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Die Core Satellite-Strategie mit ETFs

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Bei der Core Satellite-Strategie ergänzen Sie ein stabiles Buy and Hold-Portfolio um mehrere Einzelinvestments, sogenannte „Satellites”. Hintergrund der Strategie: Nicht alle Märkte sind effizient. Wie Sie die Chancen in Nischenmärkten für sich ausnutzen.

Die Core Satellite-Strategie mit ETFs Die US-amerikanischen Wissenschaftler Fischer Black und Jack Treynor entwickelten die Idee eines Core Satellite-Portfolios in den 1970-er Jahren. Die beiden Ökonomen griffen dabei die damals noch recht neue „Markteffizienzhypothese” von Eugene Fama auf und arbeiteten sie weiter aus. Der Markteffizienzhypothese zufolge kann in hoch liquiden Märkten keine Überrendite mehr erwirtschaftet werden, da alle im Markt erzielten Preise sämtliche Informationen beinhalten, die in diesem Markt zur Verfügung stehen. Aktives Management und Markt-Timing seien damit zum Scheitern verurteilt – der Markttrend werde vom Zufall bestimmt („Random Walk”).

Die beiden Ökonomen fanden aber etliche Aktien, mit denen sich durchaus Überrenditen erwirtschaften ließen. So schlugen sie vor, den breiten Markt über einen Indexfonds abzudecken und Markt-Timing und Analyse auf Einzelaktien in Nischenmärkten anzuwenden. ETFs waren zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht auf dem Markt und die Idee verschwand wieder in den Schubladen.

Erst als ETFs aufkamen, fand Core Satellite Anwendung. Heute ist sie in dieser Produktkategorie eine beliebte Anlagestrategie, denn die Auswahl an Nischen-ETFs ist groß. Während die Schöpfer nur daran dachten, das Konzept auf Aktienportfolios anzuwenden, wurde das Modell für ETFs schnell auf alle verfügbaren Assetklassen ausgedehnt.

Obwohl sich Core Satellite als einfaches und praktisches Portfolio-Konzept herausstellte, vernachlässigt die Wissenschaft es bis heute. Wegweisende wissenschaftliche Arbeiten zu Core Satellite sind selten. Aber wie sieht Core Satellite nun in unserer modernen ETF-Welt aus?

 

Struktur eines modernen Core Satellite-Portfolios

ETF-Anleger können die Core Satellite-Strategie als Erweiterung des klassischen Buy and Hold-Ansatzes betreiben. Dabei wird der Anteil des Cores (deutsch: Kern) hoch gewichtet und regelmäßig angepasst. Der Core sollte aus einer Komponente mit einem langfristig abschätzbaren Risiko-Profil bestehen. Er könnte beispielsweise aus einem Weltportfolio bestehen, das aus weltweiten Aktien in entwickelte Märkte und Anleihen in lokaler Währung längerer Laufzeit zusammengesetzt ist.
 
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Oft eingesetzt wird ein Verhältnis von 80 Prozent Core und 20 Prozent Satellites. Fischer Black und Jack Treynor haben ihrerzeit empfohlen, dass jene Satellites mit dem höchsten Rendite-Potenzial die höchste Gewichtung im Satellites-Portfolio bekommen. Bei dieser Aufteilung ist aber Vorsicht geboten, schließlich basiert diese Einschätzung lediglich auf Daten aus der Vergangenheit. Sie können die Satellites auch gleich gewichten: Die 20 Prozent teilen sich dabei auf mehrere Satellites auf, sodass eine Komponente oft nur ein Gewicht von 5 Prozent im Portfolio ausmacht.
 
Das Core-Satellite-Konzept

 

Attraktive Satellites ermitteln

Die Satellites versprechen dagegen vergleichsweise hohe Renditen und werden maximal mittelfristig im Portfolio gehalten. Daher kommen folgende ETFs als Satellites in Frage:
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Idealerweise stehen Satellites weitgehend unkorreliert zum Core. Das könnte beispielsweise der Fall sein, wenn die Werte des Satellites gar nicht im Core vorkommen, etwa bei ausländischen Hochzinsanleihen oder Aktien aus Entwicklungsländern.

Weniger geeignet sind bei der Core Satellite-Strategie ETFs, die auf gehebelte Strategien (Leveraged-ETFs) oder Leerverkäufe (Short-ETFs) setzen. Diese ETFs können aufgrund ihrer Funktionsweise bei längerer Haltedauer hohe Verluste verursachen. Sie eignen sich ausschließlich während eines Trends, der nur wenige Tage dauert.

 

Eine Markteinschätzung ist erforderlich

Beim Einsatz von Satellites als Rendite-Bringer kommen Sie um diese zwei Markteinschätzungen nicht herum:
 
1.  Strategische Markteinschätzung
2.  Markt-Timing

Zunächst müssen Sie einen Trend identifizieren, der in kurzer bis mittlerer Frist Auswirkungen auf einen Teilmarkt hat, der mit einem ETF abgebildet werden kann. Dies kann ein politischer Regimewechsel in einzelnen Ländern sein, ein Wechsel in der Zentralbank-Politik, die Öffnung von Schwellenländern für fremdes Kapital oder politische Veränderungen im Welthandel. Längerfristige Trends wie das fortschreitende Altern der Bevölkerung gehören eher in den Core.

Die zweite Frage, die Sie klären sollten, ist noch viel schwieriger: Ist ein Markt niedrig genug bewertet und damit ein guter Zeitpunkt für den Einstieg gegeben? Der Zeitpunkt könnte längst vorbei sein, Marktteilnehmer haben ihre Erwartungen vielleicht schon eingepreist. Ein Beispiel: der Technologie-Sektor vor dem Platzen der Tech-Blase im Jahr 2000. Eine solche Entscheidung erfordert Wissen, Erfahrung und Gespür für das sogenannte Markt-Timing.

 

Core Satellite-Portfolio zu simulieren ist aufwändig

Um ein Core Satellite-Portfolio mit Vergangenheitsdaten testen zu können, ist deutlich mehr Aufwand nötig als bei einem Buy and Hold-Portfolio. Sie müssen Anlageentscheidungen für die Satellites in der Vergangenheit simulieren. Dies ist nur möglich und von Wert, wenn Ihre Entscheidungen einem systematischen Anlageprozess folgen.

Dies könnten systematische Regeln sein, die Sie beim Investment in Satellites-Märkte anwenden. Ein Beispiel: Angenommen, die Wertentwicklung eines bestimmten Länderindex weicht zwei Quartale hintereinander positiv von einem großen Benchmark-Index wie dem MSCI World ab. Wenn der Trend dann auch noch von der Entwicklung volkswirtschaftlicher Indikatoren gestützt wird, dann könnte dies ein Signal für einen Einstieg bedeuten. Damit verbunden wäre also das Investment in einen Länder-ETF als Satellite. Eine solche Regel ist nachvollziehbar und kann auch bei einer Rückrechnung des Portfolios verwendet werden. Die umgekehrte Entwicklung könnte aber ebenso ein Grund für den Verkauf des Satellite-ETF sein. Möglich wäre auch die Risikobewertung eines Markts – abgeleitet aus Vergangenheitsdaten. Es gibt viele Möglichkeiten, deren Nutzung vom Zugang zu Marktdaten und der eigenen Expertise abhängt.

Und selbst mit einem Anlageprozess verführt eine solche Rückrechnung zur Optimierung an der falschen Stelle, da Vergangenheitsdaten nur über sehr lange Zeiträume ausreichende Erfahrungswerte vermitteln.

 

Risiken nicht aus dem Auge verlieren    

Der Erfahrung nach sind die meisten Prognosen fehlerhaft. Dagegen hilft eine gesunde Diversifikation bei den Satellites. Die Satellites sollten verschiedenen Assetklassen entstammen, dann bilden sie zusammen eine diversifizierte Einheit und Sie vermeiden Klumpenrisiken. Achten Sie regelmäßig auf die Zusammensetzung der Satellites, da diese deutlich stärker im Wert schwanken als die ETFs der Core-Komponente.

Achten Sie auch darauf, dass die Satellite-Komponente den bewusst gewählten Anteil des Portfolios von beispielsweise 20 Prozent beibehält und schichten Sie notfalls Gelder zwischen Core und Satellite um.

Als stabilisierende Komponente dient dem Portfolio das Core-Investment, das bei einer langen Haltedauer ein moderates Risikoprofil aufweisen sollte. Risiken aus dem Core können beispielsweise durch einen möglichst geringen Fremdwährungsanteil verringert werden.

 

Kosten können den Renditegewinn schnell aufzehren

Um die Kosten zu minimieren, sollten Sie die Zahl der ETFs so gering wie möglich halten. Für die Umsetzung eines Core Satellite-Portfolios genügen schon fünf ETFs: zwei ETFs für einen Core aus Aktien und Anleihen, drei Satellites auf exotischere Märkte.

Zudem sollten Sie die Umschlagshäufigkeit bei den Satellites eher gering gestalten, da die Liquidität in Nischenmärkten immer geringer ausfällt als in den weitgehend effizienten Hauptmärkten.

 

Core Satellite eignet sich für große Vermögen

Die Umsetzung eines Core Satellite-Portfolio-Ansatzes mit ETFs ist so einfach wie logisch. Die Auswahl an möglichen ETFs für den Core ist groß. Der Schlüssel zum Erfolg liegt jedoch in der Auswahl und Zusammenstellung der Satellites. Dabei ist der Aufwand für Auswahl und Simulation nicht zu vernachlässigen. Entscheiden Sie nicht aus dem Bauch heraus, sondern selektieren Sie systematisch die Nischenmarkt-ETFs. Aus Vergangenheitsdaten lässt sich nur begrenzt auf zukünftige Marktentwicklungen schließen – häufig ist ein zyklisches Verhalten die Folge. Daher ist für die Realisierung eine gute Portion Kapitalmarkt-Erfahrung erforderlich. Sie lohnt sich in einer systematischen Weise meist nur für größere Vermögen.

 

Die Vorteile und Nachteile von Core Satellite im Überblick

Kriterien Bewertung Begründung
einmaliger Aufwand hoch Auswahl Core und Satellites, Bestimmung Anteile
laufender Aufwand mittel Rebalancing Core und Auswahl Satellites
Umschlagshäufigkeit mittel taktischer Einsatz Satellites
Marktmeinung/Research erforderlich für Satellites kurz- bis mittelfristig erforderlich
Haltedauer mittel zielt auf Anlageerfolg in mittlerer Frist
Anpassung an Risikoprofil einfach anpassbar, Klumpenrisiken beachten
Backtesting aufwändig schwierig, verführt zu Optimierung
Eignung für Sparpläne gering schlecht umsetzbar wg. Handelshäufigkeit