Inflation und ETF

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Warum können ETFs vor Inflation schützen? In diesem Artikel verraten wir Ihnen sinnvolle Strategien gegen den Anstieg des Preisniveaus.

Inflation und ETF Was ist eigentlich Inflation? Inflation bewirkt, dass unser Geld an Kaufkraft verliert, weil Güter und Dienstleistungen teurer werden. Wer Vermögensbildung betreibt, ist besonders betroffen. „Sparen ist Konsum in der Zukunft”, sagen die Ökonom:innen. Das heißt: Je höher die Inflation, desto weniger können Sie sich in der Zukunft von Ihrem Ersparten leisten. Was heißt das nun für ETFs?
 

Finden Sie Antworten auf diese Fragen

 

1. Was passiert mit ETFs bei Inflation?

Viele Menschen machen sich Sorgen um ihr Geld: Die Geldentwertung in Deutschland ist so hoch wie seit langem nicht mehr – und ein Ende ist aufgrund der aktuellen Situation nicht in Sicht: Abgesehen von den Sondereffekten der Corona-Pandemie wirken die kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine als zusätzlicher Preistreiber. 

Was heißt das für Sie?
  • Für Sparerinnen und Sparer mindert Inflation die Kaufkraft in der Zukunft. Sie kostet also indirekt Rendite.
  • Als ETF-Sparerin oder Sparer sind Sie vor allem dann betroffen, wenn Inflation eine Auswirkung auf die in Ihrem ETF enthaltenen Unternehmen bzw. den Index hat. Dies kann die Geschäftsentwicklung belasten und somit die Rendite Ihres ETF.
Langfristig können Sie sich gegen eine solche Inflation nur schützen, wenn Sie breit diversifiziert im Kapitalmarkt oder in Sachwerten investiert sind: Denn viele Unternehmen im Index können Preissteigerungen durchsetzen und leiden daher nicht unter Preiserhöhungen. Handeln Sie also nicht überstürzt. Mit einer langen Haltedauer können Sie die Schwankungen der Märkte besser aushalten.
 
justETF Tipp: Sind Sie kurzfristig nicht auf Ihr in einem ETF-Sparplan investiertes Geld angewiesen, sehen Sie das Positive. Denn in Zeiten niedriger Kurse, so wie aktuell, bekommen Sie für Ihre konstante Sparrate besonders viele ETF-Anteile – und zwar dank Cost-Average Effekt.
 

2. Warum ETFs vor Inflation schützen können

Historisch betrachtet gab es zwar eine sichtbare Geldentwertung. Allerdings haben sich die Kapitalmärkte im gleichen Zeitraum sehr viel besser entwickelt. Ein Vergleich:
  • Mit 10.000 Euro von vor zehn Jahren können Sie sich heute nur Waren im Wert von 9.180 Euro kaufen. Durch die Geldentwertung hätten Sie also eine heutige Kaufkraft im Wert von 820 Euro verloren.
  • Hätten Sie vor zehn Jahren allerdings 10.000 Euro in den MSCI World (in EUR) investiert, wären diese jetzt 18.433 Euro wert!
Dieser Unterschied zwischen Geldentwertung auf der einen und Marktrendite auf der anderen Seite fällt über eine noch längere Frist sogar noch viel drastischer aus. Dank ETFs haben Sie die Möglichkeit, einfach und kostengünstig an der Entwicklung der Kapitalmärkte zu partizipieren. Daher sind ETFs historisch gesehen ein hervorragendes Werkzeug, um Inflation zu begegnen.
 
justETF Tipp: Sie stehen noch ganz am Anfang Ihrer Geldanlage mit ETFs? Wir haben alle wichtigen Informationen zum Thema ETF für Anfänger:innen zusammengefasst.

Wertzuwachs des MSCI World vs. Geldentwertung

Wertzuwachs des MSCI World vs. Geldentwertung
Quellen: justETF Research; MSCI; Deutsche Bundesbank (bereinigter Verbraucherpreisindex); Stand: 30.09.2021
 
 

3. ETF Inflationsschutz: Welche ETFs schützen?

Angesichts der durch Inflation verursachten Unsicherheiten könnten Sparerinnen und Sparer das Bedürfnis verspüren, das eigene Portfolio und das Vermögen gegen die Entwertung abzusichern. Über entsprechende Strategien bis hin zu Untergangsszenarien wird regelmäßig in den Medien berichtet. 

Einige Beispiele:
  • Aktienstrategien: Aktien von Unternehmen, die steigende Preise bei ihrer Kundschaft einfach durchsetzen können, könnten unempfindlicher gegen Inflation sein. Strom wird immer gebraucht, Grundnahrungsmittel auch. Anlegende könnten ETFs auf Branchen wie Basiskonsumgüter oder Energieversorger kaufen. Alternativ kämen Unternehmen infrage, die aufgrund ihrer Wettbewerbssituation leicht die Preisführerschaft übernehmen können, wie etwa die großen Digitalkonzerne.
  • Rohstoffe: Rohstoffinvestments könnten auch ein guter Schutz sein, denn sie sind selbst oft ein Treiber für Inflation. Daten aus der Vergangenheit bestätigen diesen Ansatz tatsächlich. 
  • Inflationsgeschützte Anleihen: Diese werden von Staaten ausgegeben, die am Ende der Laufzeit bei Fälligkeit einen Inflationsausgleich zahlen. Es gibt ETFs, die Indizes auf solche inflationsgeschützten Anleihen abbilden.
  • Cash und kurzlaufende Anleihen: Liquide Gelddepots gelten als kurzfristige Option bei Inflation, weil Sie damit flexibel bleiben und in naher Zukunft etwas besser Verzinstes kaufen könnten. 
  • Gold: Das Edelmetall gilt als Inflationsschutz, weil es eine Art unabhängige Währung darstellt.
  • Luxus: Ob teure Sportwagen, hochwertige Taschen oder Champagner & Co.: Diese Luxusgüter werden auch in Zeiten von Inflation gekauft – es gibt ETFs, die diese Branchen abdecken.
Alle genannten Möglichkeiten haben eines gemein: Sind Sie bereits in eine oder mehrere der aufgezählten Strategien investiert, dann können Sie sich zurücklehnen. Falls die Geldentwertung sich jedoch als unkritisch herausstellen sollte, müssen Sie mit Einbußen rechnen.

Außerdem funktionieren diese Strategien nicht, wenn Sie die Werte nach Einsetzen der Inflation erst noch kaufen müssen. Denn die meisten gut informierten Marktteilnehmer kennen deren Wirkungsweise genauso gut. Daher sind die Erwartungen längst frühzeitig eingepreist – ein Inflationsschutz wird leicht wirkungslos wegen zu hoher Vermögenspreise. 
 
 

4. Wie sich ETF-Anleger:innen vor Inflation schützen können

Kurzfristig sind die Chancen also gering, um sich aktiv gegen Inflation zu wehren. Der Hebel für die private Kapitalanlage liegt jedoch in der langen Frist. Sie können in Finanzinstrumente investieren, die erwiesenermaßen langfristig Renditen abwerfen. Das ist beispielsweise eine breit gestreute, passive Anlagestrategie mit einem Welt-ETF. Die historischen Daten legen nahe, dass eine solche Strategie ein wirksames Rezept gegen Kaufkraftverlust darstellt. 

So hat der MSCI World-Index über die letzten 50 Jahre rund 9 Prozent pro Jahr an Rendite eingebracht – in Euro gerechnet, jedoch ohne Steuern zu berücksichtigen. Natürlich ist diese Rendite – anders als bei einer Zinsanlage – für die Zukunft nicht garantiert. Allerdings wird sich an der Funktionsweise des MSCI World und anderer breiter Welt-Indizes nicht viel ändern, solange das ökonomische System in seiner jetzigen Form bestehen bleibt. 
 
justETF Tipp: Erfahren Sie in unserem Artikel über Aktienrisiko, wie Risiko und Rendite des MSCI World sich in den letzten 50 Jahren entwickelt haben. Finden Sie außerdem heraus, welcher Risikotyp Sie sind.
Kurzfristig sind bei einem Investment in den Kapitalmarkt allerdings immer Verluste möglich. Dieses Risiko einzugehen, lohnt sich darum nur, wenn Sie das angelegte Geld über mindestens eine Wirtschaftskrise retten können, indem Sie entsprechend langfristig investieren. Eine langfristige Buy-and-Hold-Strategie mit ETFs scheint den anderen kurzfristigen Strategien überlegen zu sein. Nutzen Sie ETFs als Mittel gegen Inflation, damit Sie sich später etwas leisten können. Am einfachsten lässt sich diese Strategie mit einem ETF Sparplan umsetzen. Die besten ETFs für Ihren Sparplan finden Sie immer aktuell im ETF Sparplan Vergleich.
 

ETFs auf globale Indizes finden Sie in unseren Anlageleitfäden

5. Exkurs: Was hinter der Inflation steckt

Wie viel Inflation können Sie tolerieren und welche Höhe schadet? Die Ökonomie ist sich uneins über eine „gesunde Höhe” von Inflation. Einige Prozent können durchaus wünschenswert sein, um den Wandel im Kapitalismus zu beschleunigen. Eine zu hohe Inflation vermag dagegen eine ganze Volkswirtschaft zu lähmen, wie sich beispielsweise in vielen Entwicklungsländern zeigt. Nachrichten zu hohen Inflationsraten beherrschen zuweilen die Berichterstattung, ohne dass klar wird, welches Phänomen damit überhaupt gemeint ist. Hier die gängige Definition in der Wirtschaftssprache: Es handelt sich um einen Zinssatz, der die aktuellen Güterpreise mit den Preisen des Vorjahres vergleicht. Praktisches Beispiel: Wie viel kostete Gemüse im Februar dieses Jahres im Vergleich zum Februar des vergangenen Jahres? Das Gleiche lässt sich auf Benzin, Mieten und vieles mehr anwenden.
Statistiker:innen schauen sich die Preise von vielen Gütern im Detail an. Damit das auch systematisch klappt, haben sie einen sogenannten „Warenkorb” definiert. Der soll abbilden, wofür Durchschnittsbürger:innen ihr Geld ausgeben, inklusive Miete, Strom, Pendlerticket und Handyvertrag. Die genaue Zusammensetzung des Warenkorbs können Sie sehr schön auf der Website der Europäischen Zentralbank oder der des Statistischen Bundesamts anschauen. Die wichtigsten Inhalte des Warenkorbs haben wir hier für Sie aufgelistet:
 

Warenkorb für die Inflationsmessung

Warenkorb für die Inflationsmessung
 
   Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe
   Verkehr
   Freizeit, Unterhaltung und Kultur
   Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke
   Möbel, Leuchten, Geräte, Haushaltszubehör
   Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen
   Gesundheit
   Bekleidung und Schuhe
   Alkoholische Getränke und Tabakwaren
   Post und Telekommunikation
   Bildungswesen
   Andere Waren und Dienstleistungen
32,5%
12,9%
11,3%
9,7%
5,0%
4,7%
4,6%
4,5%
3,8%
2,7%
0,9%
7,4%
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2021; Stand: 30.09.2021 (letzte Anpassung 2015)

Natürlich bildet der Warenkorb nur einen Durchschnitt ab. Er wurde nach repräsentativen Konsumgewohnheiten zusammengestellt. Im Einzelfall kann das anders aussehen: Mietkosten treten nicht auf, wenn Sie in den eigenen vier Wänden wohnen. Dagegen spielen Energiepreise eine große Rolle, wenn Sie ein großes Zuhause haben und Sie viele und weite Strecken mit dem eigenen Auto zurücklegen.

Oft trügt der subjektive Eindruck: Preissteigerungen an der Tankstelle fallen Ihnen wahrscheinlich viel eher auf als die Tatsache, dass technische Geräte wie etwa Flatscreen-Fernseher sehr preiswert geworden sind. Und eine schleichende Preissteigerung bemerken Sie erst beim genauen Hinsehen.
 
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