Was Sie über Branchen-ETFs und deren Klassifizierung wissen sollten

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Wie bei jedem ETF, ist es gerade auch bei Branchen-ETFs wichtig den Index zu verstehen, um genau zu wissen in was Sie eigentlich investieren.

Was Sie über Branchen-ETFs und deren Klassifizierung wissen sollten Es gibt viele Gründe Branchen-ETFs einem Portfolio beizumischen. Neben dem eher traditionellen Ansatz das Depot geographisch auszurichten, versuchen einige Anleger durch die Über- und Untergewichtung einzelner Branchen vom Konjunkturzyklus zu profitieren.
 
Was auch immer Ihre Gründe für die Wahl eines Branchen-ETFs sind, Sie sollten wissen, in was Sie investieren. Bei ETFs bedeutet das immer, genau zu verstehen wie der zugrundeliegende Index funktioniert. Also, wie werden die investierten Aktien ausgewählt, einer bestimmten Branche zugeordnet und anschließend im Index gewichtet. In diesem Artikel fokussieren wir uns auf die Aktienauswahl.
 
 

Zwei internationale Branchen-Klassifikationsschemata

Es gibt zwei Klassifikationsschemata für Branchen, die Sie kennen sollten: Das sind „GICS“ und „ICB“. Diese sind die Grundlage für die Branchenindizes der wichtigsten Anbieter:
 
  •  „Global Industry Classification Scheme“ (GICS): Dieses Klassifikationsschema basiert auf 51.000 Wertpapieren, welches diese in 10 Sektoren, 24 Industriegruppen, 67 Industrien und 156 Teilindustrien unterteilt.
  • „Industry Classification Benchmark“ (ICB): Dieses  Klassifikationsschema basiert auf 75.000 Wertpapieren, welches diese in 10 Industrien, 19 Supersektoren, 41 Sektoren und Teilsektoren 114 klassifiziert.

GICS vs. ICB Klassifizierung im Vergleich

GICS vs. ICB Klassifizierung im Vergleich
Quelle: MSCI; ICB Benchmark; Juni 2015
   
Die Indexanbieter STOXX Limited und FTSE verwenden das ICB-System als Grundlage für ihre Branchen-Indizes, während MSCI und S&P ihre Indizes auf GICS basieren.
 
 

So funktionieren die Branchen-Klassifikationsschemata

Beide Ansätze verfolgen die gleiche Logik. Die Hierarchie basiert auf breiten Branchengruppierungen, welche dann immer weiter unterteilt werden bis hin zu kleinen Nischenbereichen.
 
Das können Sie sich so ähnlich vorstellen wie in der Tierwelt. Hier wird auch nach Familie, Gattung und Art „klassifiziert“.
 
Beispielsweise werden Unternehmen (d.h. Aktien), die den Großteil ihrer Einnahmen aus der Luft- und Raumfahrt erwirtschaften vom ICB-Schema in der Kategorie „Verkehr“ eingeordnet ...
 
  • ... welche zum Luft- und Raumfahrtuntersektor gehört
  • ... welche wiederum Teil des Aerospace und Verteidigungssektor ist
  • ... welche zum Supersektor Industriegüter und -dienstleistungen zählt
  • ... welche sich innerhalb der Industriegruppe „Industrie“ befindet
Obwohl das GICS-System ähnlich zu ICB aufgebaut ist, ist bereits die Bezeichnung der Hierarchieebenen und auch einiger übergeordneter Kategorien unterschiedlich. Auch die Einordnung einiger Sektoren und Nischen ist teilweise anders. Das stiftet so manche Verwirrung bei Anlegern.
 
Ein Beispiel dafür ist die Bezeichnung des Top-Levels bei GICS als „Sektor“. Dies ist unter ICB die Bezeichnung der dritten Stufe. Betrachten Sie diese Bezeichnungen nur als Etiketten. Die „Industrie“-Ebene unter ICB ist funktionell gleich zur „Sektor“-Ebene bei GICS.
 
Auch das Wort „Sektor“ oder „Branche“ können Sie universell betrachten. Wir und auch andere Autoren verwendet diese Worte um auf alle Arten der verschiedenen Unternehmensgruppen zu verweisen und nicht explizit auf eine besondere Bedeutung in Bezug auf die GICS oder ICB-Klassifizierung. 
 

Top-Level-Branchen von GICS und ICB im Vergleich

GICS ICB Filter for ETFs
Energie Erdöl und Erdgas ETFs anzeigen
Roh-, Hilfs- & Betriebsstoffe Grundstoffe ETFs anzeigen
Gesundheitswesen Gesundheitswesen ETFs anzeigen
Industrie Industrieunternehmen ETFs anzeigen
Finanzwesen Finanzdienstleistungen ETFs anzeigen
IT Technologie ETFs anzeigen
Telekommunikationsdienste Telekommunikation ETFs anzeigen
Versorgungsbetriebe Versorger ETFs anzeigen
Basiskonsumgüter Verbrauchsgüter ETFs anzeigen
Nicht-Basiskonsumgüter Verbraucherservice ETFs anzeigen

Quelle: GICS Struktur, ICB Struktur und Definition
 
 

Kennen Sie die Unterschiede

Oberflächlich scheinen die beiden Klassifikationsschemata ziemlich ähnlich. Es gibt jedoch einige Unterschiede, wenn Sie sich die Eingruppierung bestimmter Branchen genauer ansehen.
 
Zum Beispiel sind im ICB-System Fluggesellschaften unter Reise und Freizeit im Verbraucherservice-Sektor eingruppiert. Im Gegensatz dazu sind Fluggesellschaften im GICS-System unter Transportwesen im Industrie-Sektor einsortiert.
 
Man kann nicht sagen, dass eine der beiden Kategorisierungen besser oder richtiger ist als die andere. Für Sie ist es wichtig zu wissen, dass es durchaus Unterschiede zwischen beiden Systemen gibt, auch wenn wir hier nicht im Detail alle Unterschiede darstellen können.
 
Vielmehr möchten wir hervorheben, warum sich vor dem Kauf eines Branchen-ETFs ein Blick auf die Funktionsweise des Index und zugrundliegenden Klassifikationsschemas lohnt, damit Sie auch am Ende wirklich in die Branche investieren, die Sie ausgewählt haben.
 
 

Branchen-ETFs in der Praxis

In der Praxis, ist es zwar wichtig die tiefere Branchenzuordnung zu kennen, jedoch sind nur die höheren Ebenen der GICS und ICB-Klassifizierung tatsächlich über ETFs investierbar.
 
In der Tabelle unten finden Sie eine Übersicht über alle Branchen für die ETFs aktuell verfügbar sind. Auch ist es wichtig zu wissen, dass sowohl regionale als auch globale Branchen-ETFs verfügbar sind.
  
So hat zum Beispiel db x-trackers Branchen-ETFs auf Basis des Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets und Industrieländerindex MSCI World aufgelegt. Weitere Details hierzu finden Sie in der Tabelle unten.
 
Daneben gibt es Branchen-ETFs, die den Zusatz „optimized“ (also optimiert) oder „capped“ (zu Deutsch „gedeckelt“) tragen. Hierzu zählen die optimierten Branchen-ETFs vom Anbieter Source auf den STOXX Europe 600 Index. Diese ETFs auf optimierte Indizes bieten ein zusätzliches Risikomanagement, indem der maximale Anteil eines Unternehmens im Index begrenzt wird. Darüber hinaus ist es auch möglich, dass Anleger diese Indizes aufgrund ihrer potenziell höheren Liquidität bevorzugen.
 
 

Finden Sie den richtigen Branchen-ETF

Ihre Suche nach Branchen-ETFs starten Sie am besten im Auswahlfilter „Aktien“ mit den unterschiedlichen Branchen. Nach der Wahl einer Branche können Sie Ihre Suche weiter nach Region oder Land eingrenzen.
 
Anschließend vergleichen Sie die verschiedenen ETFs und werfen einen Blick auf die Funktionsweise des zugrundeliegenden Branchen-Index. Eine Aufstellung der aktuellen Branchenverteilung finden Sie in der Regel im Factsheet, welches auf jedem ETF Profil verlinkt ist. In diesem finden Sie auch meist eine Liste der am stärksten gewichteten Unternehmen.
 
Nur wenn Sie wissen in was Sie eigentlich investieren, können Sie am Ende die richtige Entscheidung für das richtige Produkt treffen.
 

Auswahl eines Branchen-ETFs


Quelle: justETF.com/find-etf.html
 
Tipps für die ETF Suche
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