Portfolio-Rebalancing: Warum es Sinn macht

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Als erfolgreicher Anleger kaufen Sie billig und verkaufen teuer. Soweit die Theorie. In der Praxis brauchen Sie jede Menge Disziplin und ein „System“ um dies auch wirklich umsetzen zu können. Portfolio-Rebalancing hilft Ihnen genau dabei.

Portfolio-Rebalancing: Warum es Sinn macht Portfolio-Rebalancing ist für die meisten Anleger genau das Richtige. Hier steuern Sie Ihr Risikoniveau und handeln antizyklisch. Damit profitieren Sie von einem Phänomen, das unter dem Namen „Mean Reversion“ (also die Rückkehr zum Mittelwert) bekannt ist.

 

Das „Mean Reversion“ Phänomen

Die Theorie der Mean Reversion (Mittelwertrückkehr) lässt vermuten, dass früher oder später, die Aktienkurse zum Durchschnitts- oder Mittelwert zurückkehren. Zum Beispiel haben deutsche Aktien historisch eine durchschnittliche Rendite von 7,8 Prozent pro Jahr geliefert.

Wenn wir also Jahre mit einer überdurchschnittlich guten Entwicklung erleben, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass auf diese guten Zeiten eine Phase mit unterdurchschnittlicher Entwicklung folgt und somit die Kurse wieder auf ihren „fairen Wert“ zurückkommen.
 

DAX-Renditedreieck: Die Aktien-Renditen der letzten 50 Jahren

Renditedreieck Dax
Quelle: Deutsches Aktieninstitut; Stand: 31.12.2015

Die „Mean Reversion“ konnte in vielen Anlageklassen und Ländern identifiziert werden und erklärt, warum Blasen platzen. Sobald Anleger erkennen, dass ein Vermögenswert überbewertet ist, sinkt die Nachfrage bis die Preise wieder ein angemessenes Niveau erreicht haben.

Umgekehrt gilt das Gleiche. Das bedeutet, dass ein unterbewerteter Vermögenswert so lange im Wert steigen sollte bis er seinen Mittelwert wieder erreicht hat. Grund dafür ist wiederum die Nachfrage. Wenn die Anleger eine Unterbewertung identifiziert haben, treiben Sie den Preis in die Höhe.

Anleger, die aktiv Markt-Timing betreiben (also versuchen den richtigen Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkt zu finden), neigen dazu ihre Erträge zu unterschätzen, weil sie sich am Ende auf der falschen Seite der Mean Reversion befinden. Meist kaufen sie einen Titel zu überhöhten Preisen und verschlimmern ihren Fehler, indem sie in Panik nach einem Kursverfall verkaufen. Dann investieren sie ihr verbliebenes Kapital in einen anderen „heißen“ Tipp und diese Geschichte wiederholt sich. Diese Strategie des teuer Kaufens und billig Verkaufens ist ein typischer Anlagefehler.

Portfolio-Rebalancing bewahrt Sie davor diesen Anlagefehler zu begehen und es ist eine gute Technik, die Ihnen die nötige Disziplin an die Hand gibt. Hier nehmen Sie Gewinne in Positionen mit, die an Wert gewonnen haben und stocken Positionen, die an Wert verloren haben auf.

Auf diese Weise kaufen Sie Vermögenswerte, die im Preis relativ günstig sind und verkaufen diejenigen, die relativ teuer sind. In anderen Worten kaufen Sie günstig und verkaufen teuer.

 

Aber wie viel und wie oft sollten Sie handeln?

Über diese Frage entscheidet Ihre ursprüngliche Anlagestruktur.

Wenn Sie sich zum Beispiel für eine 50:50 Verteilung zwischen Aktien und Anleihen entschieden haben, dann handeln Sie, wenn Ihr Portfolio zu stark von der ursprünglichen Verteilung abweicht.
 

Hat Ihr Portfolio beispielsweise einen Wert von 10.000 Euro und nach einer Aktienralley ist Ihr Aktienanteil auf 60 Prozent des Portfolios (gegenüber 40 Prozent Anleihen) gestiegen, dann würden Sie jetzt Aktien im Wert von 1.000 Euro verkaufen und Anleihen im Wert von 1.000 Euro nachkaufen, um die 50:50 Verteilung in Ihrem Portfolio wiederherzustellen. Nach diesem Rebalancing besitzen Sie dann 5.000 Euro in Aktien und 5.000 Euro in Anleihen.
 

Dies ist eine hervorragende Methode zur Risikokontrolle. Wenn Sie Ihr Portfolio im Laufe der Zeit nicht nachjustieren, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass Ihre Anlagestruktur über die Zeit immer stärker von der ursprünglich gewählten Mischung abweicht.

Da sich Aktien langfristig in der Regel wesentlich besser als Anleihen entwickeln ist es sehr wahrscheinlich, dass über die Zeit ein 50:50 Portfolio ohne Rebalancing schnell einen Aktienanteil von 70 Prozent oder mehr besitzt. Durch diese Verschiebung des Rendite-Risiko-Profils, ist im Falle eines Börsencrashs auch ein höherer Rückgang im Portfoliowert zu erwarten. Für einen risikoscheuen Anleger könnte dies bedeuten, dass er bei einem Börsencrash in Panik Aktien verkauft und damit Verluste zementiert.

Portfolio-Rebalancing hilft Ihnen also, Ihr Portfolio auch im Laufe der Zeit im Einklang mit Ihrer Risikobereitschaft zu halten und stellt sicher, dass Sie Vermögenswerte, die stark an Wert gewonnen haben, reduzieren.

Sie würden natürlich nicht jedes Mal sofort, wenn eine Position gerade mal um 1 Prozent abweicht ein Rebalancing vornehmen. Wenn Sie zu oft handeln, dann schmälern Sie Ihre Rendite durch übermäßige Kosten aus Ordergebühren und Steuern.

Werfen wir einen kurzen Blick auf die unterschiedlichen Rebalancing-Methoden.

 

Kalender-Rebalancing

Das sogenannte „Kalender-Rebalancing“ ist vielleicht der einfachste Weg, um übermäßiges Anpassen zu vermeiden. Hier passen Sie Ihr Portfolio jeweils zu einem festen Zeitpunkt, wie zum Beispiel jährlich jeweils zum Jahresende, an und stellen Ihre ursprüngliche Anlagestruktur wieder her.

Diese ist eine sehr einfache Methode, die allerdings den Nachteil hat, dass während des definierten Zeitraums viel passieren kann, vor allem, wenn die Märkte volatil sind.

 

Anlagegrenzen-Rebalancing

Eine anspruchsvollere Rebalancing-Methode ist das „Anlagegrenzen-Rebalancing“. Hier wird jedes Mal, wenn Ihre Anlagestruktur einen bestimmten Schwellenwert erreicht, eine Anpassung vorgenommen.

Zum Beispiel könnten Sie Ihre Schwelle auf 5 Prozentpunkte festlegen. Bei unserem 50:50 Beispiel-Portfolio bedeutet dies, dass Sie ein Rebalancing vornehmen, wenn eine Position über 55 Prozent steigt oder unter 45 Prozent Ihres Portfolios fällt.

Im Normalfall werden diese Schwellenwerte direkt auf strategischer Ebene (also auf Anlageklassenniveau) festgelegt. Das bedeutet, Sie beobachten die Verteilung zwischen Aktien und Anleihen im Portfolio. Für eine feinere Steuerung können diese Schwellenwerte auf ETF-Ebene festgelegt werden. Hier beobachten Sie dann zum Beispiel deutsche Aktien gegenüber US-Aktien und den Schwellenländern.

Das Anlagegrenzen-Rebalancing bietet das Beste aus beiden Welten: in einer stabilen Marktphase kann es sein, dass für mehrere Jahre kein Rebalancing notwendig ist, in turbulenten Zeiten jedoch sorgt das Rebalancing in den entsprechenden Phasen dafür, dass das Risikoprofil Ihres Portfolios nicht aus dem Gleichgewicht gerät.

Je größer Sie die Bandbreite und damit den Schwellenwert setzen, desto mehr Risiko nehmen Sie in Kauf und desto mehr profitieren Sie vom Momentum. Dadurch senken Sie auch die Handelskosten.

Das justETF System unterstützt Sie beim Anlagegrenzen-Rebalancing und überwacht für Sie die Schwellenwerte auf Anlageklassen oder ETF-Ebene. Als Standardwert ist eine Bandbreite von +/- 5 Prozentpunkten hinterlegt. Erreicht ein Wert den vordefinierten Schwellenwert, so benachrichtigt Sie das justETF System und berechnet Ihnen auf Wunsch alle notwendigen Transaktionen um Ihre strategische Anlagestruktur wiederherzustellen.

Auch sollten Sie bedenken, dass sehr kleine Anpassungen Ihr Portfolio übermäßig mit Kosten belasten und es aus wirtschaftlichen Gründen manchmal keinen Sinn macht ein Rebalancing durchzuführen.

 

Cash Flow-Rebalancing

Ein Portfolio-Rebalancing über Einzahlungen ist eine elegante Möglichkeit kostensparendes Rebalancing durchzuführen. Im Fachjargon ist dies auch als Cash Flow-Rebalancing bekannt.

Hier investieren Sie neues Geld oder aufgelaufene Erträge aus Dividenden und Zinsen in die Positionen, die zuletzt an Wert verloren haben. Positionen werden also nicht verkauft und damit auch keine Steuern auf etwaige Gewinne fällig. Nur Käufe zu tätigen ist besonders attraktiv, wenn Sie darüber hinaus noch Kaufrabatte von Online Brokern nutzen können.

Viele Anleger finden Portfolio-Rebalancing schwierig, weil es für sie unlogisch klingt, eine Top-Position zu verkaufen und dafür in einen Verlierer zu investieren. Dies mag auch für einzelne Aktien stimmen, für ganze Märkte jedoch nicht. Denken Sie immer daran, dass ein Bullenmarkt nicht ewig bleibt und das Phänomen der „Mean Reversion“ ein mächtiger Gegenspieler ist. Portfolio-Rebalancing wird durch volatile Märkte begünstigt und Ihr langfristiger Erfolg beruht insbesondere auf Disziplin, Risikokontrolle und der Strategie möglichst günstig zu kaufen und teuer zu verkaufen.