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Anleihen-ETFs und ihre Indizes

justETF.com

Wie viele Anleihen-Indizes kennen Sie? Die meisten Anleger werden diese Frage wohl mit „keine“ beantworten. Erfahren Sie also mehr über diese wenig bekannten Finanzinstrumente, die den Anleihen-ETFs zugrunde liegen.

Anleihen-ETFs und ihre Indizes Ein Anleihen-ETF bietet eine einfache Möglichkeit, in einen bestimmten Teil des Anleihemarkts zu investieren. Dies gelingt, indem ein solcher ETF einen Anleihe-Index nachbildet. Der Index ist wie ein Thermometer: Er misst die Hochs und Tiefs in seinem speziellen Bereich. Dadurch, dass er Hunderte von Anleihen enthält, kann man an einem Anleihe-Index ablesen, wie sich der Anleihemarkt in den letzte Tagen, Wochen und Jahren entwickelt hat.  Je nachdem, auf welchen Teil des Marktes sich der Index bezieht, kann es sich um einen globalen Markt handeln oder nur um Anleihen aus beispielsweise Deutschland oder deutsche Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen.

Anleihen-ETFs wählen die in ihnen enthaltenen Positionen dabei so aus, dass sie den gewählten Index möglichst genau nachbilden, damit die Wertentwicklung (Performance) des ETF möglichst genau der des Markts entspricht.

Wenn Sie sich schon mit der Funktionsweise von Aktien-Indizes auskennen, können Sie diese mit der von Anleihe-Indizes vergleichen.

Dennoch hat der Anleihemarkt ein ganz anderes Umfeld und wirkt auf vielfältige Weise anders als der Aktienmarkt. Denken Sie dabei etwa an den Kontrast zwischen der maritimen und der terrestrischen Welt. Beide verfügen zwar über manche Gemeinsamkeiten, aber ihr Erscheinungsbild wird grundsätzlich von anderen Kreaturen, Topografien und Kräften bestimmt.

 

Verschiedene Anleihe-Indizes mit demselben Schwerpunkt entwickeln sich meist sehr ähnlich

Verschiedene Anleiheindizes mit demselben Schwerpunkt entwickeln sich meist sehr ähnlich
Quelle: justETF.com Datenbank, Kurzlaufende deutsche Staatsanleihen ETFs, Zeitraum: 24.01.2012 - 26.09.2017

Die wichtigsten Komponenten, von denen Anleihe-Indizes abhängig sind und die ihre Entwicklung bestimmen, sind dabei die folgenden:
 
  • Anleiheart
  • Land oder Region
  • Laufzeit
  • Bonitätsbewertung (Rating)
  • Handelswährung
Marktanteil der Anleihe-Segmente am ETF-Markt
Marktanteil der Anleihesegmente am ETF-Markt
Quelle: DB ETF Monthly European Review; Stand: 1. Juli 2017
 
 

Staats- und Unternehmensanleihen als wichtigste Marktsegmente

Von zentraler Bedeutung für den Anleger ist dabei die Wahl zwischen Staats- und Unternehmensanleihen. Staatsanleihen werden von souveränen Regierungen ausgegeben, die darüber die öffentlichen Ausgaben in ihren Ländern finanzieren. Anleihen, die von den bedeutendsten Industrienationen ausgegeben werden, gelten als äußerst risikoarm und werden in Krisenzeiten gern als „sichere Häfen“ genutzt. Deutsche Staatsanleihen werden auch Bunds genannt, während ihre US-Pendants als Treasuries bekannt sind.

Unternehmensanleihen werden von Firmen ausgegeben, um Geschäftsinvestitionen zu finanzieren. Sie gelten im Vergleich zu den Staatsanleihen gemeinhin als risikoreicher. Um wie viel risikoreicher sie sind, lässt sich ungefähr an der Höhe der damit erzielten Kupons beziehungsweise Renditen ablesen. Wobei grundsätzlich gilt: Je höher diese unter sonst ähnlichen Rahmenbedingungen (Laufzeit, Bonität usw.) im Vergleich zu entsprechenden Staatsanleihen beziehungsweise entsprechenden ETFs ausfallen, desto risikoreicher werden sie vom Markt eingeschätzt.

Eine Spezialität sind sogenannte „inflationsgesicherte Anleihen”, die besonders resistent gegenüber Preissteigerungen sind. Diese spezielle Kategorie von Anleihen kann von Regierungen, aber auch Unternehmen ausgegeben werden, wobei die Regierungsvariante weitaus verbreiteter ist. Inflationsgeschützte Anleihen der US-Regierung werden TIPS genannt.

Eine Sonderform sind Wertpapiere auf Darlehen für Hauskäufer und Unternehmen, die durch Hypotheken abgesichert sind. Diese werden üblicherweise von Agenturen ausgestellt, die von der Regierung gesponsert werden. Beispiele dafür sind die berühmten US-Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac.

Gesamt- oder aggregierte Anleihe-Indizes (engl. Aggregate) geben einen Überblick über den breiten Markt. Sie bilden eine große Auswahl an Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, hypothekenbesicherte Anleihen und oft auch solche ab, die von lokalen Regierungsautoritäten oder staatlich gesponserten Agenturen ausgegeben werden.

 

Die Auswahl zwischen einem Land oder einer Region

Grundsätzlich kann sich der Anleger für einen globalen Index oder einen auf ein bestimmtes Land oder eine bestimmte Region entscheiden. Dabei können wiederum Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, aggregierte Anleihen oder inflationsgeschützte Anleihen zur Auswahl stehen. Globale Anleihe-Indizes sind im Wesentlichen auf Anleihen von Industrienationen ausgerichtet und dabei überwiegend auf Japan und die Vereinigten Staaten fokussiert.

 

Laufzeit

Die Laufzeit einer Anleihe ist der Zeitraum von der Ausgabe bis zur endgültigen Tilgung des Darlehens durch den Emittenten. Anleihen werden häufig als Short, Medium oder Long bezeichnet – als grober Hinweis auf die Dauer bis zur Rückzahlung. Dabei kann man in etwa von folgenden Zeitspannen ausgehen:

Short: 0 - 3 Jahre
Medium: 3 - 7 Jahre
Long: 7 Jahre und länger

Die Bandbreiten der Laufzeiten der Anleihen, die der Index abbildet, haben große Auswirkungen auf das eingegangene Zinsrisiko, die Rückflüsse und die Preisvolatilität. Kurzfristige Anleihen-ETFs weisen in der Regel die geringste Schwankungsbreite (Volatilität) auf, während für langfristige Anleihen-ETFs höhere Rückflüsse und eine viel größere Volatilität kennzeichnend sind.
 
Achtung:
Verwechseln Sie Anleihen-ETFs mit einer kurzen Laufzeit (häufig bezeichnet als „Short”) auf keinen Fall mit sogenannten Short-ETFs. Letztere bilden einen jeweiligen Markt invers ab und eignen sich nur für sehr erfahrene Anleger zur kurzfristigen Absicherung gegenüber negativen Marktentwicklungen, keinesfalls aber als langfristiges Investment!
 

Bonitätsbewertung

Die wichtigste Unterscheidung liegt zwischen High Yield-Anleihen (auch „Ramsch-Anleihen”) und solchen mit Investment Grade. High Yield-Indizes enthalten nur Anleihen, die eine Bonitätsbewertung von höchstens BB+ aufweisen. Wie der Name schon sagt, stellen sie höhere Rückflüsse in Aussicht, aber auch nur, weil damit umso höhere Risiken einhergehen. Emittenten von Ramsch-Anleihen werden im Allgemeinen als schwach betrachtet und können zur Zahlungsunfähigkeit neigen, wenn sich ihre wirtschaftliche Situation verschlechtert.

Wenn ein Anleihe-Index zumindest mit AA- bewertete Anleihen abbildet, repräsentiert er Anleihen besonders hoher Qualität („High Grade“). Solche haben ein minimales Ausfallrisiko, allerdings um den Preis umso geringerer Zinszahlungen.

 

Währung

Ein ETF auf US-Anleihen setzt Sie als in Euro rechnender Anleger dem Euro/US-Dollar- Wechselkursrisiko aus. Das führt dazu, dass Ihre ursprünglich in Euro eingegangenen Positionen im Wert steigen, wenn der Euro schwächer wird beziehungsweise der Dollar stärker und eben fallen, wenn der Euro stärker wird beziehungsweise der Dollar schwächer.

Wenn Sie möchten, dass Ihre Anleihen eine defensive Rolle innerhalb Ihres Portfolios spielen, dann sollten Sie darauf achten, dass Ihr Index entweder nur Anleihen beinhaltet, die auf Euro lauten oder zu eben diesem gehedged (abgesichert) sind. Bitte beachten Sie dabei, dass Anleihen auch auf Dollar lauten können, wenn sie aus einem anderen Land als den USA stammen.

 

Ihre Wahl zwischen einem breiten oder fokussierten Index

Die breitesten Indizes maximieren Ihre Diversifikation über alle Anleihetypen, Länder, Laufzeiten, Bonitätsbewertungen und Währungen. Sie sind nicht von einer einzigen Position abhängig und streuen damit das Anlagerisiko maximal.

Mit fokussierten Anleihen-Indizes können Sie dagegen bestimmte Anlagevorstellungen gezielt umsetzen.  Ein deutscher Investor beispielsweise, dessen Ruhestand in den nächsten Jahren bevorsteht und der deshalb mehr am Kapitalerhalt als am Wachstum interessiert ist, könnte an einem Index wie dem Deutsche Börse EUROGOV® Germany 1–3 Index interessiert sein. Warum? Weil ein ETF, der diesen Index nachbildet wie der Deka Deutsche Boerse EUROGOV Germany 1-3 UCITS ETF...
 
  • … nur auf Euro lautende Titel enthält.
  • … eine niedrige durchschnittliche Laufzeit und Duration aufweist wegen der Ausrichtung auf kurzlaufende Anleihen, was das Zinsrisiko minimiert. Preisrückgänge werden gering sein, wenn die Zinsen steigen, und außerdem schnell durch neue Anleihen mit höheren Kuponzahlungen kompensiert werden können.
  • … Titel enthält, die von der deutschen Regierung ausgegeben werden, die ein AAA-Rating hat und damit als extrem sicher gilt.
ETFs können noch sehr viel speziellere Indizes nachbilden wie zum Beispiel den Markit iBoxx USD Liquid High Yield 0–5 Capped Index: Ein ETF, der diesen Index nachbildet, enthält die meistgehandelten US-Ramsch-Anleihen, die in den nächsten 5 Jahren auslaufen. Er limitiert das Gewicht einzelner Emittenten, um sicherzugehen, dass Diversifikation zwischen den einzelnen risikoreichen Anbietern besteht.

Andere Indizes gehen bei der Jagd nach Individualität noch weiter und schließen Anleihen von Banken und Finanzdienstleistern aus.

In Kürze werden sie in der Lage sein den Fokus eines ETF zu erkennen, indem Sie seinen Namen lesen und den dazugehörigen Index prüfen. Sie können immer den Indexnamen googeln, um sein Factsheet und seine Methodik zu finden.

 

Wie Anleihe-Indizes konstruiert werden

Der globale Markt für Anleihen ist deutlich größer als derjenige für Aktien, weniger transparent und beruht auf einem komplexeren System an Wertpapieren. Diese Umstände haben die Entstehung von Anleihe-Indizes tiefgreifend geprägt. Anleihe-Indizes beinhalten üblicherweise mehr einzelne Positionen als ihr Aktien-Äquivalent und sie werden mittels komplizierter Auswahlkriterien aufgesetzt.

Zum Beispiel müssen Anleihen-Anwärter für den riesigen Bloomberg Barclays US Aggregate Bond Index folgenden Anforderungen genügen:
 
  • auf Dollar lauten
  • Investment Grade haben
  • festverzinslich sein
  • versteuerbar sein
  • ein ausstehendes Volumen von mindestens 250 Millionen US-Dollar aufweisen
Selbst dann sind viele Anleihen in einem Index illiquide, sodass ETF-Manager die Kosten zu minimieren versuchen, indem sie nur einen Teil des Index per Sampling abbilden, anstatt den gesamten Inhalt des Index zu kaufen.

Indizes beinhalten häufig auch viele verschiedene Wertpapiere von einem einzigen Emittenten. Dies sieht man vor allem bei Staatsanleihen-Benchmarks, die normalerweise mehrere individuelle Anleihen über verschiedene Laufzeitkategorien eines einzigen Landes beinhalten.

Während dies ein echtes Manko für einen Aktienindex wäre, ist das in der Welt der Anleihen völlig normal. Diversifikation ist grundsätzlich weniger nötig, wenn man in eine Anlageklasse investiert, die so sicher ist, wie hoch bewertete Staatsanleihen. Hier kann man sein erwartetes Risiko-Rendite-Profil weiter spezifizieren, indem man in eine bestimmte Bandbreite an Laufzeiten investiert.

Anleihe-Indizes gewichten ihre Mitglieder normalerweise nach der Größe ihrer ausstehenden Schuld. Das heißt: ETFs bestehend aus globalen Staatsanleihen werden zum größten Teil in Wertpapiere der größten Schuldnernationen der Welt investieren. Das sind im Wesentlichen die USA und Japan, die in dieser Hinsicht noch weit vor Frankreich, Italien, Deutschland und dem Vereinigten Königreich liegen.

Vielleicht wird Sie jemand darauf hinweisen, dass eine solche Ausrichtung auch dazu führen kann, dass man übermäßig Ländern ausgesetzt ist, die sprichwörtlich in ihren Schulden ertrinken. Was stärker zählt, ist aber das Bonitätsrating. Die Vereinigten Staaten und Japan halten ihre sehr hohen Bonitätsbewertungen, weil deren Wirtschaft stark genug ist, diesen Schuldenberg auch langfristig zu tragen. In der Tat sind diese beiden Nationen gerade wegen der Größe ihrer Wirtschaft die größten Schuldner der Welt. So hat der Jemen beispielsweise weitaus geringere Schulden als die USA, dennoch wird ein risikobewusster Anleger kaum dessen Anleihen haben wollen.

Grundsätzlich zu beachten ist, dass Anleihe-Indizes ihre Performance unter der Annahme angeben, dass die erhaltenen Zinszahlungen nicht ausgeschüttet werden, sondern reinvestiert, um neue Anleihen zu kaufen.

Wenn Sie sich für einen Anleihen-ETF entscheiden, sollten Sie die Bonitätsbewertungen, die durchschnittlichen Zinszahlungen, die Duration und die Laufzeit der darin enthaltenen Anleihen beachten.

Es ist dabei unvermeidbar, dass diese Kennzahlen sich über die Zeit verändern werden, da alternde Anleihen aus dem ETF verschwinden und durch jüngere Bonds mit höheren Restlaufzeiten ersetzt werden, die geringfügig andere Eigenschaften aufweisen können. Dies ist ein kontinuierlicher Prozess, den der ETF selbständig übernimmt, sodass Sie darauf vertrauen können, dass der ETF seine Benchmark auch zuverlässig abbildet.

 

Anleihenindex-Recherche

Fehlende Vertrautheit ist eine der größten Schwierigkeiten, auf die Investoren stoßen, wenn sie sich das erste Mal mit Anleihen auseinandersetzen.

Es gibt hier keine maßgeblichen Indizes wie den DAX oder den S&P 500.

Hauptsächlich liegt das daran, dass die meisten Anleihetransaktionen nicht über die Börse abgewickelt werden. Stattdessen wird das meiste außerbörslich, also „Over-the-Counter” (OTC), in einem Händlernetzwerk der großen Investmentbanken gehandelt. Daher sind die größten Indexanbieter für Anleihen-Indizes diejenigen, die auf die größte Menge an Anleihen-Preisdaten zugreifen können. Dazu gehören beispielsweise große Investmentbanken oder integrierte Finanzdaten-Provider wie die folgenden:
 
  • Bloomberg Barclays
  • Markit – besitzt die iBoxx Marke (große Miteigentümer sind Goldman Sachs, JP Morgan Chase und UBS)
  • FTSE Russell
Trotz der fremdartigen Begriffe und Akteure verschwinden die Unklarheiten über Bonds relativ schnell, sobald man die Grundlagen verstanden hat. Außerdem können Sie mit den Tools auf justETF die Informationen zu verschiedenen ETFs recherchieren, die Performance vergleichen, und die Risiko-Rendite Trade-Offs analysieren.

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