Anleihen-ETFs und ihre Indizes

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Wie viele Anleihen-Indizes kennst du? Viele von euch werden diese Frage wahrscheinlich mit „keine“ beantworten. Erfahre mehr über die Indizes, die Anleihen-ETFs zugrunde liegen.

Anleihen-ETFs und ihre Indizes
 
Das erwartet dich in diesem Artikel
 

Das Wichtigste im Überblick

Mit einem Anleihen-ETF kannst du sehr einfach in einen bestimmten Teil des Anleihemarkts investieren. Dies gelingt, indem ein solcher ETF einen Anleihe-Index nachbildet. Der Index ist wie ein Thermometer: Er misst die Hochs und Tiefs in seinem speziellen Bereich.
 
Dadurch, dass er Hunderte von Anleihen enthält, kann man an einem Anleihe-Index ablesen, wie sich der Anleihemarkt in den letzte Tagen, Wochen und Jahren entwickelt hat.  Je nachdem, auf welchen Teil des Marktes sich der Index bezieht, kann es sich um einen globalen Markt handeln oder nur um Anleihen aus beispielsweise Deutschland oder deutsche Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen.
 
Anleihen-ETFs wählen die in ihnen enthaltenen Positionen dabei so aus, dass sie den gewählten Index möglichst genau nachbilden, damit die Wertentwicklung (Performance) des ETF möglichst genau der des Markts entspricht.
 
Wenn du dich schon mit der Funktionsweise von Aktien-Indizes auskennst, kannst du diese mit der von Anleihe-Indizes vergleichen. Dennoch hat der Anleihemarkt ein ganz anderes Umfeld und wirkt auf vielfältige Weise anders als der Aktienmarkt.
 
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Verschiedene Anleihe-Indizes mit demselben Schwerpunkt entwickeln sich meist sehr ähnlich

Verschiedene Anleihe-Indizes mit demselben Schwerpunkt entwickeln sich meist sehr ähnlich
  Xtrackers Germany Government Bond 1-3 UCITS ETF 1D
  Deka Deutsche Boerse EUROGOV Germany 1-3 UCITS ETF
Quelle: justETF Research; Stand: 28.12.2022 
 
Die wichtigsten Komponenten, von denen Anleihe-Indizes abhängig sind und die ihre Entwicklung bestimmen, sind dabei die folgenden:
 
  • Anleiheart
  • Land oder Region
  • Laufzeit
  • Bonitätsbewertung (Rating)
  • Handelswährung

Marktanteil der Anleihe-Segmente am ETF-Markt

Marktanteil der Anleihesegmente am ETF-Markt
Quelle: DB ETF Monthly European Review; Stand: 01.07.2017
 
 

Staats- und Unternehmensanleihen als wichtigste Marktsegmente

Von zentraler Bedeutung für Anlegerinnen und Anleger ist die Wahl zwischen Staats- und Unternehmensanleihen.
 
  • Staatsanleihen werden von souveränen Regierungen ausgegeben, die darüber die öffentlichen Ausgaben in ihren Ländern finanzieren. Anleihen, die von den bedeutendsten Industrienationen ausgegeben werden, gelten als äußerst risikoarm und werden in Krisenzeiten gern als „sichere Häfen“ genutzt. Deutsche Staatsanleihen werden auch Bunds genannt, während ihre US-Pendants als Treasuries bekannt sind.
  • Unternehmensanleihen werden von Firmen ausgegeben, um Investitionen zu finanzieren. Sie gelten im Vergleich zu den Staatsanleihen gemeinhin als risikoreicher. Um wie viel risikoreicher sie sind, lässt sich ungefähr an der Höhe der damit erzielten Kupons beziehungsweise Renditen ablesen. Wobei grundsätzlich gilt: Je höher diese unter sonst ähnlichen Rahmenbedingungen (Laufzeit, Bonität usw.) im Vergleich zu entsprechenden Staatsanleihen beziehungsweise entsprechenden ETFs ausfallen, desto risikoreicher werden sie vom Markt eingeschätzt.
  • Eine Spezialität sind sogenannte „inflationsgesicherte Anleihen”, die besonders resistent gegenüber Preissteigerungen sind. Diese spezielle Kategorie von Anleihen kann von Regierungen, aber auch Unternehmen ausgegeben werden, wobei die Regierungsvariante weitaus verbreiteter ist. Inflationsgeschützte Anleihen der US-Regierung werden TIPS genannt.
  • Eine Sonderform sind Wertpapiere auf Darlehen für Hauskäufer und Unternehmen, die durch Hypotheken abgesichert sind. Diese werden üblicherweise von Agenturen ausgestellt, die von der Regierung gesponsert werden. Beispiele dafür sind die berühmten US-Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac.
  • Gesamt- oder aggregierte Anleihe-Indizes (engl. Aggregate) geben einen Überblick über den breiten Markt. Sie bilden eine große Auswahl an Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, hypothekenbesicherte Anleihen und oft auch solche ab, die von lokalen Regierungen oder staatlich gesponserten Agenturen ausgegeben werden.
 

Tipps für die Auswahl von Anleihen-ETFs

Wenn du in Anleihen investieren willst, solltest du die Bewertung der Bonität, die durchschnittlichen Zinszahlungen, die Duration und die Laufzeit der darin enthaltenen Anleihen beachten. Wir stellen dir die wichtigsten Informationen im Folgenden vor.
 

Die Auswahl zwischen einem Land oder einer Region

Grundsätzlich kannst du dich für einen globalen Index oder einen auf ein bestimmtes Land oder eine bestimmte Region entscheiden. Hier hast du wiederum Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, aggregierte Anleihen oder inflationsgeschützte Anleihen zur Auswahl. Globale Anleihe-Indizes sind im Wesentlichen auf Anleihen von Industrienationen ausgerichtet und dabei überwiegend auf Japan und die Vereinigten Staaten fokussiert.
 

Laufzeit

Die Laufzeit einer Anleihe ist der Zeitraum von der Ausgabe bis zur endgültigen Tilgung des Darlehens durch den Emittenten. Anleihen werden häufig als Short, Medium oder Long bezeichnet – als grober Hinweis auf die Dauer bis zur Rückzahlung. Dabei kann man in etwa von folgenden Zeitspannen ausgehen:
 
  • Short: 0 - 3 Jahre
  • Medium: 3 - 7 Jahre
  • Long: 7 Jahre und länger
Die Bandbreiten der Laufzeiten der Anleihen, die der Index abbildet, haben große Auswirkungen auf das eingegangene Zinsrisiko, die Rückflüsse und die Preisvolatilität. Kurzfristige Anleihen-ETFs weisen in der Regel die geringste Schwankungsbreite (Volatilität) auf, während für langfristige Anleihen-ETFs höhere Rückflüsse und eine viel größere Volatilität kennzeichnend sind.
 
Achtung:
Verwechsle Anleihen-ETFs mit einer kurzen Laufzeit (häufig bezeichnet als „Short”) auf keinen Fall mit sogenannten Short-ETFs. Letztere setzen auf eine negative Marktentwicklung und eignen sich nur für sehr erfahrene Anleger zur kurzfristigen Depot-Absicherung, keinesfalls aber als langfristiges Investment!

Die Bewertung der Bonität

Wie sind Anleihen bewertet? Die wichtigste Unterscheidung liegt zwischen High Yield-Anleihen (auch „Ramsch-Anleihen”) und solchen mit Investment Grade.
 
  • High Yield-Indizes enthalten nur Anleihen, die eine Bonitätsbewertung von höchstens BB+ aufweisen. Wie der Name schon sagt, stellen sie höhere Gewinne in Aussicht, aber auch nur, weil damit umso höhere Risiken einhergehen. Emittenten von Ramsch-Anleihen werden im Allgemeinen als schwach betrachtet und können zur Zahlungsunfähigkeit neigen, wenn sich ihre wirtschaftliche Situation verschlechtert.
  • Wenn ein Anleihe-Index zumindest mit AA- bewertete Anleihen abbildet, repräsentiert er Anleihen besonders hoher Qualität („High Grade“). Diese Anleihen haben ein minimales Ausfallrisiko, allerdings für den Preis umso geringerer Zinszahlungen.

Währung

Ein ETF auf US-Anleihen setzt dich dem Euro/US-Dollar-Wechselkursrisiko aus. Das führt dazu, dass deine ursprünglich in Euro eingegangenen Positionen im Wert steigen, wenn der Euro schwächer wird beziehungsweise der Dollar stärker und dass sie eben fallen, wenn der Euro stärker wird beziehungsweise der Dollar schwächer.
 
Möchtest du, dass deine Anleihen innerhalb deines Portfolios eine defensive Rolle spielen, solltest du darauf achten, dass dein Anleihen-ETF nur Anleihen beinhaltet, die auf Euro lauten oder zu eben diesem gehedged (abgesichert) sind. Bitte beachte, dass Anleihen auch auf Dollar lauten können, wenn sie aus einem anderen Land als den USA stammen.
 

Die Wahl zwischen einem breiten oder einem fokussierten Index

Die breitesten Indizes maximieren deine Diversifikation über alle Anleihetypen, Länder, Laufzeiten, Bonitätsbewertungen und Währungen. Sie sind nicht von einer einzigen Position abhängig und streuen damit das Anlagerisiko maximal.
 
Mit fokussierten Anleihen-Indizes kannst du dagegen bestimmte Anlagevorstellungen gezielt umsetzen.  Ein deutscher Investor beispielsweise, dessen Ruhestand in den nächsten Jahren bevorsteht und der deshalb mehr am Kapitalerhalt als an Wachstum interessiert ist, könnte an einem Index wie dem Deutsche Börse EUROGOV® Germany 1–3 Index interessiert sein. Warum? Weil ein ETF, der diesen Index nachbildet wie der Deka Deutsche Boerse EUROGOV Germany 1-3 UCITS ETF
 
  • nur auf Euro lautende Titel enthält.
  • eine niedrige durchschnittliche Laufzeit und Duration aufweist wegen der Ausrichtung auf kurzlaufende Anleihen, was das Zinsrisiko minimiert. Preisrückgänge werden gering sein, wenn die Zinsen steigen, und außerdem schnell durch neue Anleihen mit höheren Kuponzahlungen kompensiert werden können.
  • Titel enthält, die von der deutschen Regierung ausgegeben werden, die ein AAA-Rating hat und damit als extrem sicher gilt.
ETFs können noch sehr viel speziellere Indizes nachbilden wie zum Beispiel den Markit iBoxx USD Liquid High Yield 0–5 Capped Index: Ein ETF, der diesen Index nachbildet, enthält die meistgehandelten US-Ramsch-Anleihen, die in den nächsten 5 Jahren auslaufen. Er limitiert das Gewicht einzelner Emittenten, um sicherzugehen, dass Diversifikation zwischen den einzelnen risikoreichen Anbietern besteht.
 
Andere Indizes gehen bei der Jagd nach Individualität noch weiter und schließen Anleihen von Banken und Finanzdienstleistern aus.
 
Indem du den ETF-Namen liest und den dazugehörigen Index prüfst, wird du ganz einfach den Fokus eines ETF erkennen. Du kannst immer auch den Indexnamen googeln, um sein Factsheet und seine Methodik zu finden.
 
 

Wie Anleihe-Indizes konstruiert werden

Der globale Markt für Anleihen ist deutlich größer als derjenige für Aktien, weniger transparent und beruht auf einem komplexeren System an Wertpapieren. Diese Umstände haben die Entstehung von Anleihe-Indizes tiefgreifend geprägt. Anleihe-Indizes beinhalten üblicherweise mehr einzelne Positionen als ihr Aktien-Äquivalent und sie werden mittels komplizierter Auswahlkriterien aufgesetzt.
 
Zum Beispiel müssen Anleihen-Anwärter für den riesigen Bloomberg Barclays US Aggregate Bond Index folgende Anforderungen erfüllen:
 
  • auf Dollar lauten
  • einen Investment Grade haben
  • festverzinslich sein
  • versteuerbar sein
  • ein ausstehendes Volumen von mindestens 250 Millionen US-Dollar aufweisen
Selbst dann sind viele Anleihen in einem Index illiquide, sodass ETF-Manager die Kosten zu minimieren versuchen, indem sie nur einen Teil des Index per Sampling abbilden, anstatt den gesamten Inhalt des Index zu kaufen.
 
Indizes beinhalten häufig auch viele verschiedene Wertpapiere von einem einzigen Emittenten. Dies sieht man vor allem bei Staatsanleihen-Benchmarks, die normalerweise mehrere individuelle Anleihen über verschiedene Laufzeitkategorien eines einzigen Landes beinhalten.
 
Während dies ein echtes Manko für einen Aktienindex wäre, ist das in der Welt der Anleihen völlig normal. Diversifikation ist grundsätzlich weniger nötig, wenn man in eine Anlageklasse investiert, die so sicher ist, wie hoch bewertete Staatsanleihen. Hier kann man sein erwartetes Risiko-Rendite-Profil weiter spezifizieren, indem man in eine bestimmte Bandbreite an Laufzeiten investiert.
 
Anleihe-Indizes gewichten ihre Mitglieder normalerweise nach der Größe ihrer ausstehenden Schuld. Das heißt: Globale Staatsanleihen ETFs werden zum größten Teil in Wertpapiere der größten Schuldnernationen der Welt investieren. Das sind im Wesentlichen die USA und Japan, die in dieser Hinsicht noch weit vor Frankreich, Italien, Deutschland und dem Vereinigten Königreich liegen.
 
Vielleicht wird dich jemand darauf hinweisen, dass eine solche Ausrichtung auch dazu führen kann, dass man übermäßig Ländern ausgesetzt ist, die sprichwörtlich in ihren Schulden ertrinken. Was stärker zählt, ist aber das Bonitätsrating.
 
Die Vereinigten Staaten und Japan halten ihre sehr hohen Bonitätsbewertungen, weil ihre Wirtschaft stark genug ist, diesen Schuldenberg auch langfristig zu tragen. In der Tat sind diese beiden Nationen gerade wegen der Größe ihrer Wirtschaft die größten Schuldner der Welt. So hat der Jemen beispielsweise weitaus geringere Schulden als die USA, dennoch wird ein risikobewusster Anleger kaum dessen Anleihen haben wollen.
 
Grundsätzlich zu beachten ist, dass Anleihe-Indizes ihre Performance unter der Annahme angeben, dass die erhaltenen Zinszahlungen nicht ausgeschüttet werden, sondern reinvestiert werden, um neue Anleihen zu kaufen.
 
Es ist dabei unvermeidbar, dass sich Kennzahlen wie Duration, Bonitätsbewertung etc. über die Zeit verändern werden, da alternde Anleihen aus dem ETF verschwinden und durch jüngere Bonds mit höheren Restlaufzeiten ersetzt werden, die geringfügig andere Eigenschaften aufweisen können. Dies ist ein kontinuierlicher Prozess, den der ETF selbständig übernimmt, sodass du darauf vertrauen kannst, dass der ETF seine Benchmark auch zuverlässig abbildet.
 
 

Die Recherche von Anleihen-Indizes

Fehlende Vertrautheit ist eine der größten Schwierigkeiten, auf die Anlegerinnen und Anleger stoßen, wenn sie sich das erste Mal mit Anleihen auseinandersetzen.
 
Es gibt hier keine maßgeblichen Indizes wie den DAX oder den S&P 500.
 
Hauptsächlich liegt das daran, dass die meisten Anleihe-Transaktionen nicht über die Börse abgewickelt werden. Stattdessen wird das meiste außerbörslich, also „Over-the-Counter” (OTC), in einem Händlernetzwerk der großen Investmentbanken gehandelt. Daher sind die größten Indexanbieter für Anleihen-Indizes diejenigen, die auf die größte Menge an Anleihen-Preisdaten zugreifen können. Dazu gehören beispielsweise große Investmentbanken oder integrierte Finanzdaten-Provider wie die folgenden:
 
  • Bloomberg Barclays
  • Markit – besitzt die iBoxx Marke (große Miteigentümer sind Goldman Sachs, JP Morgan Chase und UBS)
  • FTSE Russell
Trotz der fremdartigen Begriffe und Akteure verschwinden die Unklarheiten über Bonds relativ schnell, sobald man die Grundlagen verstanden hat. Außerdem kannst du mit den Tools auf justETF die Informationen zu verschiedenen ETFs recherchieren, die Performance vergleichen und die Risiko-Rendite Trade-Offs analysieren.
 
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