Wie Sie ETF Namen einfach entschlüsseln

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ETF Namen klingen auf den ersten Blick oft verwirrend. Wir zeigen Ihnen, wie Sie komplizierte ETF Namen einfach entschlüsseln können.

Wie Sie ETF Namen einfach entschlüsseln Einer der längsten ETF Namen in der justETF Datenbank lautet zum Beispiel UBS ETF (LU) Barclays MSCI US Liquid Corporates Sustainable UCITS ETF (hedged to EUR) A-acc. Das sind 91 Zeichen voller Fachbegriffe und Abkürzungen.

Kryptische Namen wie dieser können auf ETF-Einsteiger abschreckend wirken. Dabei verbirgt sich dahinter meist eine einfache Logik.

Dieser Artikel erklärt Ihnen die Logik hinter den Namen und erläutert die wichtigsten Abkürzungen. Zudem zeigen wir Ihnen, bei welchen Begriffen Verwechslungsgefahr besteht und wo Sie besonders aufmerksam sein müssen.


ETF Namen setzen sich aus fünf Bestandteilen zusammen

Ein ETF Name ist aufgebaut wie ein Code. Wenn man ihn richtig liest, kann man schnell die wichtigsten Merkmale des ETFs in Erfahrung bringen.
 

Die Grundstruktur eines ETF Namens

Bestandteile eines ETF

Es kann aber vorkommen, dass die Reihenfolge der Namensbausteine abweicht oder dass einzelne Bausteine entfallen.

Grundsätzlich sind alle Angaben im Namen in Englisch.

Im Folgenden schauen wir uns die fünf Bestandteile genauer an. Wir nutzen dafür drei ETFs der Anbieter db x-trackers, iShares und Lyxor und „entschlüsseln” diese Baustein für Baustein. Hier die Beispiel-ETFs:
 
  • db x-trackers S&P 500 UCITS ETF (DR) 1C (EUR hedged)
  • iShares Core DAX UCITS ETF (DE)
  • Lyxor UCITS ETF EURO STOXX 50 Daily Double Short EUR
 

1. Emittent: Wer bietet den ETF an?

An erster Stelle steht meist die Marke des ETF Anbieters. ETF Anbieter sind in der Regel Tochtergesellschaften großer Banken oder Vermögensverwalter.

In unseren drei Beispielen sind das db x-trackers, iShares und Lyxor. db x-trackers ist die ETF Marke der Deutschen Bank. iShares gehört zu Blackrock, dem aus den USA stammenden, weltweit größten Vermögensverwalter. Lyxor ist die ETF-Marke der französischen Investment Bank Société Générale.

Direkt hinter dem Anbieternamen findet man manchmal den Begriff „Core” (oder ähnliches), wie im Beispiel von iShares. Dies deutet auf eine Untergruppe innerhalb der Angebotspalette des jeweiligen Anbieters hin. Core-Produkte sind meistens sehr kostengünstige und besonders populäre ETFs, wie auf den DAX oder den MSCI World.



2. Index: Wo wird investiert?

An zweiter Position steht der Index, der vom ETF abgebildet wird.

MSCI, STOXX und S&P sind Namen von bekannten Index-Anbietern. Die drei genannten Namen stellen die größten Indexfamilien für ETFs auf Aktien dar.

In unseren Beispielen werden die Indizes S&P 500, DAX und EURO STOXX 50 abgebildet.

Oftmals gibt der Indexname Aufschluss über die abgedeckte Region und die Anzahl der Einzeltitel im Index. Der EURO STOXX 50 zum Beispiel bietet Zugang zu Aktien der Eurozone und enthält die 50 größten börsengehandelten Unternehmen der Region.
 
Verwechslungsgefahr: Eurozone oder Europa?
Während der EURO STOXX 50 Index nur Unternehmen der Eurozone enthält, deckt der STOXX Europe 600 ganz Europa ab, inklusive der Schweiz und Großbritannien.
Als Zusatz zur Indexbeschreibung findet sich häufig die Abkürzung TR, NR oder TRN. TR steht für Total Return, NR bzw. TRN stehen für Net Return.

Diese Angabe sagt aus, ob die Wertentwicklung des nachgebildeten Index vor oder nach Steuern berechnet wird. Dies hat keine direkte Auswirkung auf die Wertentwicklung des ETF. Als ETF-Anleger stehen Ihnen alle Dividendenerträge der Aktien im Fonds zu.

 

3. Regulatorische Hinweise: Wichtig für den Anlegerschutz

Hinter dem Indexname folgt häufig die Abkürzung „UCITS”. In den UCITS-Richtlinien werden eine Reihe Anforderungen festgelegt, an welche sich Anlagefonds in Europa halten müssen.
Dies dient speziell zum Schutz der Privatanleger.

Dazu zählen Mindestanforderungen bezüglich der Diversifikation des Fonds. So dürfen unter anderem höchstens 20 Prozent des Nettovermögens eines Fonds in Wertpapiere eines einzelnen Unternehmens investiert werden.

Ein weiterer regulatorischer Begriff ist „ETF” selbst. Dieser grenzt ETFs deutlich von anderen börsengehandelten Anlageinstrumenten wie ETCs oder ETNs ab, die oft unter dem Überbegriff ETPs (Exchange Traded Products) zusammengefasst werden.

Im Gegensatz zu ETNs handelt es sich bei ETFs nicht um risikobehaftete Schuldverschreibungen von einer Bank, sondern die Anlegergelder befinden sich im sogenannten Sondervermögen. Das heißt, die Gelder sind von der Konkursmasse der Bank ausgeschlossen und unterliegen somit nicht dem Ausfallrisiko des Anbieters.

Bei allen betrachteten Beispielen sowie bei allen an Xetra gehandelten ETFs handelt es sich um UCITS-ETFs. Beim Lyxor ETF befindet sich dieser Namensbaustein bereits an zweiter Stelle direkt hinter dem Anbietername.

 

4. Merkmale des ETF: Details zur Anteilscheinklasse

Am Ende des ETF Namens befinden sich meist kryptische Abkürzungen, die Rückschlüsse auf Zusatzangaben zur Anteilscheinklasse zulassen.

Ein Investmentfonds kann mehrere Anteilscheinklassen mit unterschiedlichen ISINs begeben. Die Anteilscheinklassen können sich in der Höhe der Gebühren, der Währung sowie der Art der Ertragsverwendung unterscheiden.

Diese Merkmale sind sehr hilfreich. Leider werden sie je nach ETF Anbieter unterschiedlich abgekürzt.

 

Ertragsverwendung: Ausschüttung oder Thesaurierung

Die Ertragsverwendung informiert darüber, ob Dividenden der Aktien im Fonds ausgeschüttet oder reinvestiert werden (Thesaurierung). Bei Anleihen-ETFs sind es die Zinserträge.

Ausschüttende ETF (engl. distributing) werden abgekürzt mit:
  • D
  • Dis
  • Dist
Thesaurierende ETFs (engl. accumulating) hingegen enthalten meistens eine der folgenden Abkürzungen:
  • C
  • Acc
In unseren drei Beispielen macht nur der db x-trackers ETF eine Angabe zur Ertragsverwendung. Es handelt sich dabei um die thesaurierende Anteilscheinklasse.
 
Tipp: Alle Infos finden Sie auf dem ETF Profil
Wenn der ETF Name z.B. keine Auskunft über die Ertragsverwendung liefert, erhalten Sie diese Information auf dem ETF Profil bei justETF.
 

Währung der Anteilscheinklasse

Die Währung der Anteilscheinklasse gibt Aufschluss darüber, ob der Anleger ein Fremdwährungsrisiko eingeht.

Der db x-trackers Beispiel-ETF enthält die Anmerkung „EUR hedged”. Die S&P 500 Aktien, welche gewöhnlich in US-Dollar gehandelt werden, sind somit währungsgesichert (engl. hedged) in EUR. Damit entfällt das US-Dollar Währungsrisiko.

Im Fall von währungsgesicherten ETFs findet sich häufig auch die Zusatzangabe „Daily” oder „Monthly”. Diese gibt Auskunft darüber, ob die Währungsabsicherung täglich oder monatlich angepasst wird.

Eine Währungsangabe ohne „Hedged” im ETF Name ist meist ein Hinweis auf die Handelswährung der Anteilsklasse. Gerade an der Londoner Börse oder der Schweizer Börse werden Produkte oft in verschiedenen Handelswährungen (CHF, GBP, EUR) angeboten.

So ist die Währungsangabe im Beispiel des Lyxor ETFs als Hinweis auf die Handelswährung zu verstehen.

 

Domizil nur dann im Name, wenn es hervorgehoben werden soll

Speziell im Fall von ETFs mit Fondsdomizil Deutschland heben ETF Anbieter dies gerne hervor: iShares schreibt dann „(DE)” in den ETF Name. ComStage spricht von „ComStage 1” ETFs.

Das Domizil Deutschland kann im Fall von deutschen Aktien steuerliche Vorteile für Anleger aus Deutschland haben.

 

Auch die Art der Replizierung steht nur unregelmäßig im Name

Ähnlich wie beim Domizil machen Anbieter nur dann eine Angabe, wenn sie die Replikationsmethode betonen möchten.

Der db x-trackers Beispiel-ETF ist so ein Fall: db x-trackers war jahrelang ein Anbieter synthetisch replizierender ETFs. Aufgrund hoher Nachfrage nach physisch replizierten ETFs werden diese inzwischen aber auch angeboten und hebt dies im Namen hervor.

Da iShares hingegen nur physisch replizierende ETFs vertreibt, macht sich dieser Anbieter nicht die Mühe, dies im Namen zu erwähnen.

 

5. Vorsicht bei folgenden Angaben: Short, 2x, 3x

Gehebelte ETFs erkennen Sie im Namen an Kennzeichnungen wie Leveraged, Double, 2x oder 3x. Solche ETFs ermöglichen risikofreudigen Investoren, die Bewegungen von Indizes mit dem Faktor zwei oder drei zu hebeln.

ETFs, die auf fallende Kurse setzen, sind meistens mit dem Begriff „Short” gekennzeichnet.

Befindet sich ein solcher Zusatz im Produktnamen, sollten Sie vorsichtig sein. Short- und Leveraged Produkte beinhalten aufgrund Ihrer Funktionsweise ein erhöhtes Risiko und sollten nur von sehr erfahrenen Anlegern überhaupt genutzt werden.
 
Verwechslungsgefahr: Short und Anleihen ETFs
Neben ETFs auf fallende Kurse mit dem Zusatz „Short” gibt es auch Anleihen ETFs mit „Short” im Indexname. Hierbei bezeichnet der Zusatz „Short” jedoch die Laufzeit der enthaltenen Anleihen, also kurzlaufende Titel.
 

ETF Namen sind gar nicht so kompliziert

Zugegeben, ETF Namen sind auf den ersten Blick oft nicht einfach formuliert und müssen erst einmal entschlüsselt werden. Aber die Namen folgen fast immer einer Logik und es wiederholen sich ständig die gleichen Begriffe und Abkürzungen.

Die wichtigsten davon kennen Sie nun und besitzen damit die Grundkenntnisse zur „Entschlüsselung” der Namen.

Der Name kann Ihnen also einen schnellen Überblick über wichtige Merkmale eines ETFs geben. Das reicht jedoch nicht aus, um den passenden ETF zu wählen.

Auf justETF finden Sie weitere Werkzeuge, die Sie zur ETF-Auswahl nutzen können:
 
  • Die Indexbeschreibungen auf dem ETF Profil erklären den Index
  • Die ETF Suche ermöglicht Ihnen das Filtern und Vergleichen von ETFs
  • ETF Profile bieten Überblick über alle Merkmale