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Welcher Risikotyp sind Sie?

So bestimmen Sie die eigene Risikotoleranz

„Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Rendite.” Sätze wie diesen finden Sie aus gutem Grund in allen Factsheets und wesentlichen Anlegerinformationen, die von ETF-Anbietern herausgegeben werden. Dennoch lässt sich mittels der historischen Simulation von Geldanlagen einiges ablesen, das Sie für zukünftige Entscheidungen nutzen können. So kann Ihnen die langfristige Betrachtung der Vergangenheit beispielsweise dabei helfen, das Risiko einer einzelnen Anlageklasse oder eines ganzen Portfolios richtig einzuschätzen. Auch das Zusammenspiel von Rendite und Risiko wird mittels historischer Daten verdeutlicht. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse können Sie dazu nutzen, ein Portfolio zusammenzustellen, das zu Ihrer persönlichen Situation passt. Entscheidend hierbei sind der Anlagehorizont, die subjektive Renditeerwartung sowie die individuelle Risikotoleranz.

 

Historische Simulation der Portfolio-Performance

Zur Veranschaulichung beleuchten wir die historische Performance eines Portfolios aus zwei Anlagen, einer risikoarmen und einer risikoreichen. Die risikoarme Komponente besteht aus deutschen Staatsanleihen, die risikoreiche Komponente wird mit einem Investment über den MSCI World-Index in weltweite Aktienmärkte bestritten. 

Wir wollen nun simulieren, welchen Einfluss die strategische Wahl der Asset Allocation auf die langfristige Wertentwicklung und das Schwankungsrisiko eines solchen Portfolios hat. Dabei gehen wir von einem langfristigen Buy and Hold-Ansatz mit einem Anlagehorizont von 20 Jahren und einem jährlichen Rebalancing aus. Die anfangs festgelegte Asset Allocation wird also über die gesamte Zeit hinweg weiter verfolgt und jedes Jahr wiederhergestellt.

Der zu Beginn des Investments festgelegte Risikoanteil des Portfolios – das heißt die Gewichtung der risikoreichen Komponente – kann dabei Werte zwischen 0 Prozent (Portfolio besteht nur aus deutschen Staatsanleihen) und 100 Prozent (reines Aktienportfolio) annehmen.

Zunächst vergleichen wir die jährliche Wertentwicklung für den Zeitraum von 2000 bis 2019 für ein reines Anleihen- (Risikoanteil von 0%) und ein reines Aktienportfolio (Risikoanteil von 100%) miteinander.

 

Jährliche Wertentwicklung eines reinen Anleihenportfolios von 2000 bis 2019

 

Risikoanteil von 0%

Jährliche Wertentwicklung eines reinen Anleihenportfolios (Risikoanteil 0%) von 2000 bis 2019
Quelle: justETF Research; Stand: 31.01.2020

  

Risikoanteil von 100%

Jährliche Wertentwicklung eines reinen Aktienportfolios (Risikoanteil 100%) von 2000 bis 2019
Quelle: justETF Research; Stand: 31.01.2020

Während die Anleihen auch in Krisenzeiten sehr gleichmäßige, aber eher geringe Erträge erwirtschafteten, war das Aktienportfolio mit wesentlich größeren Schwankungen verbunden. Wer im Jahr 2000 in ein solches Portfolio investiert hätte, wäre durch eine höhere annualisierte Rendite jedoch für das dabei eingegangene Schwankungsrisiko entschädigt worden: 4,5 Prozent im Vergleich zu einer annualisierten Rendite von 4,1 Prozent bei einem nur aus Staatsanleihen bestehenden Portfolio. Und das, obwohl das Aktienportfolio in den ersten drei Jahren jeweils Verluste verzeichnete und durch die Finanzkrise 2008 einen weiteren heftigen Einbruch erfuhr. Generell gesprochen, beinhaltet der betrachtete Zeitraum die drei größten Börsenkrisen der jüngeren Geschichte: das Platzen der Dotcom-Blase, die Finanzkrise von 2008 und die Eurokrise 2011. Voraussetzung für das bessere Abschneiden des Aktienportfolios ist die lange Haltedauer, die eine Umwandlung der anfänglichen Wertverluste in satte Gewinne ermöglicht. Letztlich müssen Sie selbst entscheiden, ob die Aussicht auf eine höhere Rendite das höhere Schwankungsrisiko eines entsprechenden Portfolios aufwiegt. 

Wir haben eine Simulation der jährlichen Wertentwicklung von 2000 bis 2019 für verschiedene Risikoanteile von 0 bis 100 Prozent (in Abstufungen von jeweils 10 Prozentpunkten) vorgenommen und die Ergebnisse in einer Tabelle für Sie zusammengefasst:

 

Simulation der jährlichen Wertentwicklung von 2000 bis 2019 für verschiedene Risikoanteile von 0 bis 100%

Risikoanteil   0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%
annualisierte Rendite   4,1% 4,3% 4,5% 4,6% 4,8% 4,8% 4,9% 4,9% 4,8% 4,7% 4,5%
Maximum Drawdown   -4,3% -3,0% -3,9% -9,0% -15,3% -21,3% -28,4% -35,1% -41,3% -47,1% -53,7%
bestes Jahr   10,1% 8,1% 9,1% 10,3% 13,3% 16,3% 19,4% 22,4% 25,5% 28,5% 31,5%
schlechtestes Jahr   -1,0% 0,1% 0,3% -3,5% -8,1% -12,6% -17,2% -21,7% -26,3% -30,8% -35,4%
Quelle: justETF Research; Stand: 31.01.2020
 
Unser Tipp: Diese Simulation finden Sie auch in unserem Strategie Planer.
Es zeigt sich, dass die annualisierte Rendite für den betrachteten Zeitraum für ein gemischtes Portfolio am größten ausfiel, wobei ein Risikoanteil zwischen 60 und 70 Prozent am einträglichsten war. Bei einem solchen Portfolio begrenzt die Anleihenkomponente die Verluste in Krisenzeiten (wie zu Beginn des Betrachtungszeitraums und während der Finanzkrise 2008), während die Aktienkomponente bei positiver Marktentwicklung für stattliche Erträge sorgt. Ein wesentlicher Punkt bei einem gemischten Portfolio ist das regelmäßige Rebalancing. Mehr dazu lesen Sie im nächsten Abschnitt.

Ein Risikomaß, welches den größten temporären Verlust misst, der innerhalb einer Zeitperiode (in unserem Fall also innerhalb eines Jahres) auftrat, wird als „Maximum Drawdown” bezeichnet. In Abhängigkeit vom gewählten Risikoanteil des Portfolios gab es hier große Unterschiede. Bei einem auf Staatsanleihen beschränkten Portfolio betrug der maximale Verlust lediglich 4,3 Prozent, bei einer Aktienbeimischung von 10 Prozent sogar nur 3 Prozent. Im Gegensatz dazu verlor ein reines Aktienportfolio zwischenzeitlich mehr als die Hälfte seines Wertes (-53,7%).

Die mit höherem Risikoanteil verbundenen größeren Schwankungen zeigen sich auch anhand der Wertentwicklung im besten beziehungsweise schlechtesten Jahr der jeweiligen Portfolios. Bei einem Risikoanteil von 10 oder 20 Prozent gab es im betrachteten Zeitraum kein einziges Jahr, in dem das entsprechende Portfolio Verluste aufwies (schlechtestes Jahr mit Wertzuwachs von 0,1 bzw. 0,3%). Allerdings lagen die Erträge bei diesen Portfolios auch im jeweils besten Jahr lediglich 8,1 beziehungsweise 9,1 Prozent. Wenig überraschend: Ein höherer Risikoanteil war mit stärkeren Kursausschlägen verbunden, was sich auch in den Werten für das beste und schlechteste Jahr widerspiegelt. Bei einem reinen Aktienportfolio kam es in beiden Fällen zu einer Wertveränderung von über 30 Prozent. Konkret ergaben sich ein Zuwachs von 31,5 Prozent im besten Jahr und ein Verlust von -35,4 Prozent im schlechtesten Jahr.

 

Einfluss von jährlichem Rebalancing auf Wertentwicklung

Auf den ersten Blick erstaunlich: Die annualisierte Rendite war bei einem Risikoanteil von 60 oder 70 Prozent und nicht etwa bei einem reinen Aktienportfolio am höchsten. Hier spielt das Rebalancing eine entscheidende Rolle. Ohne jährliches Rebalancing führt die schlechte Performance der risikoreichen Komponente in den ersten Jahren dazu, dass diese ein deutlich geringeres Gewicht aufweist als zu Beginn festgelegt. Dadurch profitiert das Portfolio weniger von den folgenden renditestarken Jahren als im Fall eines jährlichen Rebalancings.

Um diese Erkenntnis zu verdeutlichen, haben wir eine historische Simulation komplett ohne Rebalancing durchgeführt und mit Ergebnissen aus der oberen Tabelle verglichen.

 

Annualisierte Rendite von 2000 bis 2019 mit und ohne Rebalancing

Risikoanteil   0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%
mit Rebalancing   4,1% 4,3% 4,5% 4,6% 4,8% 4,8% 4,9% 4,9% 4,8% 4,7% 4,5%
ohne Rebalancing   4,1% 4,1% 4,2% 4,2% 4,3% 4,3% 4,4% 4,4% 4,5% 4,5% 4,5%
Differenz   0,0% 0,2% 0,3% 0,4% 0,5% 0,5% 0,5% 0,5% 0,4% 0,2% 0,0%
Quelle: justETF Research; Stand: 31.01.2020

Das jährliche Rebalancing hat bei allen gemischten Portfolios zu einer höheren Rendite geführt. Hierbei ist zu jedoch beachten, dass wir bei unserer Simulation die Kosten des Rebalancings vernachlässigt haben. Der tatsächliche Renditezuwachs durch jährliches Rebalancing wäre in der Praxis also etwas geringer gewesen. Bei einem reinen Aktien- oder Anleihenportfolio erübrigt sich das Rebalancing.

Zu den stärksten Renditeabweichungen zwischen einem Ansatz mit und ohne Rebalancing kam es bei einem Risikoanteil zwischen 40 und 70 Prozent. Passenderweise war für diese Portfolios auch die zwischenzeitliche, maximale Abweichung von der ursprünglichen Anlagestruktur am größten – sowohl mit als auch ohne Rebalancing. So wich die tatsächliche Gewichtung bei einem Risikoanteil von anfangs 60 Prozent bis zu 12,4 Prozentpunkte von diesem Zielwert ab (tatsächlicher Risikoanteil: 47,6%), wenn ein jährliches Rebalancing vorgenommen wurde. Ohne Rebalancing wäre es zwischenzeitlich sogar zu einer Abweichung um 28,1 Prozentpunkte und einem tatsächlichen Risikoanteil von 31,9 Prozent gekommen, was einer komplett anderen Asset Allocation als der zu Beginn gewählten entspricht.
 
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So bestimmen Sie den für Sie passenden Risikoanteil

Die oben aufgeführten Simulationsergebnisse können Ihnen als Anhaltspunkt dienen, welche Risiken und Renditechancen mit einer bestimmten Portfoliogewichtung verbunden sind und welcher Risikoanteil am besten zu Ihnen und Ihrer persönlichen Risikotoleranz sowie Renditeerwartung passt. Sind Sie bereit, für die Aussicht auf eine größere Rendite ein erhöhtes Kursrisiko einzugehen und auch Krisenzeiten auszusitzen? Lassen Ihr Anlagehorizont und Ihre finanzielle Situation eine solche Strategie überhaupt zu? Oder passt eine schwankungsarme Anlage mit eher geringen, aber relativ konstanten Erträgen besser zu Ihnen? Diese Fragen sollten Sie sich im Vorfeld stellen.

Eines zeigen die Tabellen auf jeden Fall: Die Aussicht auf eine höhere Rendite geht in aller Regel mit größeren Schwankungsrisiken einher, wobei durch Assetklassen-Diversifikation und Rebalancing sowohl das Kursrisiko verringert als auch die Renditeerwartung gesteigert werden können.

Eine Aussage über die zukünftige Rendite lässt sich jedoch nicht treffen. Insbesondere die Anleihenrenditen der letzten Jahre werden sich schwer in der Zukunft wiederholen lassen.
 
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