Mit nachhaltigen ETFs in die Zukunft investieren

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Eine nachhaltige Geldanlage, die sowohl für die Umwelt und die Gesellschaft als auch für den persönlichen Wohlstand Gutes tut – gibt’s das? Anlegende, die ihr Geld in nachhaltige ETFs investieren, sind davon überzeugt.

Mit nachhaltigen ETFs in die Zukunft investieren Nachhaltige Geldanlagen werden zunehmend wichtiger. Privatpersonen und institutionelle Anleger wie Rentenfonds, Stiftungen oder Kirchen entscheiden sich immer häufiger für nachhaltige ETFs.

Sie alle haben dafür unterschiedliche Gründe: ethische Überzeugungen, den Wunsch, keinen ökologischen Schaden anzurichten, oder schlicht das Risikomanagement. Letzteres ist vor allem wirksam, da nachhaltige Unternehmen weniger Gefahr laufen, in einen Geschäfts- oder Umweltskandal verwickelt zu werden, worunter wiederum die Rendite leiden könnte.
 

In nachhaltige ETFs investieren (engl. „Socially Responsible Investing”, kurz SRI)

Nachhaltige Indizes beinhalten Firmen, die sich in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (engl. Environmental, Social and Governance; ESG) als besonders verantwortungsvoll erweisen – mit unterschiedlichen Ausprägungen: von Firmen, die grüne Technologien produzieren, oder solchen, die versuchen, ihren sprichwörtlichen „Carbon-Footprint” aktiv zu reduzieren, bis hin zu Unternehmen, die sich an ethische und nachhaltige Geschäftspraktiken halten (engl. Corporate Social Responsibility). Die meisten Nachhaltigkeits-Indizes schließen außerdem sogenannte „Sündenaktien” aus. Das sind unter anderem Aktien von Unternehmen, die in die Produktion oder den Vertrieb von Alkohol, Tabak, Waffen, Glücksspiel, Pornografie, fossilen Brennstoffen oder Produkten der Nuklearindustrie verwickelt sind. Zusätzlich schließen fast alle nachhaltigen Indizes sogenannte „kontroverse Titel” aus, die beispielsweise die international geächteten Streubomben produzieren.
  Auch wenn nachhaltige ETFs einen schnell wachsenden Sektor darstellen: die Idee, die Gesellschaft durch Investitionen zum Positiven hin zu beeinflussen, ist nicht neu.
 

Nachhaltige Geldanlage früher und heute

Den Gedanken, ethische Vorstellungen bei der Geldanlage und beim Investment zu berücksichtigen, gab es schon vor mehr als 200 Jahren. Dabei gilt die Religionsgemeinschaft der Quäker in den USA als einer der Vorreiter: Die religiöse Gruppe verbot ihren Mitgliedern im späten 18. Jahrhundert die finanzielle Beteiligung am Sklavenhandel. Auch andere religiöse Gemeinschaften haben im Verlauf der Geschichte ihren Einfluss dazu genutzt, ihre Anhänger:innen von unethischen Geschäften und Investments abzubringen.

Die gesellschaftliche Revolution und die verstärkte Beachtung der UN-Menschenrechte haben die Entwicklung in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts beschleunigt. Erste Aktienindizes mit ethischen Vorgaben wurden in den 1990er Jahren konstruiert. Einen weiteren Schub erhielten nachhaltige Investmentpraktiken mit den Principles for Responsible Investment und der zugehörigen gemeinnützigen Organisation UNPRI. Der UN-Initiative vom damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan im Jahr 2007 gehören heute zahlreiche institutionelle Investoren und Fondsgesellschaften an.

Seitens der EU wird ebenfalls das Ziel verfolgt, Investments verstärkt in klimafreundliche Unternehmen zu leiten. Seit März 2021 gibt es grundlegende EU-Standards für nachhaltige Anlageprodukte und Fondsanbieter. Bis 2022 soll die Regelung im Detail ausgearbeitet und umgesetzt sein. Auch große institutionelle Anleger wie Pensionsfonds und Versicherer müssen sich nach Maßgabe der EU noch stärker um die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz bemühen. Das alles sorgt für mehr Volumen in den ETFs und viele neue Produkte auf dem Markt.

Der Nachhaltigkeits-Sektor wächst daher stetig. Immer mehr ETFs und Fonds entstehen, die eine nachhaltige Geldanlage möglich machen, darunter mehr und mehr nachhaltige ETFs mit einer breiten Marktstreuung. Dabei legen besonders europäische Investor:innen Wert auf nachhaltige ETFs: Rund 60 Prozent aller investierten Mittel in nachhaltigen ETFs stammen aus Europa. 

Allein im ersten Quartal 2021 flossen 43,8 Milliarden Euro in nachhaltige ETFs. Die investierten Mittel stiegen damit europaweit auf über 100 Milliarden Euro in mehr als 300 Aktien- und Anleihen-ETFs.

Dahinter steht auch die Erwartung vieler Marktteilnehmer, dass ESG-Unternehmen sich am besten den Herausforderungen der Zukunft stellen können. Das kann beispielsweise bedeuten, dass große Pensions- und Staatsfonds ihr Engagement in fossile Brennstoffe verringern. Solche institutionellen Investoren betrachten nachhaltige Investments auch als Risikovorsorge für das eigene Portfolio. Denn schon oft sind die Kurse nicht nachhaltig geführter Unternehmen wegen Umweltskandalen oder anderer öffentlich gewordener Verfehlungen massiv abgestürzt. Damit verloren die Investoren auch das Vertrauen in diese Firmen.
 
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Performance von Nachhaltigkeits-Indizes (SRI)

Doch sind nachhaltige Geldanlagen zu schön, um wahr zu sein? Oder müssen Anlegende zwischen Gewinnen und sozialer Verantwortung abwägen? Einige Studien haben sich mit dieser Frage auseinandergesetzt und sind zu der Schlussfolgerung gelangt, dass nachhaltige Fonds größtenteils mit der Performance ihrer konventionellen Pendants Schritt halten, diese zeitweise sogar übertreffen können.

Wie können nachhaltige Indizes ihre konventionellen Pendants übertreffen? Unternehmen mit Corporate Social Responsibility, also solche, die auf Nachhaltigkeit achten, operieren häufig effizienter. Dies führt wiederum zu besseren Cashflows, niedrigeren Kapitalkosten, schließlich zu besserer Performance. Solche Unternehmen sind ebenfalls besser positioniert, um die Vorteile von nachhaltigen Geschäftspraktiken auszunutzen.
 

MSCI World SRI vs. MSCI World

MSCI World SRI vs. MSCI World
  Xtrackers MSCI World UCITS ETF 1C      iShares MSCI World SRI UCITS ETF EUR (Acc)   
Quelle: justETF Research; Stand: 09.05.2021

Im Beispiel oben übertraf der ETF auf den MSCI World SRI den konventionellen MSCI World-ETF in den vergangenen drei Jahren deutlich. Es zeigt sich also, dass SRI-Indizes Ihrem Gewissen genauso gut tun können wie Ihrem ETF-Portfolio.
  
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Wie funktionieren Nachhaltigkeits-Indizes?

Nachhaltigkeits-Indizes unterscheiden sich teilweise stark voneinander, daher ist es wichtig, einen ETF auszuwählen, der Ihren Wünschen entspricht.

Häufig beginnt ein Nachhaltigkeits-Index als Klon eines bestehenden und bekannten Mutter-Index, wie zum Beispiel dem MSCI World-Index. Firmen, die die Regeln des Nachhaltigkeits-Index verletzen, werden aussortiert. Der MSCI World SRI-Index beispielsweise entfernt Unternehmen, die in folgende Geschäftsfelder verwickelt sind:
  • Alkohol
  • Glücksspiel
  • Tabak
  • Rüstung
  • zivile Feuerwaffen
  • Pornografie
  • genetisch modifizierte Organismen
  • Atomenergie
  • Kraftwerkskohle
Viele Unternehmen sind Konglomerate. Sie werden also herausgefiltert, sobald sie eine kritische Menge ihres Umsatzes in den besagten Gebieten verdienen, oder wenn sie als wichtige Produzenten, Zulieferer oder Vertreiber solcher Produkte tätig sind.

Manche Indizes werden dann jene Unternehmen höher gewichten, die unter Nachhaltigkeits-Aspekten besonders herausragend sind. Darunter fallen Umweltschutz, Menschenrechte und zufriedene Angestellte. Einige Indizes berücksichtigen auch schlechter bewertete Unternehmen, wenn sich deren Nachhaltigkeits-Einstufung in der jüngeren Vergangenheit verbessert hat.

Dieser Screening-Prozess führt dazu, dass Nachhaltigkeits-Indizes konzentrierter sind als ihr jeweiliger „unmoralischer” Mutter-Index. Der MSCI World enthält 1.586 Titel, während der MSCI World SRI 363 Titel umfasst (Stand: 31.03.2021).

Manche Indizes gleichen das wieder aus, indem sie die Risiko-Rendite-Charakteristiken und regionale Fokussierung des Mutter-Index beibehalten.

Wie Sie wahrscheinlich schon vermutet haben: Der Indexanbieter MSCI ist Pionier und Marktführer in Sachen nachhaltige Geldanlage. Aber auch andere Anbieter haben nachhaltige Indizes im Angebot:
 

Moralischer Fokus der Nachhaltigkeits-Indizes

Indexfamilie UN Global Compact Kontroversen Kontroverse Waffen Konventionelle Waffen Atomenergie Unkonventionelle Öl- & Gasförderung Kraftwerkskohle Alkohol Tabak Glücksspiel Pornografie Gentechn. veränderte Organismen
Dow Jones Sustainability ex alcohol, Tobacco, Gambling, and others                      
DAX ESG                      
FTSE ESG Low Carbon Select                      
FTSE Global Choice                      
MSCI Climate Change ESG Select                      
MSCI ESG Enhanced Focus                      
MSCI ESG Leaders                      
MSCI ESG Screened                      
MSCI ESG Universal         * *          
MSCI ex Controversial Weapons                      
MSCI Select ESG Rating and Trend Leaders                      
MSCI SRI         *            
S&P ESG                      
Solactive Core                      
STOXX ESG-X                      
  Ausgeschlossen     Enthalten   
Quelle: justETF Research; Stand: 30.04.2021 
*weiterer Ausschluss in Subindex 
 

Nachhaltige ETFs auswählen

Immer mehr Anlegende entscheiden sich dafür, nachhaltig zu investieren, indem sie entsprechende ETFs in ihr Portfolio aufnehmen. Sie können verantwortungsbewusst in einen globalen nachhaltigen ETF oder in einen Regionen-übergreifenden ETF investieren, alternativ in einzelne Länder oder einzelne, nachhaltige Sektoren oder Investmentthemen.

Die üblichen Kriterien für die ETF-Auswahl sollten Sie auch bei nachhaltigen ETFs nicht außer Acht lassen. Eine wertvolle Hilfestellung bei der Auswahl von nachhaltigen Aktien-ETFs bieten Ihnen unsere Anlageleitfäden zu nachhaltigen Welt-ETFs und zu nachhaltigen ETFs für Europa. Außerdem haben Sie in unserer ETF Suche die Möglichkeit, sich ausschließlich nachhaltige ETFs anzeigen zu lassen, bei Bedarf auch mit einem zusätzlichen Filter für sparplanfähige, nachhaltige ETFs.
  
Unser Tipp: Sie interessieren sich für Themeninvestments wie ETFs auf Wasser, Elektromobilität oder erneuerbare Energien? Dann nutzen Sie unsere Anlageleitfäden.

Nachhaltige Anleihen-ETFs

Neben den mittlerweile etablierten nachhaltigen Aktien-ETFs kommen immer mehr grüne Anleihen-ETFs auf den Markt. Wie bei den Aktien-ETFs werden auch hier die hinter dem Finanzinstrument stehenden Unternehmen und teilweise Staaten anhand von Nachhaltigkeitskriterien überprüft, selektiert oder ausgeschlossen. 

Die Methodik gleicht dabei der Bewertung der Aktienemittenten. Der für Aktienindizes bekannte Marktführer MSCI kooperiert hierbei mit dem ebenfalls sehr bekannten Anbieter von Anleihen-Indizes, Bloomberg Barclays. Solche ETFs finden Sie über die entsprechenden Filter in der justETF Suche. Wir verwenden ETFs mit einem Nachhaltigkeitsfilter bei Unternehmensanleihen beispielsweise in den justETF Nachhaltig Musterportfolios.

Zudem haben Sie mit unserem ETF Strategie Planer die Möglichkeit, nachhaltige Aktien- und Anleihen-ETFs selbst zu einem Portfolio zusammenzustellen.
 
Unser Tipp: Unsere Anlageleitfäden zu nachhaltigen Welt-ETFs und nachhaltigen ETFs für Europa stellen die Besonderheiten der nachhaltigen Indizes gegenüber und unterstützen Sie mit Ranglisten und aktuellen Sparplan-Angeboten zu nachhaltigen ETFs bei der Index- beziehungsweise ETF-Auswahl.
 
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