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Die tatsächlichen Kosten eines ETF: Total Expense Ratio (TER) vs. Total Cost of Ownership (TCO)

justETF.com

Kostenkontrolle ist auch bei der Geldanlage in ETFs ein wichtiger Faktor. Neben der Gesamtkostenquote (TER) sollten Sie auch die sogenannte TCO, also alle Kosten über die gesamte Haltedauer einer Investition, beachten.

Die tatsächlichen Kosten eines ETF: Total Expense Ratio (TER) vs. Total Cost of Ownership (TCO) Einer der großen Vorteile von ETFs: geringe Kosten im Vergleich zu anderen Geldanlagen. Günstiger und einfacher können Sie langfristig kaum investieren. Dennoch müssen Sie auch hier stets im Auge behalten, was an Gebühren und anderen Ausgaben anfällt. Gerade für den langfristigen Erfolg Ihrer Investition sind die Kosten nämlich von entscheidender Bedeutung.

 

Gesamtkostenquote (TER) enthält nicht alle Kosten

Um die Kosten eines ETF zu beurteilen, können Sie die Gesamtkostenquote, die sogenannte Total Expense Ratio (TER), heranziehen. Diese Quote spiegelt jedoch – anders als der Name vermuten lässt – nicht alle Kosten des ETFs wider. Die TER und auch die fast identische Kennzahl „Ongoing Charge” geben die laufenden jährlichen Kosten für den Besitz eines ETF an. Darin enthalten sind auch die Gebühren, die Sie auf der Internetseite des ETF-Anbieters oder im KID und Factsheet finden.

Es handelt sich dabei um laufende Kosten, die täglich anteilig von Ihrem Fondsvermögen im ETF abgezogen werden. Es gibt aber noch weitere Ausgaben, die darin nicht enthalten sind. Um die tatsächlichen Gesamtkosten für den Besitz eines ETF vergleichen zu können, müssen Sie die sogenannte „Total Cost of Ownership” (TCO) heranziehen.

 

Total Cost of Ownership (TCO): alle Kosten auf einen Blick

Allerdings ist die Total Cost of Ownership weder auf der Anbieter-Website noch im Factsheet enthalten. Denn: Zwar haben sich die Investment-Industrie und die Europäische Union auf eine einheitliche Definition der TER und Ongoing Charge geeinigt. Für die Kennzahl der Total Cost of Ownership existiert dagegen aktuell noch keine gesetzliche Regelung.

Anleger sollten diese wichtige Kennzahl bei der ETF-Auswahl dennoch berücksichtigen. Denn der ETF mit dem niedrigsten TER ist nicht unbedingt der günstigste. Folgendes sollten Sie bei den Gesamtkosten beachten:

 

Ein Blick hinter die Kosten-Kennzahlen

Die TER und Ongoing Charge enthalten die laufende jährliche Verwaltungsgebühr des ETF sowie verschiedene sonstige Aufwendungen einschließlich Index-Lizenzgebühr, Anwaltskosten, Verwaltung, Marketing, Regulierung, Überwachung und so weiter.

Die Total Cost of Ownership misst unterdessen auch die zusätzlichen internen Kosten, die durch die TER nicht berücksichtigt werden. Hierzu zählen zum Beispiel zusätzliche Ausgaben für die Neugewichtung bei physisch replizierten ETFs, also Handelsgebühren und Spreads bei Transaktionen innerhalb des ETF. Bei synthetisch replizierten ETFs ist hingegen die Swap-Gebühr zu berücksichtigen. Zudem fallen auch Steuern an und es können Erträge durch Wertpapierleihe erwirtschaftet werden. Diese Kosten sind keinesfalls ETF-spezifisch. Sie fallen bei jeder Art von Investmentfonds zusätzlich zum TER an.

Daneben gibt es noch verschiedene externe Ausgaben, die für Anleger etwas besser identifizierbar sind: Dazu gehören beispielsweise Depotgebühren, Ordergebühren und weitere Handelsgebühren wie die Geld-Briefspanne und Börsengebühren, wenn Sie den ETF kaufen und wieder verkaufen.

 

Total Cost of Ownership: Die Gesamtkosten einer ETF Anlage 

Total Cost of Ownership (TCO): Alle Kosten auf einen Blick
 
Quelle: justETF

Diese externen Kosten sind relativ transparent. Auf der Abrechnung Ihres Online Brokers sehen Sie sämtliche fälligen Bank- und Ordergebühren. Die Geld-Briefspanne – also der Unterschied zwischen dem Ankaufs- und Verkaufskurs – können Sie direkt vor dem Handel bei Ihrem Online-Broker einsehen und die unterschiedlichen Handelsplätze miteinander vergleichen.

 

Tracking-Differenz als Kosten-Kennzahl

Aber wo genau finden Sie die versteckten internen Kosten, die nicht im TER enthalten sind? Sie müssen sich die Tracking-Differenz anschauen.

Die Tracking-Differenz ist der Unterschied zwischen der Rendite des ETFs und der Rendite des zugrundeliegenden Index, der vom ETF nachgebildet wird.

Wenn ein Index zum Beispiel eine Rendite von 10 Prozent ausweist und der entsprechende ETF nur eine Rendite von 9 Prozent erwirtschaftet, dann ist die Tracking-Differenz  -1 Prozent.

Diese Differenz zeigt Ihnen nun effektiv Ihre Gesamtkosten für den Besitz des ETF, also die Total Cost of Ownership, zuzüglich der externen Kosten wie oben dargestellt.

Die Tracking-Differenz kann in einigen Fällen auch positiv ausfallen. Das passiert unter anderem dann, wenn ein ETF von zusätzlichen Einnahmen wie etwa durch Wertpapierleihe oder einer günstigeren Steuerregelung im Vergleich zur Index-Annahme profitiert. Es ist auch möglich, dass durch eine etwas abweichende ETF-Zusammensetzung, wie beispielsweise bei Sampling-ETFs, im Vergleich zum zugrundeliegenden Index, sich der ETF über einen gewissen Zeitraum besser entwickelt.

Um die Tracking-Differenz eines ETF gegenüber dessen Basis-Index einzuschätzen, sollten Sie einen Langfrist-Chartvergleich heranziehen. Laufzeiten von unter einem Jahr können Sie dabei getrost ignorieren.

Allerdings ist es oftmals schwierig, für einen solchen Vergleich an geeignete Index-Daten heranzukommen. Alternativ können Sie aber auch die Renditen mehrerer ETFs auf den gleichen Index miteinander vergleichen. Wählen Sie die entsprechenden ETFs aus und vergleichen Sie diese in einem Chart miteinander. Der ETF mit der höchsten Rendite – am besten über unterschiedliche lange Zeiträume – hat in der Regel die niedrigsten Gesamtkosten.

 

3-Jahres-Rendite und TER der MSCI Emerging Markets-ETFs im Vergleich

3-Jahres-Rendite und TER der MSCI Emerging Markets ETFs im Vergleich
Quelle: justETF.com; MSCI Emerging Markets ETFs älter als 3 Jahre, thesaurierend; Alle Angaben in Euro