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Quellensteuer – mit ETFs Zeit und Geld sparen

justETF.com

Wie die meisten Steuerthemen ist die Quellensteuer für Privatanleger nur schwer verständlich. Glücklicherweise haben es Fondsanleger deutlich einfacher als Halter von Einzelaktien.

Quellensteuer – mit ETFs Zeit und Geld sparen Anleger, die im Ausland Kapitalerträge generieren, müssen auf diese Erträge auch in den jeweiligen Ländern Steuern bezahlen. Das betrifft Dividendenzahlungen von Aktien, Zinszahlungen von Anleihen und ähnliche Ausschüttungen von anderen Finanzprodukten. Diese Steuer wird „Quellensteuer“ genannt. Sie wird von den Regierungen der jeweiligen Länder festgelegt.

Die Ausschüttungen werden direkt am Zahltag mit der zu entrichtenden Steuer belastet und anschließend in Ihr Depot eingebucht. Mit bis zu 35 Prozent fällt die Quellensteuer in einigen Ländern besonders hoch aus. Glücklicherweise halten die sogenannten Doppelbesteuerungsabkommen, kurz DBA, die Steuerlast dennoch in Grenzen.

 

Wie die Quellensteuer funktioniert

Wenn ein deutscher Anleger eine Dividende aus dem Ausland erhält, zahlt er die dort geltende Quellensteuer. Mit vielen Staaten hat Deutschland allerdings ein Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen. Den in diesem Abkommen festgeschriebenen Prozentsatz darf die Quellensteuer für deutsche Anleger nicht übersteigen. In der Regel beträgt diese Obergrenze 15 Prozent. In vielen Fällen ist die gezahlte Quellensteuer außerdem auf die Abgeltungsteuer anrechenbar.

 

Quellensteuersätze ausgewählter Länder

Staat Nationale Quellensteuer Höchstsatz nach DBA Davon anrechenbar sind …
USA 30% 15% 15%
Großbritannien 0% 15% 0%
Japan 15% 15% 15%
Schweiz 35% 15% 15%
Frankreich 21% 15% 15%
Italien 26% 15% 15%
Quelle: Bundeszentralamt für Steuern; Stand: 1. Januar 2017

Wenn ein deutscher Anleger zum Beispiel eine Dividende aus US-amerikanischen Aktien in Höhe von 100 Euro erhält, dann wären auf diese Dividende ohne DBA 30 Prozent Quellensteuer, also 30 Euro fällig. Dank des DBA gilt aber der Höchstsatz von 15 Prozent. Zahlen müssen Anleger zunächst die vollen 30 Prozent, allerdings können deutsche Anleger bei der ausländischen Steuerbehörde eine Erstattung über die Differenz beantragen. Im Beispiel sind das 15 Euro. Nachdem die übrigen 85 Euro der Bruttodividende in das Depot des Anlegers gebucht wurden, wird die Abgeltungsteuer fällig. Anstatt der üblichen 25 Prozent beträgt diese nur noch 10 Prozent, da 15 Prozentpunkte der Quellensteuer anrechenbar sind. Die tatsächliche Steuerlast beträgt also 25 Euro. Davon verbleiben 15 Euro in den USA und 10 Euro wandern zum deutschen Fiskus.

Antragsformulare für die Rückerstattung der Quellensteuer finden Sie auf der Website des Bundeszentralamtes für Steuern. Außerdem finden Sie dort eine detaillierte Liste aller Länder, mit denen Deutschland ein Doppelbesteuerungsabkommen unterhält, inklusive des Maximalbetrags der anrechenbaren Quellensteuer.

In obigem Beispiel wird davon ausgegangen, dass die Erstattung der Quellensteuer durch die ausländischen Behörden sofort durchgeführt wird. Abhängig davon, in welchem Land die Erstattung beantragt wird, dauert diese Erstattung mehrere Wochen (z. B. in Österreich) bis hin zu Jahren (z. B. in Italien).

Oft kümmert sich die Bank um die Anrechnung der Quellensteuer auf die Abgeltungsteuer, ansonsten müssen Anleger diese im Zuge ihrer Einkommensteuererklärung selbst beantragen.

 

Fondsanleger haben es leichter

Manchmal profitieren Anleger automatisch vom günstigeren Quellensteuersatz; vor allem bei US-amerikanischen Aktien ist das der Fall. Meistens jedoch muss sich der Anleger selbst darum kümmern. Die Folge ist ein mitunter langwieriger Papierkrieg im Bürokratie-Dschungel ausländischer Steuerbehörden. Für Kleinanleger sind Aufwand und Kosten für den Erstattungsantrag so hoch, dass sich die Antragstellung häufig kaum lohnt.

 

Quellensteuer-Behandlung bei Fonds ab 2018

Quellensteuer-Behandlung bei Fonds ab 2018
Quelle: justETF.com

Auch bei allen anderen Komplikationen steht der Anleger selbst in der Verantwortung. Gerade für Kleinanleger ist es daher ratsam, nur über Fonds in ausländische Aktien zu investieren. Dann kümmert sich nämlich die Fondsgesellschaft für den Anleger um die korrekte steuerliche Behandlung. Ausschlaggebend ist dabei allerdings das Fondsdomizil. Liegt dieses zum Beispiel in Irland, dann ist im Falle einer Ausschüttung durch US-amerikanische Aktien das DBA zwischen den USA und Irland entscheidend.

Fondsanleger genießen noch einen weiteren Vorteil gegenüber den Haltern von Einzelaktien: Obwohl die Erstattung der Quellensteuer einige Zeit in Anspruch nimmt, wird sie von Fondsanbietern als sicher betrachtet. Deswegen berechnet der Fonds sein Fondsvermögen sofort mit dem um die Erstattung korrigierten Betrag. Wenn Anleger dann zum offiziellen Kurs (NAV) verkaufen, beziehungsweise eine Ausschüttung erhalten, profitieren sie bereits von der Quellensteuererstattung, unabhängig davon, ob eine Erstattung bereits stattgefunden hat oder nicht. Das heißt also, dass Fondsanleger nicht nur keine Extrakosten tragen und keinen Mehraufwand betreiben müssen, um die Erstattung zu erhalten, sondern auch, dass sie sofort über die volle Nettodividende verfügen können.

 

Investmentsteuerreform ab 2018

Ab 2018 ändert sich zudem die Besteuerung von Fonds/ETFs grundlegend. Mit der Investmentsteuerreform entfällt bei Fonds die Anrechnung der ausländischen Quellensteuer auf die deutsche Abgeltungsteuer. Im Gegenzug erhalten Anleger künftig eine sogenannte Teilfreistellung auf Kapitalerträge aus Fonds. Diese beträgt bei Aktienfonds 30 Prozent.

Was bedeutet das für Sie? Zukünftig bezahlen Sie durchgehend Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge an den deutschen Fiskus. Diese Steuern werden auf den um die Teilfreistellung geminderten Kapitalertrag erhoben und führen so zu einer ähnlichen Steuerlast wie bisher. Hierum müssen Sie sich nicht kümmern. Das übernimmt Ihre Bank für Sie.

Wenn Sie mehr über Steuern bei ETFs erfahren möchten, empfehlen wir Ihnen unseren Basisartikel ETF und Steuern.