Factsheets lesen und verstehen

Anders als bei Verkaufsprospekten und KIIDs ist die Herausgabe von Factsheets nicht gesetzlich vorgeschrieben und schon gar nicht standardisiert. Die offiziellen aktuellen Factsheets der ETF-Anbieter finden Sie auf justETF immer auf der Profilseite des jeweiligen ETF verlinkt. Dieser Artikel soll Ihnen helfen, sich auf einem Factsheet zurechtzufinden. Wir haben für Sie beispielhaft das Factsheet vom UBS MSCI World ETF für die Erklärung gewählt.

 

So lesen und verstehen Sie alle Informationen über den ETF

Auf den meisten Factsheets ist ganz oben das Logo des Anbieters zu sehen. In der Regel steht direkt darunter der ETF-Name in voller Länge.
  Factsheet: ETF Name
Meist ganz in der Nähe finden Sie nicht selten Angaben wie Fondsbeschreibung, Anlageziel und Fondsinformation. Hier können Sie in wenigen Worten nachlesen, wie der ETF investiert und wie er funktioniert. Was Sie in diesem Bereich immer finden werden, heißt für gewöhnlich „Eckdaten”, „Charakteristika” oder auch „Key Facts”. Dort werden wichtige Eigenschaften rund um den ETF, wie zum Beispiel die Replikationsmethode und die Währung des Fonds, übersichtlich in einer Tabelle dargestellt. Auch Kennzahlen, die für die Kosten beziehnungsweise die Besteuerung entscheidend sind, sind hier abgebildet. Das beinhaltet vor allem die Kennzahl für die laufenden Kosten TER (engl. ”Total Expense Ratio”), die Verwaltungsgebühr oder die Ausschüttungsmethode. Der Inventarwert und die Größe des Fonds werden in der Regel ebenfalls genannt.
 
Unser Tipp: Ein Fonds kann mehrere Anteilsklassen mit unterschiedlichen Eigenschaften besitzen. Wenn Sie sich Fondsdaten anschauen, dann sind dies in der Regel die Daten für eine bestimmte Anteilsklasse.
Factsheet: Unterscheidung Anteilsklasse und Fonds
Keine Sorge, wenn Ihnen hier noch ein paar Begriffe neu sind, am Ende haben wir ein Glossar mit den wichtigsten Termini vorbereitet.

Neben den wichtigsten Merkmalen zeigen sehr viele Anbieter auch eine grafische und tabellarische Darstellung der Leistungszahlen. Das sind an erster Stelle die Wertentwicklung oder Rendite des Produkts, oft auch im direkten Vergleich mit dem zugrunde liegenden Index.

Neben der Tracking-Differenz, also der Abweichung der Rendite zum Index, finden Sie hier auch oft den Tracking Error (Maß für die Qualität der Indexnachbildung) und die Volatilität.
 Factsheet: Performance
Unter der Überschrift „Risiko” oder „Risikoprofil”, finden sie zudem häufig weitere Erläuterungen und Hinweise, welche Risiken Sie bei einem Investment in den ETF eingehen.

Beispiele hierfür sind
 
  • Währungsrisiken
  • Marktschwankungen
  • Liquiditätsrisiko
  • ggf. Gegenparteirisiko
  • Hinweis auf die Existenz des Risikos der Fondsschließung.
Im unteren Bereich befindet sich oft noch eine Tabelle mit der Überschrift „Handelsinformationen”. Hier sehen Sie die Handelsplätze aufgelistet, an denen Sie den ETF kaufen beziehungsweise verkaufen können. Als deutsche*r Anleger*in sind für Sie die deutschen Börsen am interessantesten, da bei ausländischen Börsen die Ordergebühren deutlich höher ausfallen können.

Factsheet: Risiko und Notierung

 

Informationen über den Index bzw. die ETF-Bestandteile

Ein gutes Factsheet beinhaltet auch Informationen zu den Bestandteilen des ETF.

So bieten viele Anbieter auf ihrem Factsheet zum Teil detaillierte Informationen über den Index an, der dem ETF zugrunde liegt.

Unter der Überschrift „Indexbeschreibung” finden Sie nicht selten allgemeine Informationen zum Index in kurzen Sätzen ausformuliert. Anbei liegt häufig eine Tabelle, die wichtige Merkmale des Index übersichtlich darstellt. Teil dieser Übersicht sind fast immer Angaben wie der Indexname, Indextyp, die Anzahl der Indexkomponenten und die Neugewichtungsfrequenz.
  Factsheet: Indexbeschreibung
Neben den allgemeinen Indexinformationen finden Sie bei einigen Anbietern fundamentale Kennzahlen des Index wie zum Beispiel die Dividendenrendite, KGV und Börsenkapitalisierung.

Darunter befinden sich weitere Informationen zur Zusammensetzung des Index, wie Ländergewichtung und Sektor-/Branchenverteilung.
 
Unser Tipp: Achten Sie darauf, dass der ETF eine ausreichend breite Streuung aufweist. Es kann vorkommen, dass einzelne Länder und Branchen eine sehr starke Gewichtung haben und damit überproportional die Wertentwicklung des Index bestimmen. Das Gleiche gilt für die größten Positionen: Je größer der Anteil eines einzelnen Unternehmens, desto größer das Einzeltitelrisiko.
Factsheet: Ländergewichtung und Sektorengagement
Außerdem wird hier eine Auswahl der größten Aktienpositionen innerhalb des Index dargestellt. Zumeist handelt es sich um die zehn größten Positionen innerhalb des Index.

Factsheet: Ländergewichtung und Sektorengagement
Es gilt allerdings zu beachten, dass es sich bei diesen Angaben je nach Anbieter um Indexinformationen oder ETF-Informationen handelt. Für den Fall eines ETF, der die Methode des Samplings verwendet, können unter Umständen durchaus signifikante Unterschiede herrschen. Bei vollständig replizierenden ETFs macht dies jedoch selten einen Unterschied. Die große Mehrheit der ETF-Anbieter gibt diese Zugehörigkeit explizit an.

 

Besonderheiten bei Anleihen-ETFs

Die Factsheets für Anleihen-ETFs und Aktien-ETFs sind sehr ähnlich. Sie unterscheiden sich ausschließlich in einigen anleihespezifischen Punkten.

Auf den Factsheets von Anleihen-ETFs ist häufig ein gesonderter Bereich für anleihespezifische Merkmale reserviert. Dieser beinhaltet die modifizierte Duration, die Höhe des Kupons und die Fristigkeit oder Laufzeit. So könnten diese Angaben auf dem Factsheet am Beispiel des Lyxor EuroMTS All-Maturity Investment Grade ETF aussehen.
  Factsheet: Anleihen ETF
Weitere Punkte, die so nur bei Anleihen zu finden sind, sind die Aufteilung nach dem Rating des Emittenten und die Aufteilung nach der Restlaufzeit. Beide Angaben sind in der Regel in einem Kreis- oder Balkendiagramm dargestellt.

Factsheet: Ratinggliederung und Fristgliederung
Bitte beachten Sie, dass Factsheets in keinster Weise standardisiert sind. Manche Factsheets präsentieren etwas mehr, andere weniger Informationen als hier dargestellt. Auch die Überschriften und Begrifflichkeiten können sich von Anbieter zu Anbieter unterscheiden.

Ein kleines Glossar für das bessere Verständnis von Factsheet-Angaben finden Sie unten.

 

Wichtige Begriffe für das Lesen eines Factsheets

Replikationsmethode:
Ein ETF versucht den dazugehörigen Index möglichst präzise nachzubilden. Es ist naheliegend, dass der ETF dazu alle Titel des Index mit deren entsprechenden Gewichtungen kauft. Da es aber sehr aufwändig und kostspielig sein kann, extrem große Indizes mit sehr vielen gering gewichteten Titeln auf diese Weise zu replizieren, kaufen viele ETFs auch nur einen Teil des Index. Diese Methode wird als Sampling bezeichnet. Die dritte mögliche Replikationsmethode ist der Swap. Ausführliche Informationen hierzu finden Sie in unserem Artikel Replikationsmethoden von ETFs.
 
Fondswährung/Währung der Anteilsklasse:
Als Fondswährung wird die Währung bezeichnet, in der ein Anlagefonds seine Rechnung führt und Anteile herausgibt und zurücknimmt. Die Handelswährung kann davon abweichen.
 
Ausschüttung:
Hier wird angegeben, wie der ETF mit den Erträgen (z. B. Kuponzahlungen oder Dividenden) umgeht. Diese werden entweder ausgeschüttet, also zu regelmäßigen Terminen an die Eigentümer*innen ausgezahlt, oder aber thesauriert, also direkt in den ETF selbst reinvestiert.
 
Domizil:
In diesem Land hat der ETF seinen Ursprung und seinen rechtlichen Sitz. Dies ist vor allem aus steuerlichen Gründen interessant.
 
Total Expense Ratio (TER):
Die Total Expense Ratio ist die Gebühr, die von den ETF-Anbietern für die Verwaltung des ETF verlangt wird. Sie wird in Prozent pro Jahr angegeben.
 
Nettoinventarwert (NAV):
Der Nettoinventarwert (kurz NAV) stellt den Wert eines Anteils am ETF dar. Für die Berechnung wird der Gesamtwert des Fonds durch die Anzahl der Anteile geteilt. Der NAV ist der offizielle Kurs des ETF, der einmal täglich von der Fondsgesellschaft festgestellt wird. Er gilt als Referenz für den aktuellen inneren Wert des ETF.
 
Börsenkapitalisierung:
Die Börsenkapitalisierung gibt an, welchen Wert die Gesamtheit aller Aktien eines Unternehmens hat. Er berechnet sich aus dem aktuellen Kurs der Aktien, multipliziert mit der Anzahl aller Aktien.
 
Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV):
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) gibt an, wie oft der Gewinn je Aktie im Kurs enthalten ist, und wird oft dazu verwendet, um den aktuellen Preis einer Aktie beziehungsweise eines Wertpapiers zu bewerten.
 
Dividendenrendite:
Die Dividendenrendite gibt an, wie hoch die Ausschüttungen der letzten zwölf Monate im Verhältnis zum heutigen NAV sind.
 
Kupon (engl. Coupon):
Der Kupon bezeichnet denjenigen Prozentsatz, der vom summierten Nominalwert der Anleihen innerhalb des ETF ausgeschüttet wird.
 
Fristigkeit:
Die Fristigkeit eines Anleihen-ETFs gibt die durchschnittliche Restlaufzeit aller im ETF enthaltenen Anleihen an.
 
Modifizierte Duration:
Die modifizierte Duration ist ein Maß für die Empfindlichkeit des Preises einer Anleihe gegenüber Zinsänderungen. Sie gibt an, um welchen Prozentsatz der Anleihepreis fällt, wenn der Zinssatz um 1 Prozent steigt.

Die modifizierte Duration wird unpräziser, je stärker die Zinsänderung ausfällt. Unter Zuhilfenahme der Konvexität wird die Schätzung genauer.
 
Konvexität:
Die Konvexität eines Anleihen-ETF ist – genau wie die modifizierte Duration – eine Schätzung der Empfindlichkeit des ETF gegenüber Zinsänderungen und erklärt die nichtlineare Veränderung, die durch die modifizierte Duration nicht erfasst wird.

Die Preisänderung bei einer Zinsänderung berechnet sich wie folgt:

dP/P= -D x dY + ½ x C x dY²

mit

dP = Veränderung des Preises
P = alter Preis
D = modifizierte Duration
dY = Veränderung des Zinssatzes
C = Konvexität
   
 
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