Fallstricke bei der passiven Geldanlage

Wenn man sich zu einer passiven Anlagestrategie entschlossen hat, so ist dies meist aus gutem Grund geschehen. Man ist zumindest der Meinung, dass es nicht sinnvoll ist, einzelne Aktien oder aktive Fonds auszuwählen.

Fallstricke bei der passiven Geldanlage Ein x-beliebiges passives Produkt zu kaufen, ist dabei aber zu kurz gegriffen. Man sollte sich gründlich überlegen, welches passive Investment in Frage kommt. Des Weiteren ist zu klären, wann und wie viel Geld in das Investment hinein oder aus ihm heraus fließen sollen.

 

„Hin und her“ macht Taschen leer

Bei einem Investment in passive Anlageprodukte kann ein Anleger versucht sein, seine Werte umzuschichten, etwa von einem ETF auf einen europäischen Index hin zu einem ETF auf US-amerikanische Werte. Anleger geben sich häufig der Illusion hin, dass Sie zumindest beurteilen können, welcher Markt „besser läuft“. Es fällt ihnen schwer zu akzeptieren, dass die Zukunft unsicher ist und dass auch das Ergebnis einer solchen Prognose zufällig ist. Das Timen von Märkten ist ähnlich problematisch wie die Auswahl einzelner Aktien: Mal verliert man selbst, mal gewinnen die anderen (mehr). Die Tatsache, dass man trotzdem der Meinung ist, etwas besser beurteilen zu können bzw. die Kontrolle darüber zu haben ist als Kontrollillusion bekannt. Diese führt dazu, dass man etwas tun möchte um einzugreifen. Man handelt unter Umständen zu häufig. Die Wissenschaftler Barber und Odean haben beispielsweise für Discountbroker-Kunden herausgefunden, dass häufiges Handeln zu einer Nettorendite von durchschnittlich 11,4% führt, während der Markt eine Rendite von 17,9% hatte.

 

Der Fokus auf die relevanten Stellschrauben

Wenn man sich also nicht regelmäßig um eine Umschichtung kümmern muss, was kann man dann tun um sein Portfolio gut auszurichten? Zunächst einmal sollte man herausfinden, wie viel Risiko man generell eingehen will. Dabei muss beachtet werden, welches Risiko man finanziell tragen kann und mit welchem Risiko man psychisch klarkommt. Einerseits sollten existentielle Risiken vermieden werden, man sollte aber auch nachts ruhig schlafen können. Es gibt damit nicht eine passive Standardstrategie, sondern eine individuell optimale Strategie. In der Regel lässt das persönlich gewünschte und tragbare Risiko sich dann durch Kombination eines möglichst breit diversifizierten riskanten Portfolios und einer risikofreien bzw. sehr risikoarmen Anlage realisieren. Es kann dann eine persönliche Aufteilung zwischen riskanter und risikofreier/-armer Anlage ermittelt werden, z.B. 50% in ein breit diversifiziertes Portfolio und 50% in Tagesgeld oder Festgeld. Dieses Verfahren, das ein breit diversifiziertes Portfolio mit einer risikoarmen Anlage mischt funktioniert dabei unabhängig vom gewünschten Risiko. Lediglich die Aufteilung ist jeweils anzupassen. So kann es auch für eine Person mit sehr geringer Risikobereitschaft Sinn machen z.B. 5% eines breiten Portfolios und 95% risikoarme Anlagen zu halten. Eine Beschränkung auf mehrere leicht riskante Assets würde hingegen wertvolles Diversifikationspotential verschenken.

Wurde die persönlich wünschenswerte Aufteilung zwischen riskantem Portfolio und risikoarmem/risikofreiem Investment bestimmt, so kann der Handel mit passiven Produkten auf ein Minimum reduziert werden. Der Handel mit passiven Investmentvehikeln kann dann neben der Neuanlage auf das Wiederherstellen dieser persönlichen Aufteilung beschränkt werden. Wird monatlich ein gewisser Betrag gespart, so sollte dieser entsprechend der gewählten Gewichte angelegt werden. Nach einiger Zeit kann es auch nötig sein, die Gewichte wieder anzupassen, da sie sich durch Kursgewinne oder Kursverluste verändert haben. Bei diesem Rebalancing, werden die ursprünglichen Gewichte durch Umschichtung wiederhergestellt.

Um ein langfristiges Vermögens- oder Sparziel zu erreichen, müssen neben der Risikotragfähigkeit weitere Faktoren bestimmt werden. So muss etwa bestimmt werden, wie hoch ein monatlicher/jährlicher Sparbetrag sein kann und sein muss, um zusammen mit der Risikotragfähigkeit das Erreichen eine Anlageziels zu ermöglichen. Kurz gesagt: Wie viel Geld muss ich heute bei Seite legen, damit ich eine realistische Chance habe meine Ziele zu erreichen?

 

Die Absicherung

Bei aller Freude darüber, nun ein persönlich optimales Investment gefunden zu haben -mit dem man wahrscheinlich deutlich besser fährt, als der Nachbar, der sein Vermögen ständig umschichtet- ist nach wie vor Vorsicht geboten. Man sollte überlegen, welche Risiken man außerhalb der Geldanlage hat und wie diese abgesichert werden sollen. Die schönste Strategie ist nutzlos, wenn man die notwendigen Sparraten nicht mehr aufbringen kann oder wenn man das aufgebaute Vermögen wegen unvorhergesehener Risiken angreifen oder aufbrauchen muss. Wie beim Prognostizieren verschiedener Märkte ist auch hier die Zukunft ungewiss.

 
Literaturangaben
Barber, B. M./Odean, T. (2000): Trading Is Hazardous to Your Wealth: The Common Stock Investment Performance of Individual Investors, in: The Journal of Finance 55, 773-806.
 
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