Cost-Average Effekt: So hilft er beim ETF-Sparen

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Der Cost-Average Effekt ist ein populäres Argument für Sparpläne jeder Art. Was ist dran? Wir haben diesen Effekt für ETF-Sparen in den letzten 30 Jahren simuliert – und das kam dabei heraus.

Cost-Average Effekt: So hilft er beim ETF-Sparen Beginnen wir mit einem Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie sparen 20 Jahre lang regelmäßig 300 Euro im Monat für Ihre private Altersvorsorge. Sie zahlen insgesamt 72.000 Euro ein. Die 300 Euro im Monat stammen aus Ihrem laufenden Einkommen. Sie haben also gar nicht die Wahl, eine ETF Einmalanlage in Höhe von 72.000 Euro einzugehen.
 

Wie ETF-Sparen funktioniert

Wird nun das Geld am Kapitalmarkt investiert, also zum Beispiel in einen ETF, ist der Preis für den ETF aufgrund von Kursschwankungen in jedem Monat ein anderer. Mit jeder Sparrate kaufen Sie also unterschiedlich viele Anteile des ETF. 

Besonders viele ETF-Anteile für Ihre konstante Sparrate erhalten Sie in Marktphasen mit niedrigeren Kursen – wenn es also an der Börse „nicht so gut” läuft. Was bedeutet jedoch eine schlechte Börsenphase für Sie als ETF-Sparerin oder ETF-Sparer konkret? Solange Sie die Werte in Ihrem Depot nicht antasten müssen, besteht gar keine Gefahr. Dann ist nur der Depotwert aufgrund der schlechten Börsenphase niedrig – die bereits gekauften ETF-Anteile im Depot sind daher weniger wert als in besseren Marktphasen. 

Ungewohnt für Investierende: Mit jeder Sparrate kaufen Sie ausgerechnet jetzt besonders viele ETF-Anteile. Intuitiv fühlt sich das falsch an. Aber das Gegenteil ist der Fall: Steigen die Kurse wieder, dann gewinnt Ihr Depot durch den günstigen Einkauf überdurchschnittlich an Wert. Genauso funktioniert die Kapitalbildung am Aktienmarkt. Und dass sich die Kurse nach einer Krise irgendwann wieder erholen, ist mehr als wahrscheinlich.
 
Wie lautet die Cost-Average Effekt Definition? Der Effekt bezeichnet einen Vorteil für Anlegende, der durch regelmäßige Investitionen in ein im Wert schwankendes Wertpapier entstehen kann.

Was versteht man unter dem Cost-Average Effekt?  

Diesen krisenbedingten Vorteil beschreibt der sogenannte „Durchschnittskosteneffekt”, auf Englisch: Cost-Average Effekt. Der Begriff hat nichts zu tun mit Kosten von ETFs

Die ursprünglichen Entdecker aus den USA haben ihre Beobachtungen genutzt, um ein Investment in Raten mit einem Einmalinvestment zu vergleichen. Die Gelehrtenwelt ist sich jedoch heute einig, dass der Cost-Average Effekt nicht garantiert zu einer Verbesserung gegenüber einer Einmalanlage führt. Die Fragestellung an sich erscheint außerdem realitätsfern – wer richtet einen ETF Sparplan ein, wenn doch gleich investiert werden kann? Das haben wir in unserem Artikel ETF Sparplan vs. ETF Einmalanlage detailliert beschrieben. 

Dennoch gibt es den Cost-Average Effekt beim Sparen am Kapitalmarkt. Zwar hängt es vom Börsengeschehen ab, wie stark er wirkt. Aber er ist immer positiv, solange das investierte Geld nicht unbedingt in einer Krise benötigt wird, sondern der Verkauf flexibel gehandhabt werden kann. Hierfür gibt es übrigens oft kostenlose ETF-Entnahmepläne

Insofern wäre es falsch zu versprechen, dass Sie beim ETF-Sparen durch den Cost-Average Effekt immer positiv abschneiden. Doch hilft er dabei, dass Sie bei der Vermögensbildung gegenüber bereits Vermögenden nicht wesentlich schlechter abschneiden. 
 
justETF Tipp: Der Cost-Average Effekt ist immer positiv, solange das investierte Geld nicht unbedingt in einer Krise benötigt wird, sondern der Verkauf flexibel gehandhabt werden kann. Hierfür helfen kostenlose ETF-Entnahmepläne.

Wie berechnet man den Cost-Average Effekt?

Die Antwort darauf ist einfach: Man kann ihn nicht berechnen, da das Sparen mit ETFs viel mit unvorhersehbaren Marktschwankungen am Aktienmarkt zu tun hat. Wer schon einen ordentlichen Betrag gespart hat, fürchtet kräftige Markteinbrüche, die immer wieder vorkommen. 

Genau deshalb haben wir simuliert, wie bedrohlich Kapitalmarktkrisen bislang für das ETF-Sparen waren. Wir gehen dabei über 30 Jahre bis in die 1990er Jahre zurück. Mit eingeschlossen sind dadurch das Platzen der Dotcom-Blase 2000, die Anschläge am 11. September 2001, die Finanzkrise 2008/2009, die Eurokrise 2011 und der Einbruch an den Börsen durch die Corona-Pandemie im März 2020.

Als Basis für unsere Simulation dient ein Investment in einen fiktiven MSCI World-ETF, der 0,2 Prozent jährliche Verwaltungsgebühr kostet. Konstant gespart wurden 300 Euro im Monat – also 108.000 Euro über 30 Jahre.

Erste Frage: Was war damit zu verdienen – angesichts solcher Krisen in der Zwischenzeit? Antwort: Die Einkünfte bei einem Verkauf Ende November 2021 wären tatsächlich beträchtlich gewesen. Der Einsatz hat sich quasi vervierfacht! Aus der Einzahlung von 108.000 Euro hat sich ein Depotwert von 453.594 Euro entwickelt. Dabei haben sicherlich der günstige Einkauf in den Krisen zu Beginn und der starke Anstieg der Aktienkurse in den letzten Jahren beigetragen – eine ideale Konstellation für den Cost-Average Effekt.

Und was wäre aus einem Einmalinvestment von 108.000 Euro zu Beginn geworden?  Per Ende November 2021 wäre der Depotwert bei über 1,14 Millionen Euro. Aber wie schon festgestellt: Dieser Vergleich ist realitätsfern, denn die 108.000 Euro standen ja eben gerade nicht zu Beginn zur Verfügung. 

Zweite Frage: Wie hätte es mit Ihrem Depotbestand im Zeitverlauf ausgesehen? Lag der Wert des Depots längere Zeit unterhalb des eingezahlten Kapitals? Denn wenn der Wert des Depots während einer Aktienmarkt-Krise für längere Zeit unter dem eigentlich eingezahlten Betrag liegt, ist die Versuchung groß, das Spar-Projekt enttäuscht zu stoppen. Zu so einer Situation kam es laut unserer Simulation kaum. Dagegen funktionierte die Vermögensbildung nach der Krise wie mit einem Turbo – zu Ihren Gunsten. Das lässt sich gut aus der folgenden Grafik ablesen.
 

Sparplansimulation 30 Jahre, MSCI World (in EUR), 300 EUR Sparrate

Sparplansimulation 30 Jahre, MSCI World (in EUR), 300 EUR Sparrate
  Angesparter Betrag in EUR      Wert der Anteile in EUR      MSCI World EUR   
Quellen: MSCI, Deutsche Bundesbank, justETF Research; Stand: 30.11.2021

Die graue Fläche steht für das eingezahlte Kapital, das konstant von Monat zu Monat wächst. Die orange Fläche zeigt den Wert der ETF-Anteile im Depot, bewertet zum aktuellen Preis. Die zugehörige Skala in Euro finden Sie am rechten Rand des Diagramms. Die blaue Linie steht für den Kursverlauf des MSCI World-Index, in Euro gerechnet. Dessen Skala ist am linken Rand des Diagramms aufgetragen. 

Nur kurz nach der Finanzkrise fiel der Wert unseres simulierten Depots kurzzeitig unter den Wert der Einzahlungen. Dagegen konnten Einbrüche wie in 2015 oder im März 2020 gut verkraftet werden.
 

30 Jahre ETF-Sparen: Ergebnisse in Zahlen

Monatliche Sparrate 300€
Produkt MSCI World-ETF, TER 0,2% p.a.
Beginn 30.11.1991
Ende 30.11.2021
Spardauer (Jahre) 30
Angesparter Betrag 108.000€
Depotwert am Ende 453.594€
Quellen: MSCI, Deutsche Bundesbank, justETF Research; Stand: 30.11.2021
 
justETF Tipp: Auf unserer Seite ETF für Anfänger:innen finden Sie alles zum Thema ETF Sparplan – anschaulich erklärt mit Artikeln, Videos und Podcastfolgen.
 
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