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ETFs aus den USA: bei vielen Online Brokern nicht mehr kaufbar

justETF.com

ETFs aus den USA sind groß – so wie alles im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten”. Und sie folgen großen Trends. Trotzdem verkaufen viele Online Broker ETFs aus den USA mittlerweile nicht mehr.

ETFs aus den USA: bei vielen Online Brokern nicht mehr kaufbar Die USA ist das Mutterland der ETFs. Schon viel früher als in Europa kamen dort die ersten ETFs auf den Markt, nämlich 1993. ETFs gehören in den Vereinigten Staaten bei Privatanlegern und institutionellen Anlegern zum ganz normalen Investment-Geschäft.

Daher kommen in den USA viele neue Produkte auf den Markt, die Trend-Themen und Nischen abdecken: Cannabis-ETFs und ETFs auf Kryptowährungen wie Bitcoin sind prominente Beispiele. Gleichzeitig sind die etablierten ETFs in den USA riesig: Alleine die fünf größten ETFs (Spitzenreiter: „SPDR” auf den S&P 500) verfügen über mehr Fondsvolumen als der gesamte europäische ETF-Markt.

Bei diesen ETFs handelt es sich um Fonds, die in den USA aufgelegt wurden und der dortigen Gesetzgebung unterliegen. Untrügliches Zeichen ist eine ISIN, die mit „US …” beginnt. Die ISIN ist ein zwölfstelliger Code aus Buchstaben und Zahlen, der ein Wertpapier eindeutig identifiziert und der weltweit genutzt wird. Die beiden Buchstaben am Anfang einer ISIN geben Aufschluss über das Herkunftsland des Wertpapiers.

Vielleicht haben Sie auch schon einmal daran gedacht, früh auf dieser Trend-Welle mit zu schwimmen und einen „US-ETF” zu kaufen. Immerhin berichten andere Portale gerne über solche ETFs, und selbst auf den Webseiten der öffentlich-rechtlichen ARD sind viele US-ETFs gelistet. Viele institutionelle und sehr vermögende Investoren aus Europa nutzen bereits heute diese Vorteile ausgiebig. So kommt bis zu einem Drittel des Vermögens in den US-amerikanischen Nischen-ETFs aus Europa.

 

US-ETFs bei vielen Online Brokern nicht mehr zu haben

Dass ETFs aus den USA überhaupt in die Reichweite von Privatanlegern kommen, hängt mit ihrem Börsen-Listing zusammen.

Auf zwei Wegen können auch Privatanleger immer noch in ETFs aus den USA investieren:
 
1.  An den Regionalbörsen Berlin und Düsseldorf gibt es Börsenmakler, die die Verbindung zum US-Markt herstellen. Wenn Sie also an der Börse Berlin einen ETF ordern, dann kaufen sie ihn in der Regel von einem Makler, der sich damit im US-Markt versorgt. Ebenso läuft es beim Verkauf: Der ETF befindet sich meist danach auf dem Buch des Maklers. Erkennungszeichen: Für diese ETFs gibt es eine Wertpapier-Kennnummer, die von den Maklern eigens für den Handel an hiesigen Börsenplätzen beantragt wurde (die WKN gibt es nur in Deutschland). Die internationale ISIN beginnt dennoch mit „US”. Die Quotierungen dieser ETFs aus den USA finden Sie häufig in den gängigen Kurs-Portalen, allerdings ohne weitere Informationen zum Produkt.

Entstanden ist diese Vorgehensweise übrigens vor vielen Jahren, um europäischen Anlegern Zugriff auf kleinere US-Aktien zu geben.

Nun gelten ETFs als besonders liquide und günstig im Handel. Auf der anderen Seite wollen die Makler auch etwas verdienen. Gehen Sie also davon aus, dass der Handel an einer Regionalbörse immer ungünstiger ausfällt als beim direkten Ordern an der Börse – in diesem Fall eine US-Börse. Dies drückt sich in einer vergleichsweise hohen Spanne von An- und Verkaufspreis aus, und dies besonders bei volatilen Märkten, weil die Makler auch ihr eigenes Risiko begrenzen müssen.
 
2.  Sie könnten ETFs aus den USA genauso kaufen wie Apple-Aktien, nämlich an den US-Börsen. Denn bei den meisten Online Brokern in Deutschland können Sie Aktien an Börsen im Ausland problemlos ordern. Achten Sie dabei aber unbedingt auf die anfallenden Gebühren, die den Handel leicht unrentabel machen können.
 
Immer weniger Online Broker lassen jedoch den Kauf von ETFs aus den USA zu. Denn nachdem zum Jahresbeginn 2018 die neue MiFID II-Richtlinie bei Fonds-Orders in Kraft getreten ist, sind sie verpflichtet, bestimmte Informationen bereit zu stellen – die sogenannten Basisinformationsblätter oder auch KIDs („Key Investor Documents”). Dabei ist es unerheblich, ob die ETFs an hier ansässigen Börsen oder an einer Börse im Ausland gehandelt werden. Und naturgemäß gibt es die nicht bei Fonds oder ETFs, die nicht in Europa nach dem sogenannten UCITS-Standard als offener Investmentfonds zugelassen wurden.

Die passende EU-Richtlinie, die dies verbindlich vorschreibt, hört auf das kryptische Kürzel Priips, also „Packaged retail and insurance-based investment products”, und dient dem Verbraucherschutz. Jedes Land setzt die Priips-Richtlinie nach den eigenen Standards um. Denkbar wäre daher, dass (EU-)ausländische Broker weniger strikt sind.

Ausgenommen von dieser Regelung sind professionelle Marktteilnehmer. Also alle, die ohnehin von der Aufsicht überwacht werden und hierzu Lizenzen erhalten haben. Hier geht die Aufsicht davon aus, dass genügend Kenntnisse vorhanden sind. Dazu gehören Portfolio-Manager in Fonds-Unternehmen und Banken, Dachfondsmanager, Anlagemanager bei Versicherungen und Pensionskassen, unabhängige Vermögensverwalter und viele weitere Profis.

Auch bei Privatanlegern mit einem Wertpapier-Vermögen von mehr als 500.000 Euro, vielen Vorkenntnissen und praktischen Erfahrungen geht die Aufsicht davon aus, dass sich diese Anleger professionell um ihr Vermögen kümmern. Die Entscheidung über die Einschätzung des Anlegers obliegt dabei der Bank. Wer nicht als Profi gelten möchte, kann das der Bank gegenüber auch erklären. Dann allerdings bleibt der Weg zu den US-ETFs weitgehend verschlossen.

Es ist also für immer weniger Anleger möglich, ETFs aus den USA zu handeln. Kosten treten entweder auf für die zwangsläufig höhere An- und Verkaufsspanne oder durch Gebühren für Auslandstransaktionen.

 

Die schwierige Situation der US-ETFs mit den Steuern und dem Recht

Die Tücke schlägt noch mehr zu, wenn wir die ETFs als Investment betrachten und nicht als rein spekulatives Handelsinstrument. Nicht umsonst steht das „F” in ETF für den Terminus „Fonds”. Investmentfonds müssen auf beiden Seiten des Atlantiks ein Registrierungsverfahren durchlaufen, das jedoch vollkommen unterschiedlich ausgestaltet ist. Daher gibt es nicht einen einzigen Fonds oder ETF, der auf beiden Kontinenten registriert ist.

Alle ETFs, die Sie zum Beispiel bei justETF finden, wurden unter dem verbraucherfreundlichen europäischen Recht aufgelegt (UCITS). Die europäischen Börsen listen ETFs nur, wenn sie über eine Vertriebszulassung nach eben dieser Gesetzgebung in Europa verfügen. Fonds, die nicht im EU-Raum aufgelegt wurden, gelten nach der AIF-Gesetzgebung automatisch als Alternativer Investmentfonds. Erfolgt kein eigenes Zulassungsverfahren als Publikums-AIF, so ist den Fondsgesellschaften sowie den Vermittlern wie Plattformen und Brokern streng untersagt, für diese Fonds Werbung zu machen. Allenfalls die nötigsten Daten dürfen bereitgestellt werden.

Angenommen, es geraten doch ETFs aus den USA in Ihr Portfolio – vielleicht, weil Sie diese vor Jahren gekauft haben oder Sie bei Ihrer Bank als qualifizierter Privatanleger gelten. Dann dürften Sie die folgenden Punkte interessieren:

 

Informationen zum ETF/Fonds

Bei ETFs aus den USA haben Sie keinen Zugriff auf die umfangreichen Dokumentationen, die nach europäischen Standards für die Vermarktung von Investmentfonds erforderlich sind. Das heißt nicht, dass der US-Markt intransparent wäre. Aber kaufen Sie in den USA, müssen Sie sich sämtliche Daten beim Anbieter selbst besorgen (und dabei behaupten, Sie seien US-Anleger). Die Anbieter werden Ihnen Daten zu ETFs aus den USA nur zukommen lassen, wenn Sie nachgewiesenermaßen ein Profi sind.

 

Wertpapier-Verwahrung von US-ETFs

Wenn Sie einen ETF aus den USA kaufen, wandert Ihr investiertes Geld in die Vereinigten Staaten. Geht mit der verwalteten Stelle etwas schief, unterliegt Ihr Investment den US-Vorgehensweisen für einen solchen Fall. Bei europäischen Fonds sind die Mittel im Fonds durch eine umfangreiche Gesetzgebung geschützt. In den USA ist das zwar ähnlich, aber der Gerichtsstand befindet sich eben jenseits des Atlantiks und ist juristisch nur teuer zu betreuen.

 

US-ETFs und Steuern

Das neue Investmentsteuergesetz für Investmentfonds in Deutschland unterscheidet nicht mehr nach Herkunftsland des ETF. Ein Fonds ist für den Fiskus ein Fonds. Auch die Unterscheidung nach UCITS oder AIF-Fonds ist irrelevant. Diese Steuer wird auch direkt von der Depotbank abgebucht.
 
ETFs und Steuern
Das neue Investmentsteuergesetz
Erfahren Sie, was Sie durch das neue Investmentsteuergesetz beachten müssen.
Mehr über das Investmentsteuergesetz
Vorbei die Zeit, als Anleger gegenüber dem Finanzamt behaupten konnten, der ETF aus den USA sei eine Aktie. Etliche Finanzämter haben in der Vergangenheit nicht protestiert und recherchiert – was natürlich keine Garantie war. Das ist nun vorbei. Vorbei ist allerdings auch die allseits gefürchtete Strafbesteuerung für den Besitz von Fonds ohne Vertriebszulassung. Mit der Reform des Investmentsteuergesetzes zum 1. Januar 2018 ist die entsprechende Gesetzes-Grundlage entfallen.

ETFs aus den USA werden also mit den ganz normalen Kriterien versteuert. Die Abgeltungssteuer findet darauf Anwendung. Auch für sie gelten abhängig von der jeweiligen Aktienquote im Fonds seit 2018 sogenannte Teilfreistellungen bei der Steuerlast bis zu 30 Prozent. Die Fondsanbieter müssen jedoch mit einem Datenbank-Eintrag beim zentralen Anbieter WM Datenservice dafür sorgen, dass Ihre Depotbank diese Freistellung beim automatisierten Abzug berücksichtigen kann. In den meisten Fällen dürften diese Daten bei US-ETFs mangels Relevanz und auch aus Kostengründen nie vorliegen. Das ist für Aktienfonds ein deutlicher Nachteil gegenüber europäischen ETFs. Bei reinen Anleihen-ETFs gibt es keine Teilfreistellungen.

Drastisch ist auch die Quellensteuer von 30 Prozent in den USA, wenn der ETF aus den USA vor allem in Werte investiert, die in den Vereinigten Staaten gelistet sind. Sie fällt auf Ausschüttungen an und wird sofort auf Fondsebene abgezogen und abgeführt. Deutsche Anleger können dank eines Doppelbesteuerungsabkommens mit den USA die Hälfte dieser Quellensteuer zurückbekommen, wenn sie das sogenannte W8BEN-Formular ausgefüllt haben. Sie erhalten es auf Wunsch von Ihrem Broker, der es dann weiterreicht. Damit wird die Steuerlast für Ausschüttungen auf ein deutsches Niveau gesenkt. Damit die Steuer-Arbitrage eingedämmt wird, müssen Sie den ETF allerdings schon mindestens 60 Tage zuvor im Portfolio gehabt haben.

Hat der Fonds also Angaben zur Teilfreistellung gemacht, wird die Quellensteuer zurückgeholt. Sind Sie professioneller Anleger, dann ist die Besteuerung von ETFs aus den USA zwar umständlich, aber nicht teurer als bei Fonds hierzulande.
 
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US-ETFs haben mehr Nachteile als Vorteile für Privatanleger

Für private ETF-Investoren erscheint also der Handel und das Investment in ETFs aus den USA unpraktisch, rechtlich unklar und kostenträchtig. Was ist die Rendite aus einem Cannabis-ETF wert, wenn die Kosten für Erwerb und Verkauf sehr hoch sind und Sie unter Umständen auf einen Steuervorteil verzichten müssen?

Bei justETF werden wir trotz vieler Anfragen nur die in Europa aufgelegten ETFs zeigen – nicht nur aus rechtlichen Gründen. Wir sind der Ansicht, dass die Auswahl an ETFs in Europa heute schon sehr groß ist. Ebenso gibt es ausreichend Auswahl an ETFs mit sehr niedriger Verwaltungsgebühr. Bei den gängigen ETFs kann Europa trotz seines fragmentierten Kapitalmarkts in punkto Liquidität locker mit den US-Börsen mithalten.

Und die Erfahrung zeigt: Die meisten Trends aus den USA kommen mit etwas Verzögerung auch in Europa an. Schöne Beispiele sind die Robotics-ETF von iShares und ETF Securities, die zusammen rund zweieinhalb Milliarden von europäischen Investoren eingesammelt haben.
 
Unser Tipp: Auch auf dem europäischen Markt können Sie in spannende Trend-Themen wie Cyber Security oder Nachhaltigkeit investieren. Eine detaillierte Übersicht finden Sie in unserer justETF Suche.