Mischfonds: Es droht Ungemach

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Mischfonds sind im Finanzvertrieb sehr beliebt. Doch im Niedrigzinsumfeld bleibt nach Abzug der Kosten kaum etwas von den Erträgen (Dividenden und Anleihe-Zinsen) übrig. Gerade ertragsorientierte Anleger sollten wachsam sein und nach Alternativen Ausschau halten.

Mischfonds: Es droht Ungemach Viele Privatanleger haben in den letzten Jahren in Mischfonds investiert, die auch als vermögensverwaltende Fonds oder Strategiefonds bezeichnet werden. Sie sind die Verkaufsschlager unter den Finanzberatern. Dies liegt vor allem daran, dass sie oftmals von Experten gemanagt werden, die in der Fondsbranche bekannte „Stars“ sind. Zu denen zählen Dr. Jens Ehrhardt, Klaus Kaldemorgen, Bert Flossbach und Luca Pesarini – ihnen trauen Privatanleger zu, dass sie aussichtsreiche Strategien diszipliniert umsetzen.

Die Manager dieser Fonds können in verschiedene Anlageklassen investieren, wobei die Schwerpunkte in der Regel auf Aktien und Anleihen liegen. Im Rahmen der Fondsstrategie ist meistens eine maximale Aktienquote von 30, 50 oder 70 Prozent festgelegt.

 

Hohe Verwaltungsgebühren fressen Erträge

Anteile eines vermögensverwaltenden Fonds zu kaufen, ist eine „bequeme Anlagestrategie“, weil man sich nicht um die Portfoliostrukturierung und die Auswahl von Einzeltiteln oder Fonds kümmern muss. Aber es gibt dabei einen Nachteil: Besitzer solcher Fondsanteile zahlen hohe Verwaltungsgebühren. Und dies könnte gerade in der aktuellen Niedrigzinsphase zu einem Problem werden.

 

Niedrige Netto-Erträge aufgrund hoher Kosten

Die jährlichen Gesamtkostenquoten von Mischfonds liegen zwischen 1,5 und zwei Prozent. Nur geringfügig höher dürfte aktuell die Dividendenrendite der in den Fonds enthaltenen Aktien sein. Bei den großen Benchmark Indizes, wie DAX und MSCI World liegt diese aktuell zwischen zwei und drei Prozent. Die Verzinsung europäischer Staatsanleihen ist bei kurzen Laufzeiten bereits negativ. Für längere Laufzeiten erzielt man eine Verzinsung weit unter einem Prozent. Von den Erträgen (Dividenden und Anleihe-Zinsen) bleibt nach Abzug der Kosten so nur wenig übrig, wie die folgende Beispielrechnung zeigt.

 

Berechnung der Netto-Erträge von Mischfonds

Wir haben basierend auf einer Dividendenrendite von drei Prozent und einer Annahme einer Anleihen-Verzinsung von ein Prozent pro Jahr die Netto-Erträge von Mischfonds mit einer jährlichen Gesamtkostenquote von 1,5 Prozent berechnet.
 
Aktienquote laufender Ertrag Gesamtkostenquote Netto-Ertrag
30 Prozent 0,3 * 3% + 0,7 * 1%
=1,6 Prozent

1,5 Prozent

0,1 Prozent
50 Prozent 0,5 * 3% + 0,5 * 1%
=2,0 Prozent

1,5 Prozent

0,5 Prozent
70 Prozent 0,7 * 3% + 0,3 * 1%
=2,4 Prozent

1,5 Prozent

0,9 Prozent

Der laufende Ertrag eines Mischfonds wurde wie folgt berechnet:
     Aktienquote / 100 * Dividendenrendite der Aktien im Fondsportfolio (drei Prozent)
+  Anleihenquote / 100 * Anleihen-Verzinsung (ein Prozent)

 

Größter Teil der Fondsperformance entfällt auf die Kursgewinne von Aktien

Weil bei einem Mischfonds von den Dividenden und Anleihe-Zinsen nach Abzug der Kosten kaum etwas übrig bleibt, entfällt der größte Teil des Mehrwertes auf die Kursgewinne von Aktien und Anleihen. Doch Kursgewinne sind nicht so verlässlich, wie die laufenden Erträge aus Dividenden und Zinsen. Zudem wird auch an diesen Erträgen meist über eine Gewinnbeteiligung mit verdient.

In den kommenden Jahren wird der Erfolg eines Mischfonds hauptsächlich dadurch bestimmt, wie der Fondsmanager seinen Spielraum für Aktienanlagen nutzt. Die Niedrigzinsphase mag zudem den ein oder anderen Manager dazu verleiten riskantere Aktien und Anleihen in den Fonds zu kaufen, um eine attraktive Rendite dazustellen. Dies birgt ein weiteres Risiko für Anleger und dürfte vielen Anlegern erst bekannt werden, wenn es zu spät ist. Doch Anleger sind nicht alternativlos.
 


Kostengünstige Alternative zu einem Mischfonds

Das Rendite-Risiko-Profil eines Mischfonds wird im Wesentlichen durch die Portfoliostruktur (Mischung der Anlageklassen im Portfolio) definiert. Sie können das Portfolio eines solchen Fonds kostengünstig mit ETFs nachbilden. Für die Nachbildung des Aktienanteils stehen Ihnen unter anderem ETFs auf den MSCI World und den Euro Stoxx 50 zur Verfügung, deren jährliche Gesamtkostenquote zum Teil deutlich weniger als 0,20 Prozent beträgt. Auch den Anleihenanteil können sie günstig nachbilden, denn die jährliche Gesamtkostenquote von ETFs auf europäische Staatsanleihen beträgt maximal 0,20 Prozent.

 

Tagesgeldkonten bieten eine Verzinsung von bis zu 1,25 Prozent pro Jahr

Eine Alternative zu Anleihen-ETFs bieten zudem Tagesgeldkonten. Insbesondere bei kurzen Anlagezeiträumen sollten sie erste Wahl sein. Derzeit wird Tagesgeld mit bis zu 1,25 Prozent pro Jahr (Stand: 22.04.2016) verzinst. Anzumerken ist hierzu, dass bei Banken innerhalb der Europäischen Union Einlagen von bis zu 100.000 Euro pro Kunde gesetzlich geschützt sind. Tagesgeldangebote stehen übrigens nur Privatanlegern zur Verfügung und können von den Mischfonds nicht genutzt werden.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Nach Abzug der Kosten bleibt bei einem ETF-Portfolio ein deutlich größerer Teil der Dividenden und Anleihe-Zinsen für Sie übrig, als bei einem Mischfonds. Zudem fallen keine Gewinnbeteiligungen an, die das Ergebnis weiter schmälern könnten.

 

Berechnung der Netto-Erträge von ETF-Portfolios

Wir haben basierend auf einer Dividendenrendite von drei Prozent und einer Anleihen-Verzinsung von einem Prozent pro Jahr die Netto-Erträge von ETF-Portfolios mit einer exemplarischen jährlichen Gesamtkostenquote von 0,2 Prozent berechnet. Ersetzt man die Anleihen-ETFs durch Tagesgeld liegt die durchgerechnete Kostenquote sogar nur bei 0,06% bis 0,14%, abhängig vom Aktienanteil.
 
Aktienquote laufender Ertrag Gesamtkostenquote Netto-Ertrag
30 Prozent 0,3 * 3% + 0,7 * 1%
=1,6 Prozent

0,2 Prozent

1,4 Prozent
50 Prozent 0,5 * 3% + 0,5 * 1%
=2,0 Prozent

0,2 Prozent

1,8 Prozent
70 Prozent 0,7 * 3% + 0,3 * 1%
=2,4 Prozent

0,2 Prozent

2,2 Prozent
 
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