man ungerne veräußern. Sind hierfür Short ETFs, welche die inverse Wertentwicklung eines Index widerspiegeln, geeignet? Wir meinen nein!

Short ETFs: Depotabsicherung? Short ETFs sind hoch spekulative Instrumente, die für kurzfristiges spekulatives Handeln auf Tagesbasis entwickelt wurden. Als Absicherungsinstrument sind sie ungeeignet. Im Folgenden zeigen wir Ihnen die Gründe hierfür auf.

Wer Short ETFs in sein Depot kauft, sollte sich mit der Funktionsweise dieser Instrumente gut auskennen. Die Wertentwicklung des Short ETFs lässt sich nicht einfach mit minus eins aus der Index-Entwicklung berechnen. Der Grund dafür ist die sogenannte Pfadabhängigkeit. Am besten kann diese an einem Beispiel erläutert werden.

 

Pfadabhängigkeit: Was bedeutet das?

Das Beispiel vergleicht die Entwicklung eines Long Index und die eines Short Index mit täglicher Anpassung.

Tag 1: Am ersten Tag steigt der Long Index um +10% von 100 auf 110. Der dazu passendende Short Index fällt um -10% von 100 auf 90. Soweit ist dies genau das Verhalten, das man erwartet.

Tag 2: Auch am zweiten Tag steigt der Long Index um +10% von 100 auf 121. Der Short Index fällt ebenfalls um -10%, also von 90 auf 81.

Pfadabhängigkeit von Short ETFs

Die Gesamtperformance nach einem zweitägigen Investment jedoch zeigt was Pfadabhängigkeit bedeutet. Während der Long Index insgesamt +21% gewonnen hat, hat man mit dem Investment in den Short Index -19% verloren. Auch im 2. Beispiel erhält man ein Ergebnis, dass nicht ganz der Erwartung entspricht. Obwohl der Long Index +/-0% Performance hat, hat man mit einem Investment in den Short Index -1,8% verloren.

Je länger man nun den Betrachtungszeitraum wählt, desto stärker kann sich das tatsächliche Ergebnis eines Investments in den Short Index von dem landläufig erwarteten Ergebnis unterscheiden.

Diesem Effekt kann man nur begegnen, wenn man täglich die Absicherungsposition auf den neuen Wert der abzusichernden Position anpasst. Dies ist für einen normalen Privatanleger nicht wirtschaftlich.

Mit der Vergleichsfunktion in der ETF Suche von justETF können Sie die Wertentwicklung von Short und Long ETFs auf den gleichen Index schnell und unkompliziert vergleichen. Wir haben dies für Sie einmal anhand des Aktienindex DAX getan. Das Ergebnis können Sie der folgenden Grafik entnehmen.

Während man seit Jahresbeginn noch in etwa das erwartete Ergebnis trifft, so zeigt der 1-Jahresvergleich doch ein deutlich anderes Bild.
 

Wertentwicklung des Dax, Short Dax, Leveraged Dax und Short Leveraged Dax

Chartvergleich: Short vs. Long ETFs
Dax, Short Dax, Leveraged Dax und Short Leveraged Dax vergleichen

Quelle: justETF; Stand: 28.02.2012
 
Index Seit Jahresbeginn 1 Jahr
Leveraged DAX (2x) +35,51% -19,05%
DAX +16,74% -5,48%
ShortDAX -14,86% -2,63%
Leveraged ShortDAX (2x) -27,95% -13,61%
Quelle: justETF; Kursentwicklung der db X-trackers ETFs, Basis: NAV, Stand: 28.02.2012.

 

Fazit: Short ETFs sind nicht als Depotabsicherung für Privatanleger geeignet

Aus diesen Gründen stufen wir Short ETFs nicht als geeignetes Absicherungsinstrument für ein Privatanleger Depot ein. Für die Portfolioabsicherung ist und bleibt die Reduzierung des Risikos durch Reduzierung der risikotragenden Anlagen im Portfolio der einzig gangbare Weg. Damit können Sie ruhig schlafen.