Weltportfolio Ansätze: Die Kommer-Strategie

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Die Basis des Weltportfolio-Ansatzes ist ein breit gestreutes Portfolio aus Aktien, Anleihen und Rohstoffen. Dieser Ansatz basiert auf den Lehren der Kapitalmarktgeschichte und Analyse historischer Renditen verschiedener Anlageklassen.

Weltportfolio Ansätze: Die Kommer-Strategie Professor Martin Weber und Dr. Gerd Kommer haben diesen Ansatz in den letzten Jahren mit ihren Publikationen einem breiten Publikum in Deutschland bekannt gemacht. Beide haben dabei ihre ganz eigene Ausgestaltung gefunden. Dieser Blog-Beitrag fokussiert sich auf den Ansatz von Dr. Gerd Kommer und geht auf seine Besonderheiten ein.

Die Asset-Allokation „Kommer-Strategie” wurde von Gerd Kommer erstmalig 2001 und zuletzt in seinen Büchern “Herleitung und Umsetzung eines passiven Investmentansatzes für Privatanleger in Deutschland” (2012), „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“ (2011) und „Die Buy and Hold Bibel“ (2010) vorgestellt.

 

Weltportfolio gemischt mit „risikofreiem“ (*) Portfolioteil

Das Gesamtportfolio eines Anlegers nach Kommer besteht aus einem “risikofreien” (*) Portfolioteil und einem risikobehafteten Teil (letzterer ist das so genannte “Weltportfolio”). Die anlegerspezifische Mischung (Asset-Allokation) dieser beiden Teile (“risikofreier” Teil + Weltportfolio) hängt von der Risikotragfähigkeit des Anlegers und seinem Anlagehorizont ab (siehe S. 206 ff. in Souverän Investieren). Diese Mischung aus zwei Teilen ist im Grunde genommen, die einzige Asset-Allokationsentscheidung, die der Anleger bei Kommer treffen muss.

 

Passive Anlagestrategie mit Rebalancing

Der Kommer-Ansatz ist eine langfristig ausgerichtete, “passive” Anlagestrategie (ein rigoroser Buy-and-Hold-Ansatz) mit einem mehrjährigen Mindestanlagehorizont, gelegentlich auch etwas vereinfacht “Indexing” genannt. Der Buy-and-Hold-Grundsatz wird lediglich durch das Prinzip des Rebalancing (siehe unten) eingeschränkt.

 

Breit diversifiziertes Portfolio

Ziel des Kommer-Ansatzes für den Weltportfolio-Teil (risikobehafteter Portfolioteil) ist ein in Aktien, Immobilien(-aktien) und Rohstoffe (Rohstoff-Futures) global breit diversifiziertes Portfolio für die langfristige Vermögensanlage/Altersvorsorge. Die Anlageklassen werden über ETFs (Indexfonds) realisiert, die repräsentative Wertpapierindizes abbilden. Nebenwerte (Small Caps), Substanzwertaktien (Value-Aktien) und Schwellenländeraktien (Emerging Market-Aktien) werden stärker gewichtet als das bei manch anderen Ansätzen der Fall ist. Rohstoff-Futures-Index-ETFs wird der Vorzug gegebenüber Direktanlagen in Rohstoffe gegeben, da Anlagen in Futures (Termingeschaefte) vermutlich bessere Rendite- und Risiko-Eigenschaften haben (**).

 

Heuristischer Investmentansatz

Die Gewichtung der Anlageklassen (Asset-Klassen) nach Kommer folgt einem „heuristischen“ Ansatz, der sich aus dem Studium sehr langfristiger historischer Asset-Klassen-Renditen und Risiken aus den letzten 20 bis 112 Jahren (je nach Datenverfügbarkeit für einzelne Asset-Klassen) und anderer Faktoren ableitet. Dadurch soll ein vorteilhaftes Rendite-Risiko-Verhältnis erreicht werden.

 

Asset-Allokation nach Kommer (risikobehaftete Portfolioteil + „risikofreier“ Portfolioteil)

Ein mögliches Gesamtportfolio verteilt sich nach Kommer wie folgt (hier am Beispiel einer 70/30 Mischung aus Weltportfolio und „risikofreiem“ Portfolioteil dargestellt).
 

Asset Allokation nach Kommer

Weltportfolio Ansatz nch Gerd Kommer
Quelle: Gerd Kommer, Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs, Seite 220
 

Regelmäßiges Rebalancing

Die strategische Anlagestruktur des Gesamtportfolios (risikofreier Portfolioteil und Weltportfolio) sollte im Zeitverlauf -- da sie sich durch Marktbewegungen fast unweigerlich verschieben wird -- regelmäßig wieder der Zielallokation angepasst werden (“Rebalancing”).

Rebalancing kann auf verschiedene weisen erfolgen. Ein Rebalancing kann man am Kalender oder an Toleranzbändern für Investitionsquoten ausrichten. Beispielhaft für Toleranzgrenzen ist einen strategischen Aktienanteil von 40% langfristig beizubehalten, in dem man ein Toleranzband von +/-5 Prozentpunkten (35%-45%) darum legt. Wird dieses Band verletzt, setzt man den Aktienanteil wieder auf 40% im Depot zurück. Rebalancing kann ebenfalls über Hinzukäufe (Wertpapiersparen mit ETFs) in die untergewichteten Asset-Klassen erfolgen.

 

Musterportfolio „Kommer Strategie“ – Anleitung zum Nachbilden im eigenen Depot

Die Kommer Strategie finden Sie ausgearbeitet als Musterportfolio zum kostenfreien Nachbilden.

Das Musterportfolio „Kommer Strategie“ versucht die beschriebene Asset-Allokation nach Kommer möglichst exakt aber auch pragmatisch nachzubilden. Es wurde eine Verteilung von 70% Weltportfolio und 30% risikofreier Anteil gewählt. Die enthaltenen ETFs orientieren sich an der Produktauswahl, die in den Büchern von Kommer Erwähnung finden, sind aber frei vom justETF Team gewählt. Für das einfache Rebalancing wurden Bandbreiten auf Asset-Klassen-Ebene von +/- 5 Prozentpunkte definiert. justETF bietet an, bei Verletzungen dieser Grenzen automatisch per E-Mail zu informieren.


(*) Völlig risikofreie Anlagen existieren nicht. Die Bezeichnung “risikofrei” ist daher eher im Sinne von “risikoärmsten” Anlage(n) zu verstehen. Der Begriff “risikofrei” (statt „risikoärmster“) für diesen Portfolioteil ist traditionell üblich und wird lediglich aus diesem Grund in dieser Form verwendet.

(**) Die ersten Termingeschäftsmärkte fuer Agrarrohstoffe haben in Japan und Europa zeitlich noch vor den ersten Aktienbörsen existiert.