Was ist ein Smart Beta ETF?

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Seit geraumer Zeit sind Smart Beta ETFs in aller Munde. Diese Art von ETFs versucht das Beste aus der passiven und der aktiven Investment-Welt zu vereinen. Das klingt fast zu gut um wahr zu sein. Geht das überhaupt? Was Sie auf jeden Fall über Smart Beta ETFs wissen sollten.

Was ist ein Smart Beta ETF? Das Ziel eines Smart Beta ETFs ist es, den Markt zu schlagen oder ihn mit weniger Risiko nachzubilden. Das ist genau das, was ein aktives Investmentprodukt auch versucht. Smart Beta ETFs jedoch verfolgen wie alle ETFs einen Index, den sie nachbilden. Damit bieten sie auch die Vorteile vom passiven Investieren wie Einfachheit, Transparenz und geringe Kosten.

 

Das Beste aus beiden Welten. Wie funktioniert das?

Smart Beta ETFs versuchen Marktanomalien zu nutzen, die dafür bekannt sind langfristig den Markt zu schlagen. Eine solche Anomalie wären beispielsweise unterbewertete Unternehmen, hochprofitable Unternehmen, kleine Unternehmen und Unternehmen, deren Aktienkurse in den letzten 12 Monaten gestiegen sind, die sich meist besser als der Gesamtmarkt entwickeln.
 
Bei Smart Beta wird ein vom Marktindex abgewandelter Index geschaffen, der regelbasiert nur die Unternehmen auswählt, die bestimmten Kriterien entsprechen. Diese Kriterien werden auch „Faktoren“ genannt.
 
Um diesen Ansatz besser zu verstehen, werfen wir doch einmal einen Blick auf einen klassischen ETF, der einen bekannten Marktindex, wie zum Beispiel den Dax oder den S&P 500, verfolgt. Das sind in der Regel nach Marktkapitalisierung gewichtete Indizes.
 
Das bedeutet, alle Aktien in einem solchen Index werden in direktem Verhältnis zu ihrem Marktwert gewichtet. In anderen Worten, wenn Apple 5 Prozent des Marktwertes aller Unternehmen im Index wert ist, dann wird Apple mit 5 Prozent im Index gewichtet. Ein ETF, der diesen Index nachbildet wird dann in der Regel ebenfalls exakt 5 Prozent seines Vermögens in Apple-Aktien investieren.
 
Das ist ein relativ einfacher Ansatz bei dem der Index die Anlageentscheidungen (also welche Aktien mit welcher Gewichtung gekauft werden sollen) abnimmt, die sonst ein Fondsmanager treffen würde. Aus diesem Grund haben ETFs extrem niedrige Gebühren, da der Aufwand für das Fondsmanagement eben auch um ein Vielfaches geringer ist.
 
Ein Smart Beta Index hingegen versucht mit Hilfe einer Formel eine andere Titelgewichtung als im Marktindex oder eine andere Auswahl an Wertpapieren (Titelselektion) vorzunehmen. Ein Smart Beta ETF auf unterbewertete Aktien würde die günstig erscheinenden Aktien aus dem Marktindex übergewichten und die teuer erscheinenden Aktien untergewichten oder sogar ganz aussortieren.
 
Dadurch ist es möglich, dass Apple mit nur 1 Prozent in unserem fiktiven Smart Beta Index gewichtet oder überhaupt nicht vertreten ist. Apple kann aber auch mit 10 Prozent viel stärker gewichtet sein, wenn Apple nach der Formel als unterbewertet im Vergleich zum restlichen Markt gelten würde. Durch die Verwendung einer Formel für die Indexgewichtung, die günstige Unternehmen übergewichtet, versucht der Smart Beta ETF den Markt (also den Marktindex) zu schlagen, indem er mehr Anteile von Unternehmen hält, die sich historisch besser entwickelt haben.
 
Dies bedeutet aber auch, dass manche Smart Beta Indexkonzepte sehr komplex werden können. Außerdem sind ETFs auf Smart Beta Indizes unter Umständen teurer und fordern einen stärkeren Handelsumfang in den Basiswerten des Index als ein ETF auf den „normalen“ Marktindex. Dennoch sind sie immer noch wesentlich günstiger im Vergleich zu aktiven Investmentfonds.
 
 

Warum soll Smart Beta funktionieren?

Führende Wissenschaftler und Finanzanalysten sind der Auffassung, dass Smart-Beta-Ansätze erfolgreich sein können. In aufwendigen Datenanalysen haben sie entschlüsselt, welche Aktien langfristig die größte Rendite erwirtschaftet haben.
 
Aktien, die Anlegern generell als zu riskant oder gar unsympathisch galten, haben sich langfristig deutlich besser entwickelt als bei Investoren beliebtere Papiere.
 
Wissenschaftler haben zahlreiche Formeln entwickelt, diese Aktien herauszufiltern. Sie sind heute als Investment-Style oder Faktoren bekannt. Genau diese Faktoren und Formeln sind es, die Smart Beta ETFs ausmachen.
 
Von den vielen verschiedenen Faktoren die es gibt, sind die folgenden fünf die erfolgreichsten und zuverlässigsten. Im Folgenden erklären wir, warum Unternehmen mit einem dieser Faktoren mehr Rendite im Vergleich zum Markt erwirtschaften könnten.
 
Value – Value-Unternehmen sind träge, unspektakuläre Firmen, die oft mit hohen Schulden, schwankenden Dividenden und einem hohen Ertragsrisiko beschrieben werden können. Deren Marktposition sieht schwach aus und sie sind in einer Rezession verhältnismäßig stark betroffen. Anleger sind dafür bekannt, diese Aktien im Vergleich zu attraktiven, wachstumsstarken Unternehmen wie Tech-Gründungen zu unterschätzen. Das erklärt im Wesentlichen warum ein relativ gesehen günstigeres Value-Unternehmen in der Lage sein kann eine bessere Rendite zu erzielen.
 
Small Cap – Das sind kleinere Unternehmen, die im Vergleich zu großen gestandenen Unternehmen (im Fachjargon auch Large Caps oder Blue Chips genannt) als riskant gelten, da sie anfälliger für unvorhergesehene Ereignisse sind. Hierfür verlangen Anleger eine Risikoprämie. So kann schlechtes Management, der Verlust von Personal in Schlüsselpositionen, regulatorische Veränderungen oder eine aggressive Marktpolitik von großen Wettbewerbern die Aussichten für ein kleines Unternehmen schnell ruinieren.
 
Qualität – Unternehmen, die ihr Kapital effizient nutzen, entwickeln sich über die Zeit im Allgemeinen besser als ihre Konkurrenten. Zum Beispiel ist es wahrscheinlicher, dass ein Unternehmen mit hohen Investitionen im Forschungs- und Entwicklungsbereich innovative Produkte auf den Markt bringt und damit in den kommenden Jahren höhere Gewinne erzielt. Allerdings, unterschätzen Anleger Qualitäts-Firmen häufig, da die hohen Ausgaben diese Unternehmen heute schlechter dastehen lassen als ihre Konkurrenten mit einer Kostensenkungsstrategie.
 
Momentum – Aktien, deren Kursen steigen, tendieren dazu, das für einen begrenzten Zeitraum (12 Monate oder weniger) weiter zu tun, während sich Aktien mit fallenden Kursen voraussichtlich weiter nach unten bewegen. Einige Anleger neigen dazu den Ausstieg nicht rechtzeitig zu schaffen und auf Nachrichten über- oder gar nicht zu reagieren. Beispielsweise können die Aktienkurse eines Lieblingsunternehmen fast grundlos auf neue Höchstkurse schießen.
 
Niedrige Volatilität – Hier wird versucht, Aktien mit einer geringen Kursschwankung (also Volatilität, im Fachjargon wird dieser Faktor auch „Low Volatility“ oder „Minimum Volatility“ genannt), die historisch marktähnliche Renditen, aber mit einem deutlich geringeren Risiko geliefert haben, herauszufiltern. In der Kategorie „Low Volatility“ findet man in aller Regel große, nicht-zyklische Unternehmen, die in Rezessionen robust sind - zum Beispiel Versorgungsunternehmen. Diese werden auch in Krisenzeiten gebraucht. Die Gewinne dieser Unternehmen sind auch in schwierigen Zeiten recht stabil. Allerdings, ist auch nicht zu erwarten, dass die Gewinne dieser Unternehmen in Boomphasen stark ansteigen. 
 
Obwohl sich alle fünf der oben genannten Faktoren historisch wesentlich besser entwickelt haben als der Markt, gibt es keine Garantie, dass sie dies auch in Zukunft tun werden. Faktoren können „aus der Mode kommen“ und dem Markt einige Jahre hinterherlaufen. Durch das Eingehen bestimmter Risiken, erwarten Anleger die Rendite zu steigern, wenn die Konjunktur und Marktstimmung sich positiv auf bestimmte Smart Beta Faktoren auswirkt.

In der Vergangenheit haben sich die Faktoren „Value“, „Momentum“ und „Small Cap“ eher prozyklisch entwickelt. Sie entwickelten sich besonders gut, wenn die Wirtschaft wuchs und Inflation und Zinsen stiegen. „Quality“ und „Low Volatility“ hingegen zeigten sich eher defensiv und lieferten gerade in schlechteren Marktphasen eine bessere Performance im Vergleich zum Marktindex.
 
Daher, müssen Sie auch darauf vorbereitet sein, dass das Smart Beta Versprechen den Markt zu schlagen, eventuell in der nächsten Marktphase nicht eintrifft oder sich erst nach Jahren der Underperformance auszahlt.
 
Allerdings haben die oben vorgestellten Faktoren in der Vergangenheit gezeigt, dass sie in vielen Ländern, Anlageklassen und über Jahrzehnte funktioniert haben. Gerade das ist ein wesentlicher Grund dafür, warum Smart Beta so beliebt geworden ist.
 
Einige Faktoren haben untereinander geringe Korrelationen gezeigt. Die schlechte Entwicklung des einen Faktors kann durch die Outperformance des anderen ausgeglichen werden. Zum Beispiel ist bekannt, dass „Quality“, „Value“ und „Momentum“ eine geringe oder sogar negative Korrelation zueinander haben.
 

Smart Beta Faktoren im Vergleich

Faktor Historisches
Risiko
Historische
Korrelation
Historische
Wirtschaftszyklen
Value Vergleichbar mit üblichem Marktrisiko Gering mit Momentum und Quality Prozyklisch
Small Cap Höher als übliches Marktrisiko Gering mit Low Volatility und Quality Prozyklisch
Momentum Vergleichbar mit üblichem Marktrisiko Gering mit Value und Quality Prozyklisch
Quality Niedriger als übliches Marktrisiko Gering mit Value, Small Cap und Momentum Defensiv
Low Volatility Niedriger als übliches Marktrisiko Gering mit Value und Momentum Defensiv

Quelle: MSCI.com Research Paper; Grundlagen von Faktor-Investment

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