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Das Altersvorsorgedepot 2027: So profitierst du von der staatlichen ETF-Förderung

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Die Bundesregierung hat den Weg für das neue Altersvorsorgedepot freigemacht. Mit höheren staatlichen Zulagen, Steuervorteilen und dem Wegfall von Garantien steht uns eine große Renten-Revolution bevor. Wir zeigen dir, wie du ab Januar 2027 maximal profitierst.

Das Altersvorsorgedepot 2027: So profitierst du von der staatlichen ETF-Förderung
 
  • Level: Für alle
  • Lesedauer: 7 Minuten
Die Themen dieses Artikels:

Kapitalmarktanlage statt Versicherungspflicht: Wie funktioniert das neue Altersvorsorgedepot?

Die private Altersvorsorge in Deutschland steht vor dem größten Umbruch seit Jahrzehnten. Das Ziel: Weg von intransparenten und oft teuren Versicherungsmänteln, hin zu renditestarken Investitionen am Kapitalmarkt
Das Konzept ist nicht neu und wurde schon durch den ehemaligen Finanzminister Christian Lindner unter der Ampel-Koalition ausgearbeitet. Nun soll es ab 2027 Realität werden und langfristig die Lücke schließen, die die ungeliebte Riester-Rente sowie die staatliche Rente hinterlassen. Für ETF-Fans ist das eine gute Nachricht: Endlich soll der Zinseszinseffekt staatlich gefördert sein volles Potenzial entfalten können.
Eines der Hauptprobleme der Riester-Verträge ist die gesetzlich vorgeschriebene Beitragsgarantie. Diese zwang Anbieter dazu, einen Großteil des Geldes in niedrig verzinste Wertpapiere zu investieren. Für Aktien-ETFs blieb kaum Platz.
Das neue Modell bricht mit diesem Dogma. Künftig sollst du die Wahlfreiheit haben zwischen:
  1. Sicherheitsorientierte Garantieprodukte: Zwei Produkte mit Beitragsgarantien von 80 % bzw. 100 % (eher für risikoscheue Anleger).
  2. Renditeorientiertes Altersvorsorge-Depot: Ein Depot ohne Garantie, aber mit voller Partizipation an den Aktienmärkten. Hier sind Aktienquoten von bis zu 100 Prozent möglich, sodass du vollständig von den höheren Renditechancen von Aktien-ETFs profitieren kannst.

Die Förderung: Wie wird das Depot vom Staat bezuschusst?

Die Förderung wurde im Vergleich zum ersten Referentenentwurf vereinfacht und aufgestockt. Statt einer Cent-Staffelung gibt es nun eine prozentuale Förderung.
Durch eine höhere Förderung auf die ersten 360 Euro sowie die neue Kinderzulage profitieren Geringverdiener, Menschen mit mittleren Einkommen und Familien zusätzlich, da bereits kleinere Eigenbeiträge eine maximale staatliche Hebelwirkung entfalten:

Altersvorsorgedepot: Förderungen im Überblick

  • Grundförderung: 50 Prozent Zulage auf die ersten 360 eingezahlten Euro und 25 Prozent auf die weiteren Einzahlungen von 360,01 Euro bis 1.800 Euro.
  • Maximalförderung: Wer 1.800 Euro im Jahr einzahlt, erhält nun 540 Euro vom Staat (im ersten Entwurf waren nur 480 Euro geplant).
  • Kinderzulage: Diese stellt eine enorme Verbesserung für Familien dar. Für eingezahlte Beiträge von bis zu 300 Euro im Jahr erhältst du eine Zulage von 100 Prozent (maximal 300 Euro pro Kind). Während die maximale Förderhöhe von 300 Euro damit gleich geblieben ist, profitieren nun besonders Menschen mit geringem Einkommen. Der volle staatliche Zuschuss wird bereits bei einer Einzahlung von jährlich 300 Euro erreicht. Im ersten Entwurf war hierfür noch ein deutlich höherer Eigenbeitrag von 1.200 Euro (bei einer Förderung von 25 Cent pro Euro) notwendig, um auf die vollen 300 Euro Zulage zu kommen.
  • Berufseinsteiger-Bonus: Wer unter 25 ist, erhält einmalig zusätzlich 200 Euro.
  • Maximalbetrag: Du kannst jährlich bis zu 6.840 Euro in Dein Altersvorsorgedepot einzahlen. Zwar gibt es für alles oberhalb von 1.800 Euro keine direkten Zulagen, doch du profitierst von einem entscheidenden Vorteil: der Steuerstundung. Da in der Ansparphase keine Abgeltungssteuer auf Deine Gewinne oder Dividenden anfällt, bleibt Dein Kapital vollständig investiert und kann die volle Kraft des Zinseszinses entfalten.
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Versteuert werden die Erträge erst bei der Auszahlung im Alter (nachgelagerte Besteuerung). Das sorgt für einen enormen Steuerstundungseffekt: Da du keine jährlichen Steuern auf Kapitalerträge abführen musst, bleibt dein komplettes Brutto-Kapital investiert. Dieser Zinseszins auf Geld, das sonst beim Finanzamt gelandet wäre, sorgt über Jahrzehnte für einen gewaltigen Rendite-Hebel.

Steuerersparnis und Günstigerprüfung: Der zusätzliche Rendite-Hebel

Neben den direkten Zulagen bietet das Altersvorsorge-Depot auch einen steuerlichen Vorteil. Im Rahmen der Einkommensteuererklärung gibst du an, welche Summe im vergangenen Jahr in dein Altersvorsorgedepot geflossen ist. Das Finanzamt berechnet automatisch per Günstigerprüfung, ob die direkten Zulagen oder der Abzug der Beiträge als Sonderausgaben für dich vorteilhafter sind.
Besonders für Gutverdiener ist dieser Effekt groß. Werden die Beiträge steuerlich geltend gemacht, reduziert sich das zu versteuernde Einkommen, was zu einer spürbaren Steuererstattung führt.
Ein konkretes Rechenbeispiel: Angenommen, du schöpfst den geförderten Höchstbetrag voll aus und zahlst jährlich 1.800 Euro (monatlich 150 Euro) in dein Depot ein. Zusammen mit der Grundförderung von 540 Euro fließen insgesamt 2.340 Euro in deine Anlage.
Liegt dein Grenzsteuersatz bei 42 Prozent, ergibt sich folgende Rechnung: Das Finanzamt berechnet die Steuerersparnis auf den Gesamtbetrag von 2.340 Euro (Eigenbeitrag + Zulage). Bei einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent entspräche dies einer Ersparnis von rund 983 Euro. Da du die Zulage von 540 Euro bereits erhalten hast, wird diese verrechnet und du erhältst über den Steuerbescheid eine zusätzliche Rückerstattung von 443 Euro.

Kampfansage bei den Kosten: Der 1-Prozent-Deckel

Aus Sicht von ETF-Sparern als besonders positiv zu bewerten: Die Kosten der neuen Produkte sollen auf maximal 1 Prozent pro Jahr gedeckelt werden. Dies stellt eine deutliche Verbesserung gegenüber dem ersten Entwurf dar, in dem der Kostendeckel noch bei 1,5 Prozent lag.
Kritiker argumentieren, dass diese Kostendeckelung zulasten der Produktvielfalt gehen würde und Beitragsgarantien damit schwierig seien. Die Realität zeigt jedoch: Wer noch 15 Jahre oder länger bis zur Rente hat, könnte auf teure Garantien verzichten. Historisch gesehen gab es im MSCI World bei Anlagezeiträumen von über 15 Jahren noch nie Verluste.
Der Kostendeckel ist für ETF-Sparer dabei leicht einzuhalten: Die meisten Welt-ETFs haben mittlerweile eine Kostenquote (TER) zwischen 0,05 bis 0,25 Prozent.

Förderung auch für Selbstständige

Ein echter Durchbruch der Reform ist die Einbeziehung der Selbstständigen. Bisher war diese Gruppe vom Altersvorsorgedepot vollständig ausgeschlossen.
Ab 2027 können nun auch sie das Altersvorsorgedepot nutzen und von der staatlichen Unterstützung für ihren privaten Vermögensaufbau mit ETFs profitieren.

Rechenbeispiel: Die Macht des Zinseszinses

Wie sehr sich das neue Altersvorsorge-Depot lohnen kann, haben wir dir einmal exemplarisch für einen ETF-Sparplan auf den MSCI ACWI durchgerechnet.
Die Annahmen:
  • Laufzeit: 40 Jahre.
  • Marktrendite: Durchschnittlich 8 Prozent p.a. (historischer Durchschnitt).
  • Eigenleistung: 1.800 Euro pro Jahr (entspricht 150 Euro pro Monat).
  • Staatliche Zulage: Die Zulage fließt jeweils zu Beginn des Folgejahres in das Depot und wird ab dem Folgejahr mitverzinst.
Die staatlichen Zulagen:
  • Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag gibt es 50 Prozent Zulage (180 Euro pro Jahr).
  • Auf die weiteren 1.440 Euro (bis zur 1.800-Euro-Grenze) gibt es 25 Prozent Zulage (360 Euro pro Jahr).
  • Gesamtzulage pro Jahr: 540 Euro (das sind 60 Euro mehr als im ursprünglichen Entwurf geplant).
Das Ergebnis: Aus deinen 72.000 Euro Eigenkapital wird durch die staatliche Förderung von insgesamt 21.600 Euro und den Zinseszinseffekt ein Vermögen von über 678.000 Euro.
Zum Vergleich: Wer privat 150 Euro monatlich spart, ohne die staatliche Förderung zu nutzen, kommt am Ende auf ca. 527.000 Euro. Die staatliche Förderung bringt dir also ein sattes Plus von rund 151.000 Euro – und dabei ist die fällige Abgeltungsteuer, die in einem normalen Depot anfallen würde, noch gar nicht berücksichtigt.

Rechenbeispiel: Staatlich gefördertes Aktiensparen

Annahmen
Laufzeit 40 Jahre
Eigenanteil gesamt 72.000 €
Zulagen vom Staat 21.600 €
Gesamte Einzahlungen 93.600 €
Gesamtkapital Altersvorsorgedepot 678.020,29 €
Gesamtkapital normales Depot 527.142,18 €
Differenz: AVD zu normalem Depot 150.878,11 €
Quelle: justETF Research, justETF Sparplan-Rechner; Stand: 27.03.2026 ¹Förderung i.H.v. 540 € p.a. wurde in diesem Beispiel für die gesamte Ansparphase angenommen. Dies ist eine vereinfachte Modellrechnung ohne Berücksichtigung von Produktkosten und Steuern. Historische Renditen in der Vergangenheit sind zudem keine Garantie für zukünftige Renditen.

Wie funktioniert die Auszahlung im Ruhestand?

Das Altersvorsorgedepot bietet maximale Freiheit: Du kannst zu Beginn 30 Prozent des Kapitals sofort entnehmen. Der Rest wird über einen Auszahlplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr ausgezahlt – eine lebenslange Versicherungspflicht gibt es nicht mehr.
Die Besteuerung im Überblick
Wie dein Geld versteuert wird, richtet sich nach der Art der Einzahlung:
  • Geförderter Anteil (bis 1.800 € + Zulagen): Diese Auszahlungen (inkl. Gewinne) versteuerst du im Alter komplett mit deinem dann gültigen persönlichen Einkommensteuersatz.
Zusätzlicher Sparanteil (über 1.800 € bis 6.840 €):
  • Monatliche Rate: Es greift die günstigere Ertragsanteilsbesteuerung. Dabei wird nur ein kleiner Teil der Gewinne versteuert (z. B. 18 % bei Auszahlungsbeginn mit 65 Jahren).
  • Einmalauszahlung: Nach mindestens 12 Jahren Laufzeit versteuerst du nur die Hälfte der Gewinne (Halbeinkünfteverfahren). Bei kürzerer Laufzeit fällt die normale Abgeltungsteuer (25 %) auf die Gewinne an.

Was passiert mit alten Riester-Verträgen?

Millionen Deutsche besitzen bestehende Riester-Verträge und stellen sich nun die Frage: kündigen, wechseln oder einfach liegen lassen? Eine voreilige Kündigung ist meist die schlechteste Option, da du in diesem Fall sämtliche erhaltenen Zulagen und Steuervorteile an den Staat zurückzahlen müsstest.

Lohnt sich der Wechsel in das neue Depot?

Für die meisten Sparer ist die Antwort: Ja. Das neue Altersvorsorgedepot bietet nicht nur höhere Zulagen, sondern auch einen deutlich stärkeren steuerlichen Hebel. Eine Ausnahme können Alleinerziehende mit geringem Einkommen und mehreren Kindern sein.
In jedem Fall ist der entscheidende Vorteil des neuen Depots die Flexibilität bei der Auszahlung. Während Riester dich fast immer in eine lebenslange Versicherung drängt, erlaubt das neue Depot einen deutlich rentableren Auszahlungsplan.
Deine drei Möglichkeiten ab 2027:
  1. Weiterführen mit neuen Konditionen: Wer mit seinem Anbieter zufrieden ist, kann den Vertrag oft auf die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen umstellen lassen und so von der höheren Förderung profitieren.
  2. Kapital mitnehmen: Du kannst dein gesamtes angespartes Guthaben aus dem bestehenden Riester-Vertrag in ein neues Altersvorsorgedepot übertragen.
  3. Neuabschluss: Du lässt den alten Vertrag beitragsfrei ruhen und startest komplett neu.
Wichtig zu wissen: Der Wechsel ist eine Einbahnstraße. Wenn du dich einmal für das neue Altersvorsorgedepot entschieden und dein Kapital übertragen hast, gibt es keinen Weg zurück in das alte Riester-System.
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