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MSCI vs. FTSE: Welcher Index-Anbieter ist der richtige?

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MSCI und FTSE gehören zu den größten Index-Anbietern weltweit. Welche Unterschiede es gibt und warum du die beiden Anbieter nicht miteinander mischen solltest.

MSCI vs. FTSE: Welcher Index-Anbieter ist der richtige?
 
  • Level: Für alle
  • Lesedauer: 8 Minuten
Was dich in diesem Artikel erwartet
Heißt es bei dir Nuss-Nougat-Creme oder einfach „Nutella”? In vielen Lebensbereichen haben Markennamen das Sagen. Was im Alltag das „Tempo”-Taschentuch ist, nennt man in der ETF-Welt MSCI World. Ist von einem breit gestreuten Industrieländer-ETF die Rede, denken wenige an den FTSE Developed oder an andere Indizes.
Der MSCI World ist selbst Anfängerinnen und Anfängern im Bereich Geldanlage ein Begriff. Zum einen sind andere Index-Anbieter weniger bekannt. Zum anderen gibt es auf Industrieländer-Ebene kaum ETFs mit alternativen Indizes. Auf der Suche nach globalen Aktien-ETFs auf Industrieländer (ohne Faktor- bzw. Sektor-Ausrichtung) erscheinen neben 33 MSCI World-ETFs gerade einmal drei ETFs zum FTSE Developed-Index und zwei zum Solactive GBS Developed Markets Large & Mid Cap-Index.
Bei Schwellenländern sieht das Ganze ähnlich aus: 23 ETFs auf den MSCI Emerging Markets und nur 4 ETFs auf das Pendant von FTSE Russell. Erst auf Ebene der Regionen beziehungsweise der Länder kommen andere Index-Anbieter wie zum Beispiel STOXX, S&P oder eben FTSE Russell ins Spiel.
Ebenfalls ein gemischtes Bild zeigt sich auch bei All-in-One-Lösungen, die Industrie- und Schwellenländer abdecken: Hier ist FTSE mit MSCI gleichauf. Auf den FTSE All-World entfallen derzeit 7 ETFs – exakt genauso viele wie auf den MSCI ACWI. Das Gleiche gilt für die Indizes, die zusätzlich auch Small Caps beinhalten (MSCI ACWI IMI und FTSE Global All Cap): Hier stehen Anlegerinnen und Anlegern jeweils zwei ETFs zur Auswahl. Der Solactive GBS Global Markets Large & Mid Cap, der große und mittelgroße Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern abdeckt, wird derzeit von zwei ETFs abgebildet.
Insgesamt scheint es aber bei den Indizes, die nur Schwellen- oder Industrieländer abbilden, fast so, als gäbe es keine Alternative zum MSCI. Dabei sind sich FTSE und MSCI eigentlich sehr ähnlich. Auf den ersten Blick lässt sich bei den beiden Anbietern kein Unterschied der Indizes feststellen. Beide Marken bieten breit diversifizierte, nach Marktkapitalisierung gewichtete Indizes auf Industrie- oder Schwellenländer an. Die Unterschiede der zugrunde liegenden Indexkonzepte sind gering, aber ein Blick hinter die Kulissen lohnt.

MSCI vs. FTSE: die Unterschiede

Die größte Diskrepanz zwischen den beiden Anbietern gibt es in der Einstufung der einzelnen Nationen als Industrie- oder Schwellenland. So wird beispielsweise Südkorea von FTSE als Industrienation eingestuft, bei MSCI gilt Südkorea als Schwellenland. Diese Klassifizierung entscheidet bei beiden Anbietern darüber, welche Länder jeweils in den Industrieländer-Index und welche in den Schwellenländer-Index aufgenommen werden.
Ähnlich sieht die Situation bei Polen aus: Bei FTSE gilt Polen seit 2018 als entwickeltes Land und ist in den entsprechenden Indizes vertreten. Bei MSCI hingegen zählt der Primus aus Mittel- und Osteuropa weiterhin als Schwellenland.
Ein weiterer Unterschied zeigte sich im Umgang mit den chinesischen Aktienklassen: Seit Juni 2018 bezieht MSCI neben den H- und B-Aktien auch A-Aktien in den Emerging Markets-Index ein, die lange nur für chinesische Anleger zugänglich waren. Die Einbeziehung erfolgt mit 20 Prozent der Marktkapitalisierung und beschränkt sich auf Werte, die von ausländischen Investoren gekauft werden können.
Im Juni 2019 hat auch FTSE chinesische A-Aktien mit einem Teil der Marktkapitalisierung in seinen Emerging Market-Index aufgenommen und hat den Anteil inzwischen auf 25 Prozent der Marktkapitalisierung aufgestockt.
All diese Unterschiede spiegeln sich in der Zusammensetzung der Indizes wider. Während die Gewichte der Industrieländer-Indizes sehr nah beieinander liegen, gibt es im Bereich der Emerging Markets schon etwas deutlichere Unterschiede. Ein Grund dafür: die unterschiedliche Behandlung von Südkorea. Im MSCI Emerging Markets-Index macht das Land mit rund 21 Prozent sogar den zweitgrößten Anteil am Index aus.
Auch bei der Aufnahme und Einstufung von Ländern wie Griechenland und Vietnam zeigen sich Abweichungen zwischen den Anbietern: So nimmt FTSE am 21. September 2026 Vietnam in seinen Schwellenländer-Index auf und befördert Griechenland in die Liga der Industrieländer, während MSCI Griechenland erst im Mai 2027 heraufstuft und Vietnam bis auf weiteres als Frontier Markets klassifiziert bleibt.

Wie unterscheiden sich die Gewichte der Top 5 Länder bei den Anbietern?

Länder MSCI World FTSE Developed
USA 72,14 % 68,62 %
Japan 5,78 % 6,65 %
Großbritannien 3,53 % 3,56 %
Kanada 3,46 % 3,34 %
Frankreich 2,36 % 2,22 %
Länder MSCI Emerging Markets FTSE Emerging
Taiwan 27,44 % 32,80 %
Südkorea 20,84 %
China 20,62 % 27,18 %
Indien 11,25 % 15,69 %
Brasilien 3,94 % 4,22 %
Quellen: FTSE, MSCI; Stand: 31.08.2026
Nach dem Verständnis beider Anbieter sind in den Industrie- und Schwellenländer-Indizes grundsätzlich nur Large Caps und Mid Caps enthalten. Keiner von beiden berücksichtigt Small Caps. Wobei der MSCI World IMI ab April 2026 ebenfalls durch einen ETF abgebildet wird.
In Bezug auf die Indizes von FTSE und MSCI gibt es allerdings einen Unterschied zu beachten: Die Anbieter definieren „Small Caps” unterschiedlich. Bei FTSE decken die globalen Indizes etwa 90 Prozent der Marktkapitalisierung ab. Hier zählen Small Caps somit zu den kleinsten 8-9 Prozent des Aktien-Universums. Bei MSCI decken die globalen Indizes hingegen „nur” 85 Prozent der Marktkapitalisierung ab und die kleinsten 14 Prozent der Aktien fallen in den Bereich der Small Caps. Dadurch erklärt sich, dass in den Indizes von FTSE meist mehr Unternehmen enthalten sind.
Wer hier nachrechnet, stellt fest, dass bei beiden Anbietern in Summe nur rund 99 Prozent abgebildet werden. Das liegt daran, dass das unterste Prozent der Marktkapitalisierung als Micro Caps bezeichnet wird. Diese Unternehmen sind so klein und illiquide, dass sie von keinem ETF abgebildet werden.

Übersicht der Aktienindizes von MSCI, FTSE und Solactive

Index Industrieländer Schwellenländer Large & Mid Caps Small Caps
FTSE Developed        
MSCI World        
Solactive GBS Developed Markets Large & Mid Cap        
MSCI World IMI        
FTSE All-World        
FTSE Global All-Cap        
MSCI ACWI        
MSCI ACWI IMI        
Solactive GBS Global Markets Large & Mid Cap        
FTSE Emerging        
MSCI Emerging Markets        
MSCI Emerging Markets IMI        
Quellen: FTSE, MSCI, Solactive; Stand: 31.08.2026
Die obige Übersichtstabelle verdeutlicht die Unterschiede gängiger Welt-Aktienindizes von den Anbietern MSCI, FTSE Russell und Solactive hinsichtlich ihres geografischen Fokus und der abgedeckten Unternehmensgrößen. Während Standard-Indizes wie der MSCI World oder der FTSE All-World primär große und mittlere Unternehmen (Large & Mid Caps) beinhalten, schließen Varianten mit den Zusätzen IMI oder All-Cap zusätzlich auch kleinere Werte (Small Caps) ein. Zudem unterscheidet sich die regionale Abdeckung: Während „World“- beziehungsweise „Developed“-Indizes reine Industrieländer-Barometer sind, kombinieren Gesamtmarkt-Indizes wie der MSCI ACWI oder der FTSE All-World sowohl Industrie- als auch Schwellenländer in einem Produkt. Die Matrix hilft dabei, die genaue Abdeckung abzulesen und unbewusste Überlappungen oder Lücken bei der Kombination verschiedener Anbieter im Depot gezielt zu vermeiden.

Anzahl der Aktien in den Indizes von MSCI und FTSE

Region MSCI FTSE
Gesamte Welt (inklusive Small Caps) 8.162 10.113
Gesamte Welt (exklusive Small Caps) 2.458 4.264
Industrieländer 1.280 1.975
Schwellenländer 1.178 2.290
Europa 396 525
Japan 168 487
Asien-Pazifik ex Japan 93 370
Quellen: FTSE, MSCI; Stand: 31.08.2026
Da die Marktkapitalisierung der Unternehmen nach unten hin immer kleinere wird, haben die zusätzlichen 5 Prozentpunkte bei FTSE einen großen effekt: FTSE führt mit ca. 4.264 Werten gut 1.800 Unternehmen mehr im Index als MSCI mit ca. 2.458 Werten (Stand 31.08.2026) bezogen auf den MSCI ACWI und FTSE All-World.
Bemerkenswert ist außerdem, dass sowohl im MSCI ACWI IMI als auch im FTSE Global All Cap rund 50 - 60 % der Unternehmen Small Caps sind.

MSCI vs. FTSE: der Performance-Vergleich

Trotz all dieser Unterschiede ist die Performance von MSCI World und FTSE Developed im Endeffekt fast identisch. Im Vergleich weichen die Wertentwicklungen von ETFs auf die beiden Indizes kaum voneinander ab. Das sollte sich auch in Zukunft kaum ändern.
Performance-Vergleich: MSCI vs. FTSE – Industrieländer (14.09.2023 - 14.09.2026)
Chart Performance-Vergleich MSCI vs. FTSE Industrieländer
Deutlich ausgeprägter sind die Unterschiede in der Wertentwicklung der Emerging Markets-Indizes. Auf Sicht von drei Jahren unterscheidet sich die Performance durch die unterschiedlichen Länderschwerpunkte, was zu einer deutlich besseren Wertentwicklung des MSCI Emerging Markets Index von rund 20 Prozentpunkten führt.
Performance-Vergleich: MSCI vs. FTSE – Schwellenländer (14.09.2023 - 14.09.2026)
Chart Performance-Vergleich MSCI vs. FTSE Schwellenländer

Fazit: MSCI oder FTSE? Welcher Index ist der richtige?

Die laufenden Kosten sind in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken und spielen bei globalen, marktbreiten-ETFs heute kaum noch eine Rolle für die Auswahl. Unabhängig vom Indexanbieter – ob MSCI oder FTSE Russell – liegen die Gesamtkostenquoten (TER) inzwischen auf einem extrem niedrigen Niveau fast gleichauf. So sind Indizes für Industrieländer (MSCI World ab 0,05 %, FTSE Developed ab 0,09 %) ebenso günstig zugänglich wie Schwellenländer-ETFs (MSCI EM ab 0,09 %, FTSE Emerging ab 0,11 %). Auch bei den All-in-One-Lösungen für die ganze Welt bewegen sich die Gebühren im Nachkomma-Bereich (MSCI ACWI ab 0,06 %, FTSE All-World ab 0,07 %, FTSE Global All Cap ab 0,07 % und MSCI ACWI IMI sogar ab 0,17 %). Die Wahl des konkreten Indexanbieters ist daher aus Kostensicht mittlerweile nahezu vernachlässigbar.
Aufpassen solltest du beim Vermischen der beiden Index-Anbieter in deinem Portfolio: Würdest du beispielsweise einen MSCI World-ETF mit einem FTSE Emerging-ETF kombinieren, hättest du Südkorea und Polen nicht in deinem Portfolio. Umgekehrt gilt natürlich das Gleiche. Wenn du den FTSE Developed-Index mit dem MSCI Emerging Markets-Index mischst, hast du diese beiden Länder gleich doppelt im Depot. Um dies zu vermeiden, solltest du dich daher nach Möglichkeit für einen der beiden Anbieter entscheiden.

MSCI World und FTSE Developed im Detailvergleich

Sektor MSCI World FTSE Developed
Anzahl Titel 1.395 2.016
Anzahl Länder 23 26
Abdeckung 85 % des weltweit investierbaren Aktienmarkts 90 % des weltweit investierbaren Aktienmarkts
Anzahl verfügbarer ETFs 33 ETFs 3 ETFs
Gesamtkostenquote (TER) der ETFs 0,05 % - 0,50 % 0,09 % - 0,12 %
5 größte Länder USA (72,14 %)
Japan (5,78 %)
Großbritannien (3,53 %)
Kanada (3,46 %)
Frankreich (2,36 %)
USA (68,62 %)
Japan (6,65 %)
Großbritannien (3,56 %)
Kanada (3,34 %)
Frankreich (2,22 %)
5 größte Sektoren Informationstechnologie (29,86 %)
Finanzen (16,58 %)
Industrie (11,13 %)
Gesundheitswesen (9,27 %)
Nicht-Basiskonsumgüter (8,82 %)
Technologie (34,09 %)
Industriegüter und -services (11,11 %)
Banken (8,42 %)
Gesundheitswesen (7,98 %)
Einzelhandel (4,96 %)
5 größte Unternehmen NVIDIA (5,56 %)
Apple (5,07 %)
Microsoft (3,9 %)
Alphabet (3,52 %)
Amazon (2,74 %)
NVIDIA (5,33 %)
Apple (4,74 %)
Microsoft (3,90 %)
Alphabet (3,43 %)
Meta (1,82 %)
Quelle: MSCI World, FTSE Developed; Stand: 21.09.2026

FAQs zu MSCI & FTSE

MSCI ACWI oder FTSE All World?

Während der MSCI All Country World Index (kurz MSCI ACWI) etwa 85 % der weltweiten Marktkapitalisierung abdeckt, schafft es der FTSE All World auf etwa 90 %. Beide Indizes investieren sowohl in Industrie- als auch Schwellenländer-Aktien und setzen dabei auf Large- und Mid-Caps.

Beide Indizes sind bestens geeignet und eine perfekte "All-in-One"-Lösung für alle, die nur einen ETF im Depot haben möchten oder gerade erst mit ETFs starten.

Welcher ETF ist besser als der MSCI World?

Ein “besser” oder “schlechter” gibt es im eigentlichen Sinne nicht. Dennoch sollte man beachten, dass der MSCI World kein vollumfänglicher Welt-Index ist – denn im MSCI World fehlen die Schwellenländer rund um China, Indien und Co.

Wer also wirklich global anlegen möchte, sollte entweder einen Schwellenländer-Index beimischen oder auf einen wirklich global diversifizierten Welt-Index wie den MSCI ACWI oder FTSE All-Word setzen. Bei den beiden letzteren sind sowohl die Industrie- als auch die Schwellenländer mit enthalten.

Wie gut ist der Vanguard FTSE All World?

ETFs auf den FTSE All World Index eignen sich hervorragend, um global diversifiziert zu investieren. Auch wenn man hierzulande MSCI oder iShares besser kennt als FTSE und Vanguard, spricht nichts dagegen, auf das Pendant des MSCI ACWI, den FTSE All World, zu setzen. Beide Indizes investieren in nahezu dieselben Aktien und weisen folglich eine sehr ähnliche Rendite auf. Im Index enthalten sind etwa 4.200 verschiedene Aktien.

Welcher ETF ist am breitesten gestreut?

Anders als man denken könnte, ist es nicht der bekannte MSCI World, der am breitesten im Aktienmarkt streut. Das liegt daran, dass sich im MSCI World nur Aktien aus Industrieländern wie den USA oder Deutschland befinden.

Wer hingegen die breitest mögliche Streuung bevorzugt, greift zu globalen Indizes aus Industrie- und Schwellenländern wie dem MSCI ACWI oder dem FTSE All World. Damit deckt man etwa 85 - 90 % der Marktkapitalisierung ab.

Wer es noch breiter mag, sollte neben den enthaltenen Large- und Mid-Caps noch die Small-Caps beimischen. Diese sind im MSCI ACWI IMI enthalten. Das Pendant aus dem Hause Vanguard heißt FTSE All Cap.
 
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