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Robo Advisor-Tests: Hilfe für Privatanleger? – Fehlanzeige

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Drei Robo Advisor-Tests – dreimal grundverschiedene Ergebnisse. Wie kann das sein? Wie transparent sind die Bewertungen und wie steht es um die Objektivität? – Ein Kommentar

Robo Advisor-Tests: Hilfe für Privatanleger? – Fehlanzeige In den letzten Wochen erschienen unabhängig voneinander gleich drei Tests zu deutschen Robo Advisors: Die Magazine Finanztest und Capital sowie das DISQ im Auftrag vom Nachrichtensender n-tv haben zusammen über 25 Robo Advisors bewertet. Die Platzierungen der einzelnen Robo Advisors fielen dabei derart unterschiedlich aus, dass wir uns gefragt haben, ob diese Ergebnisse tatsächlich objektiv sein können. Objektiv betrachtet kann das jedenfalls kein Zufall sein.

Wie verschieden die Ergebnisse sind, zeigt das Beispiel des Warburg Navigators. Während er sich im Ranking von Finanztest zusammen mit der cominvest den letzten Platz teilt, erhält er bei der Capital die insgesamt zweitbeste Bewertung. Das ist allerdings kein Einzelfall: Whitebox schafft es im Ranking der Capital nur auf Platz 12 und landet damit im unteren Mittelfeld. Im Vergleich von Finanztest schneidet Whitebox hingegen am zweitbesten ab. Diese widersprüchlichen Ergebnisse werfen Fragen auf, schließlich haben die beiden Tests eine ähnliche Ausgangsposition: Die Magazine führen ihre Tests anhand eines Musterkunden durch. Dieser ist bei beiden 45 Jahre alt, verheiratet, und möchte für einen Zeitraum von 10 (Finanztest) beziehungsweise 15 Jahren (Capital) rund 50.000 Euro anlegen. Unterschiede gibt es bei der monatlichen Sparsumme und der persönlichen Erfahrung mit Wertpapierhandel.

Noch mehr verwirrt Folgendes: Im Test der DISQ im Auftrag von n-tv belegt Vaamo Platz 1, der es bei Finanztest immerhin noch auf Platz 4 schafft. Im Ranking der Capital erreicht der Robo aber nur Platz 9. Der Testsieger von Finanztest, Quirion, landet bei den beiden anderen Tests nur im Mittelfeld. Bei der Capital reicht es für Platz 6, bei der DISQ nur für Platz 7.

 

Starke Differenzen: Platzierungen der Robo Advisors in den verschiedenen Tests (Auszug)

Robo Advisor Finanztest Capital* DISQ*
Warburg Navigator 14 1 -
Quirion 1 6 7
Vaamo 4 9 1
Whitebox 2 12 -
* Capital und DISQ unterscheiden die Anbieter nach Alter des Angebots (Capital) bzw. nach Zugehörigkeit zu Fintechs oder Banken (DISQ). Der gezeigte Rang entspricht dem des jeweiligen Sub-Rankings. Quellen: Finanztest 08/18, Capital 08/18, DISQ GmbH & Co. KG 
 
 

Die Bewertungskriterien werden sehr unterschiedlich gewichtet

Die Ausgangslage ist bei allen Tests ähnlich. Wie kann es also sein, dass die Ergebnisse so stark voneinander abweichen? Die völlig konträren Bewertungskriterien liefern Antwort. Das beste Beispiel hierzu: das vermeintlich klare Bewertungskriterium „Kosten”. Dieses wird von jedem der Tests anders eingerechnet. Im Verfahren von Finanztest machen die Kosten alleine einen Hauptpunkt aus und zählen zu 40 Prozent direkt in die Endnote mit ein. Die Note „sehr gut” erhalten in dieser Kategorie nur diejenigen Robo Advisors, bei denen die Kosten unter 0.6 Prozent pro Jahr auf die Anlagesumme betragen.

Bei der Capital stellt die Höhe der Kosten lediglich einen Unterpunkt in der Kategorie „Service” dar, die 35 Prozent der Gesamtbewertung ausmacht. Hier fließen aber noch andere Unterpunkte wie zum Beispiel die Kontaktinformationen, die Reaktionszeit auf Nachrichten sowie die Möglichkeit zur Weiterbildung mit ein. Die Kosten haben also nur einen kleinen Anteil am Kriterium „Service”.

Am wenigsten Einfluss auf die Bewertung haben die Kosten wohl bei der DISQ: Berücksichtigt wird hier lediglich, ob diese „angemessen” sind. Dieser Punkt trägt zu 5.3 Prozent des Kriteriums „Information und Einstieg” bei, welches wiederum 33.3 Prozent des Gesamtergebnisses ausmacht. Wie die Kosten dargestellt werden, scheint hier wesentlich wichtiger zu sein als die eigentlichen Kosten. Dabei kosten manche Robo Advisors genauso viel wie die Beauftragung einer persönlichen Betreuung durch einen unabhängigen Honorarberater. Gerade da die Höhe der Kosten ja eines der Hauptargumente für den Einsatz von Robo Advisors ist, verwundert es schon sehr, dass diese in den Tests der Capital und DISQ kaum Beachtung finden.

 

Übersicht: Wie wird die Höhe der Kosten im Test berücksichtigt?

Finanztest Capital DISQ
eigene Kategorie, 40% der Gesamtnote nur Unterpunkt der Kategorie „Service”
(35% der Gesamtnote)
Teil der Kategorie „Information und Einstieg”,
weniger als 2% der Gesamtnote
Quelle: Finanztest 08/18, Capital 08/18, DISQ GmbH & Co. KG

Ein weiterer wichtiger Unterschied: die bisherige Rendite der Robo Advisors. In der Kategorie „Investment” bezieht die Capital Rendite, Risiko und den maximalen Verlust über ein Jahr ein. Bei Finanztest und DISQ spielt die Rendite keine Rolle.

 

Robo Advisors direkt miteinander zu vergleichen macht keinen Sinn

Der Markt für Robo Advisors in Deutschland ist sehr umfangreich und bietet Zugang zu nahezu jeder möglichen Anlagephilosophie. Die verschiedensten Services und Leistungen, aber auch der sehr unterschiedliche Tiefgang und die Methodik im Aufbau der Anbieter sorgen dafür, dass sich einzelne Angebote nicht direkt miteinander vergleichen lassen. Warum sollen aus Äpfeln also plötzlich Birnen werden?

Finanztest hat erkannt, dass Äpfel und Birnen zwar beide lecker schmecken, sie aber nun mal nicht das Gleiche sind. Die verschiedenen Angebote werden hier klar getrennt. Im Test enthalten sind daher nur Robo Advisors, die zum einen digitale Finanzportfolioverwaltung anbieten und zum anderen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) überwacht werden. Vom Test ausgeschlossen sind Anbieter, die als Finanzanlagenvermittler auftreten, sowie Self-Service-Robos, die nur Hilfe zur Selbsthilfe offerieren und den Kunden die Geldanlage selbst überlassen.

Die Capital hingegen vergleicht insgesamt 25 Robo Advisors und wirft dabei die unterschiedlichsten Angebote wie beispielsweise Scalable Capital (Finanzportfolioverwalter) und Weltsparen (Finanzanlagenvermittler) in einen Topf. Dass die beiden Robo Advisors gänzlich unterschiedliche Leistungen im Angebot haben, interessiert hier scheinbar nicht. Weltsparen ist zum Beispiel deutlich günstiger als Scalable Capital, bietet dafür aber eben auch kein aktives Risikomanagement. Das entspricht vielleicht den Wünschen mancher Anleger, ist für andere allerdings der falsche Ansatz. Die Angebote enthalten alle verschiedene Leistungen und sollten daher auch anhand unterschiedlicher Kriterien bewertet werden. Wenn alle Angebote ohne klare Trennung über einen Kamm geschert werden, ist am Ende doch keinem geholfen.

Auch der Test der DISQ vermischt verschiedene Angebote miteinander, wobei auch justETF Erwähnung findet. Da wir allerdings kein digitaler Vermögensverwalter sind, sondern unsere Kunden dazu ermutigen, ihre Geldanlage selbst in die Hand zu nehmen, macht ein Vergleich mit Robo Advisors mit vollem Serviceumfang wie Scalable Capital oder Liqid gar keinen Sinn.

 

Den Arbeitsaufwand hat der Privatanleger

Die Testberichte sollten – wenn überhaupt – nur als grobe Orientierung dienen. Selbst relativ klare Punkte wie Kosten oder Rendite finden keine einheitliche Beachtung und fließen auf verschiedene Weisen subjektiv in die Testergebnisse ein. Zudem werden gerade im Bereich der Robo Advisors oft Vergleiche herangezogen, die schlichtweg hinken. Die Angebote sind meist zu verschieden, um sie in einem Vergleich zusammenzufassen. Wenn Sie planen, mittels eines Robo Advisors zu investieren, führt kein Weg daran vorbei: Sie müssen selbst aktiv werden und intensiv recherchieren.

Und schon wieder bleibt das Problem an Ihnen als Privatanleger hängen, das Sie ursprünglich durch einen Robo Advisor lösen wollten: Sie müssen zwar nicht mehr umständlich die passenden Finanzprodukte für Ihre Geldanlage heraussuchen, dafür stehen Sie nun schon vorher vor der Qual der Wahl des richtigen Robo Advisors. – Bei der Informationslage eine Mammutaufgabe. Die Angebote ändern sich ständig und der Vergleich erfordert umfangreiches Hintergrundwissen.

 

Den Kampf gegen widersprüchliche Testergebnisse gewinnen

Die einzige Überlebensstrategie, um im Dschungel aus gegensätzlichen Bewertungsmethoden nicht die Orientierung zu verlieren: Lesen Sie die Tests kritisch und schauen Sie sich dabei genau an, welche Kriterien hoch gewichtet sind und wie diese mit Ihren persönlichen Vorstellungen übereinstimmen. In einem Punkt sind wir ganz auf der Seite von Finanztest: Robo Advisors sollten möglichst günstig sein und eine breit gestreute passive Anlagestrategie verfolgen. Als Alternative bleibt Ihnen immer noch Ihre Unabhängigkeit und der Weg zur Do-it-yourself-Geldanlage. Dann entscheiden Sie ganz einfach selbst, was wann wie mit Ihrem Geld passiert und sparen gleichzeitig Kosten für die Verwaltung. Mit dem justETF Strategie Planer ist das ganz leicht: In wenigen Schritten können Sie sich Ihr eigenes ETF-Portfolio erstellen. Sie wollen noch mehr über ETFs erfahren? In unserer justETF Academy finden Sie hilfreiche Informationen rund um ETFs.