Das Ziel eines ETFs ist simpel: Er soll einen Index wie z.B. den MSCI ACWI so exakt wie möglich nachbilden. In der Theorie sollten die Renditen von Index und ETF identisch sein. In der Praxis zeigt sich jedoch fast immer eine Abweichung. Um diese Abweichungen zu bewerten, gibt es zwei Kennzahlen: die Tracking-Differenz und den Tracking-Error. Während die eine Kennzahl dir verrät, wie viel Rendite du am Ende tatsächlich erzielst, gibt die andere Aufschluss darüber, wie sehr der ETF um den Index schwankt.
Tracking-Differenz erklärt
Die Tracking-Differenz ist die wichtigste Kennzahl für dich als langfristigen Anleger. Sie beschreibt die absolute Differenz zwischen der Rendite des ETFs und der Rendite des Index über einen bestimmten Zeitraum (meist pro Kalenderjahr).
Einfach gesagt: Die Tracking-Differenz zeigt dir, wie viel Performance „auf der Strecke geblieben“ ist oder ob dein ETF den Index sogar schlagen konnte. Sie ist das reale Abbild deiner Rendite nach Abzug aller Kosten und Einflüsse. Sowohl die Index- als auch die ETF-Rendite findest du im Factsheet deines ETFs.
Tracking-Error erklärt
Häufig wird der Tracking Error mit der Tracking-Differenz gleichgesetzt, doch er misst etwas anderes. Der Tracking Error ist eine statistische Kennzahl (die Standardabweichung), die angibt, wie stark die Renditeabweichung zwischen ETF und Index schwankt.
Ein niedriger Tracking Error bedeutet, dass der ETF sich sehr nah am Index bewegt. Ein hoher Tracking-Error kann darauf hindeuten, dass der ETF-Anbieter bei der Abbildung des Index größere Freiheiten nutzt oder Schwierigkeiten hat, den Index präzise nachzubilden.
Gründe für die Tracking-Differenz
Warum weicht dein ETF überhaupt von seinem Index ab? Mehrere Faktoren spielen hier zusammen:
Laufende Kosten (TER): Die Total Expense Ratio (Gesamtkostenquote) mindert die Rendite des ETFs direkt. Da diese Gebühr aus dem Fondsvermögen entnommen wird, reduziert sich der Wert deines ETFs kontinuierlich gegenüber dem Index, der als rein theoretisches Konstrukt keine Kosten enthält.
Transaktionskosten: Wenn der Index angepasst wird, muss der ETF Aktien kaufen oder verkaufen. Die dabei anfallenden Gebühren trägt der Fonds. Die Transaktionskosten sind nicht in der TER enthalten.
Dividenden & Steuern: Indizes kalkulieren oft mit pauschalen Steuersätzen, während reale ETFs z.B. durch Doppelbesteuerungsabkommen Steuern sparen und so die Rendite verbessern können. Zudem führt die Verzögerung zwischen der Ausschüttung und der tatsächlichen Wiederanlage durch den ETF zu Abweichungen gegenüber der rein theoretischen Index-Berechnung.
Replikation: Große Indizes mit tausenden Titeln werden oft nicht eins zu eins nachgekauft, sondern über ein optimiertes Auswahlverfahren (Sampling). Das spart Kosten, sorgt aber für leichte Abweichungen.
Wertpapierleihe: Viele ETFs verleihen ihre Aktien gegen Gebühr. Diese Einnahmen fließen in den Fonds und führen dazu, dass der ETF seinen Index outperformen kann.
Formel, Interpretation und Beispielrechnung
Die Berechnung der Tracking-Differenz ist einfach und die Formel lautet:
Tracking-Differenz = ETF-Rendite - Indexrendite
Wichtig zu wissen: In der Praxis wird die Formel häufig auch andersherum verwendet (Indexrendite – ETF-Rendite). Achte daher immer genau darauf, welche Logik eine Quelle nutzt, damit du das Vorzeichen (Plus oder Minus) richtig interpretierst.
In unserer Darstellung (ETF minus Index) gilt:
Negative Tracking-Differenz: Dein ETF ist schlechter gelaufen als der Index (der Regelfall aufgrund der Kosten).
Positive Tracking-Differenz: Dein ETF hat den Index übertroffen. Das passiert, wenn Einnahmen aus der Wertpapierleihe oder Steuervorteile die Gebühren übersteigen.
Beispielrechnung für 2024
Schauen wir uns ein konkretes Beispiel an: den iShares MSCI ACWI UCITS ETF (Acc) mit der ISIN IE00B6R52259.
Indexrendite 2024: 17,49 %
ETF-Rendite 2024: 17,35 %
Berechnung:
17,35 % - 17,49 % = -0,14 %
Ergebnis: Die Tracking-Differenz beträgt -0,14 %. Das bedeutet, du hast im Jahr 2024 lediglich 0,14 % weniger Rendite erzielt als der Index, obwohl die offizielle Gesamtkostenquote (TER) des ETFs bei 0,20 % pro Jahr liegt.
TER oder Tracking-Differenz: Was sind die tatsächlichen Kosten?
Viele Anleger schauen beim ETF-Vergleich auf die Total Expense Ratio (TER). Doch die TER ist lediglich eine „Kostenschätzung“ auf dem Papier. Sie berücksichtigt keine Einflussfaktoren wie beispielsweise Transaktionskosten oder Erträge durch Wertpapierleihe.
Die Tracking-Differenz kann somit als die „ehrlichere“ Kennzahl angesehen werden. Wie unser Beispiel oben zeigt, kann die Tracking-Differenz (hier -0,14 %) niedriger ausfallen als die TER (0,20 %). In manchen Fällen ist die Tracking-Differenz sogar positiv – dann war der ETF für dich praktisch „kostenlos“ oder hat sogar einen Bonus erwirtschaftet.
Fazit: Wenn du ETFs vergleichst, solltest du die historische Tracking-Differenz mit beachten. Sie zeigt dir, was nach allen Kosten und Optimierungen des Anbieters wirklich in deinem Depot ankommt.
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