Karriere bei justETF   Wir suchen aktuell einen Full-Stack Developer (m/w).   Jetzt bewerben

MSCI vs. FTSE: Welcher Index-Anbieter ist der richtige?

justETF.com

MSCI-Indizes sind die Stars unter den globalen Indizes. Ihre FTSE-Pendants stellen sie locker in den Schatten. Die Angebote der beiden Index-Anbieter sind im Prinzip gleich, unterscheiden sich aber in den Details. Welche Unterschiede es gibt und warum Sie die beiden Anbieter nicht miteinander mischen sollten.

MSCI vs. FTSE: Welcher Index-Anbieter ist der richtige? Heißt es bei Ihnen Nuss-Nougat-Creme oder einfach „Nutella”? In vielen Lebensbereichen haben Markennamen das Sagen. Was im Alltag das „Tempo” ist, nennt man in der ETF-Welt MSCI World. Ist von einem breit gestreuten Welt-ETF die Rede, denkt niemand an den FTSE Developed oder an andere Indizes. Der MSCI World ist selbst Anfängern im Bereich Geldanlage ein Begriff. Zum einen sind andere Index-Anbieter kaum bekannt. Zum anderen gibt es auf globaler Ebene kaum ETFs mit alternativen Indizes. Auf der Suche nach globalen Aktien-ETFs (ohne Faktor- bzw. Sektor-Ausrichtung) erscheint neben 14 MSCI World ETFs gerade mal ein ETF zum FTSE Developed-Index.

Bei der Investition in Schwellenländer sieht das Ganze ähnlich aus: unzählige ETFs auf den MSCI Emerging Markets und ein einsamer ETF als Pendant von FTSE. Erst auf Ebene der Regionen beziehungsweise der Länder kommen andere Index-Anbieter wie zum Beispiel STOXX, S&P oder eben FTSE ins Spiel. Es scheint fast so, als gäbe es auf globaler Ebene keine Alternative zum MSCI. Dabei sind sich FTSE und MSCI eigentlich sehr ähnlich. Auf den ersten Blick lässt sich bei den beiden Anbietern kein Unterschied der Indizes feststellen. Beide Marken bieten breit diversifizierte, nach Marktkapitalisierung gewichtete Indizes auf Industrie- oder Schwellenländer an. Der Teufel steckt aber wie so oft im Detail.  

 

MSCI vs. FTSE: die Unterschiede

Die größte Diskrepanz zwischen den beiden Anbietern gibt es in der Einstufung der einzelnen Nationen als Industrie- oder Schwellenland. So wird beispielsweise Südkorea zwar von FTSE als Industrienation eingestuft, bei MSCI gilt Südkorea allerdings weiter als Schwellenland. Diese Klassifizierung entscheidet bei beiden Anbietern darüber, welche Länder jeweils in den Industrieländer-Index und welche in den Schwellenländer-Index aufgenommen werden. Ähnlich sieht die Situation bei Polen aus. Bei FTSE ist die Heraufstufung Polens bereits beschlossene Sache. Seit dem 24. September 2018 zählt Polen zu den entwickelten Ländern und ist in den entsprechenden Indizes vertreten. Bei MSCI hingegen zählt der Primus aus Mittel- und Osteuropa weiterhin als Schwellenland. 

Einig sind sich die beiden Anbieter bei Saudi Arabien. FTSE hatte bereits seit längerem angekündigt, Saudi Arabien in die Gruppe der Schwellenländer aufzunehmen. Tatsächlich geschehen soll dies im März 2019. Vor Kurzem zog auch MSCI nach und gab ebenfalls Pläne bekannt, Saudi Arabien und Argentinien ab Juni 2019 in ihren Schwellenländer-Index einzuordnen.

Ein weiterer Unterschied zeigt sich im Umgang mit den chinesischen Aktienklassen: Seit Juni 2018 bezieht MSCI neben den H- und B-Aktien auch A-Aktien in den Emerging Markets-Index ein, die lange nur für chinesische Anleger zugänglich waren. Die Einbeziehung erfolgt zunächst mit nur fünf Prozent des eigentlichen Marktwerts der Aktien, könnte sich allerdings erhöhen, wenn die Kapitalmarkt-Regulierungen in China entsprechend angepasst werden. Auch FTSE hat angekündigt, neben den H- und B-Aktien A-Aktien in seine Indizes aufnehmen zu wollen – mit einem Einschlussfaktor von 25 Prozent von Beginn an. 

All diese Unterschiede spiegeln sich in der Zusammensetzung der Indizes wieder. Während die Gewichte der Industrieländer-Indizes sehr nah beieinander liegen, gibt es im Bereich der Emerging Markets schon etwas deutlichere Unterschiede. Ein Grund dafür: die unterschiedliche Behandlung von Südkorea. Im MSCI Emerging Markets-Index macht das Land mit 14 Prozent sogar den zweitgrößten Anteil am Index aus.

 

Wie unterscheiden sich die Gewichte der Top 5 Länder bei den Anbietern?

Länder MSCI World FTSE Developed
USA 62,39% 60,24%
Japan 8,43% 9,09%
Großbritannien 6,04% 6,25%
Frankreich 3,81% 3,59%
Kanada 3,33% 2,97%
Länder MSCI EM FTSE EM
China 30,04% 32,63%
Südkorea 13,96% -
Taiwan 11,85% 13,49%
Indien 8,67% 11,14%
Brasilien 7,98% 9,72%
Quellen: FTSE, MSCI; Stand: 31.10.18
 
Nach dem Verständnis beider Anbieter sind in den Industrie- und Schwellenländer-Indizes grundsätzlich nur Large Caps und Mid Caps enthalten. Allerdings berücksichtigt keiner von beiden Small Caps. Dabei gibt es allerdings einen Unterschied zu beachten: Die Anbieter definieren „Small Caps” jeweils unterschiedlich. Bei FTSE decken die globalen Indizes etwa 90 Prozent der Marktkapitalisierung ab. Hier zählen Small Caps somit zu den kleinsten 10 Prozent des Aktien-Universums. Bei MSCI decken die globalen Indizes hingegen „nur” 85 Prozent der Marktkapitalisierung ab und die kleinsten 15 Prozent der Aktien fallen in den Bereich der Small Caps. Dadurch erklärt sich, dass in den Indizes von FTSE meist mehr Unternehmen enthalten sind.

 

Wie viele Aktien enthalten die jeweiligen Indizes der beiden Anbieter? 

Region MSCI FTSE
Gesamte Welt 2.787 3.211
Industrieländer 1.636 2.193
Schwellenländer 1.151 1.018
Europa 443 594
Japan 322 520
Quellen: FTSE, MSCI; Stand: 31.10.2018

Obwohl im FTSE-Index deutlich mehr Unternehmen enthalten sind, betrifft das fast ausschließlich Unternehmen, die sich im Grenzgebiet zwischen den Small Caps und den Mid Caps aufhalten. Solche Unternehmen sind in der Regel so klein, dass sie an der prozentualen Marktkapitalisierung nicht viel ändern.

   

MSCI vs. FTSE: sehr ähnliche Performance

Trotz all dieser Unterschiede ist die Performance von MSCI World und FTSE Developed im Endeffekt fast identisch. Im Vergleich weichen die Wertentwicklungen von ETFs auf die beiden Indizes kaum voneinander ab. Das sollte sich auch in Zukunft kaum ändern.
 
MSCI vs. FTSE: sehr ähnliche Performance – Developed Markets
Quelle: justETF Research

Im Vergleich dazu sind die Unterschiede in der Wertentwicklung der Emerging Markets-Indizes ausgeprägter. Seit Auflage des Fonds entwickelte sich der Vanguard FTSE Emerging Markets (+40,72%) besser als ein ETF der Marke iShares auf den MSCI Emerging Markets (+33,69%). Auch in Zukunft ist hier eine kleine Abweichung zu erwarten. Die Performance könnte noch etwas auseinandergehen, da seit September 2018 neben Südkorea auch Polen bei FTSE den Aufstieg in die Developed Markets geschafft hat, während beide Länder im MSCI noch als Entwicklungsländer gelten. Insgesamt performen die beiden Indizes dennoch sehr ähnlich und werden sich vermutlich auch auf lange Sicht nicht sehr weit voneinander entfernen.
 
MSCI vs. FTSE: sehr ähnliche Performance – Emerging Markets
Quelle: justETF Research

Stärkere Auswirkungen können kleine Differenzen in Indizes allerdings auf Regionen- oder Länder-Ebene haben. Hier kann es sich noch mehr auszahlen, verschiedene Indizes und deren Konstruktion miteinander zu vergleichen sowie auf Sinnhaftigkeit zu überprüfen.

 

Was heißt das nun konkret?

Der Anbieter Vanguard, der im Januar 2013 von Indizes der Marke MSCI auf FTSE gewechselt hat, hat die Umstellung mit einem Kostenvorteil der FTSE-Produkte begründet. Bei der Auswahl eines globalen ETF sollten Sie sich dennoch nicht allzu lange mit der Entscheidung des Index aufhalten: sie sind vergleichbar. Viel wichtiger ist die Frage, welche Kosten die finalen Produkte tatsächlich bei Ihnen verursachen. Es kann durchaus vorkommen, dass ETFs auf Indizes von MSCI trotz der wohl teureren Marke im Endeffekt günstiger für Sie sind. Im Moment kostet der preiswerteste MSCI World-ETF 0,12 Prozent, während der preiswerteste (und einzige) FTSE Developed-ETF eine Total Expense Ratio (kurz: TER) von 0,18 Prozent aufweist. Ähnlich sieht es im Bereich der Schwellenländer aus: Der günstigste MSCI Emerging Markets-ETF kostet 0,18 Prozent, während der ETF auf den FTSE Emerging Markets mit Kosten in Höhe von 0,25 Prozent zu Buche schlägt. Bei der Kombination von Industrie- und Schwellenländern in einem Index liegt der ETF auf die FTSE-Variante vorne: Der FTSE All-World ist bereits ab 0,25 Prozent zu haben, während der günstigste MSCI All Country World-Index (ACWI) 0,40 Prozent kostet.
 
Unser Tipp: Auf unserer Website finden Sie die ETF-Portfolios „Vanguard Global BIP” und „Vanguard Regionen BIP” als Kopiervorlage.
 

ETF-Portfolio „Vanguard Global BIP”

ETF-Portfolio Vanguard Global BIP
 

ETF-Portfolio „Vanguard Regionen BIP”

ETF-Portfolio Vanguard Regionen BIP

Passen Sie auf beim Vermischen der beiden Indizes in Ihrem Portfolio: Würden Sie beispielsweise einen MSCI World-ETF mit einem FTSE Emerging Markets-ETF kombinieren, hätten Sie Südkorea und Polen nicht in Ihrem Portfolio. Umgekehrt gilt natürlich das Gleiche. Wenn Sie den FTSE Developed mit dem MSCI Emerging Markets mischen, haben Sie die Länder gleich doppelt im Depot. Um solche Klumpenrisiken zu vermeiden, sollten Sie sich nach Möglichkeit für einen der beiden Anbieter entscheiden.

Aus Sicht der ETF-Anbieter ist die Entscheidung für einen der Indizes jedoch nicht so einfach. Hier stellt sich die Frage, ob sie eher mehr Kunden mit dem bekannteren Markennamen oder mit einer möglicherweise niedrigeren Gesamtkostenquote anlocken. Wie anfangs bereits erwähnt, zieht der Markenname MSCI durch seine hohe Bekanntheit durchaus viele Anleger an. Die ETF-Anbieter werden sich also gut überlegen, ob sie – um ein paar Basispunkte zu sparen – den Index-Anbieter wechseln.

 

MSCI World und FTSE Developed im Detailvergleich

Sektor MSCI World FTSE Developed
Anzahl Titel 1.636 2.193
Anzahl Länder 23 25
Abdeckung (nicht free float-adjusted) 77% des weltweit investierbaren Aktienmarkts 80% des weltweit investierbaren Aktienmarkts
Anzahl verfügbarer ETFs 15 ETFs 1 ETF
davon sparplanfähig 13 ETFs 1 ETF
Gesamtkostenquote (TER) der ETFs 0,12% - 0,50% 0,18%
5 größte Länder USA (62,4%)
Japan (8,4%)
Großbritannien (6,0%)
Frankreich (3,8%)
Kanada (3,3%)
USA (60,2%)
Japan (9,1%)
Großbritannien (6,3%)
Frankreich (3,6%)
Deutschland (3,1%)
5 größte Sektoren Informationstechnologie (18,9%)
Finanzen (16,5%)
Gesundheitswesen (13,1%)
Nicht-Basiskonsumgüter (12,4%)
Industrie (11,0%)
Technologie (15,4%)
Gesundheitswesen (11,3%)
Industriegüter und -services (11,3%)
Banken (9,6%)
Einzelhandel (6,6%)
5 größte Unternehmen Apple (2,8%)
Microsoft (2,0%)
Amazon (1,7%)
Johnson & Johnson (1,0%)
JP Morgan Chase (1,0%)
Apple (2,7%)
Microsoft (2,0%)
Amazon (1,6%)
Johnson & Johnson (1,0%)
JP Morgan Chase (0,9%)
Quelle: MSCI World, FTSE Developed; Stand: 31.10.2018